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Freiwillige Rente mit 70 Freiheit statt Zwangsverrentung

BA-Chef Weise möchte, dass die Arbeitnehmer auch bis zum 70 Lebensjahr arbeiten können. Nur die politische Unterstützung für diese gute Idee fehlt noch.

Die wichtigsten Begriffe zur Rente
ZeitrenteAls Zeitrente wird ein Vorsorgebetrag bezeichnet, der nur über einen bestimmten, endlichen Zeitraum gezahlt wird. Ein klassisches Beispiel dafür sind Einnahmen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung. Sie werden gezahlt, bis die Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung gewährt werden. Quelle: Fotolia
Witwen-/WitwerrenteStirbt ein Ehepartner, hat der andere Anspruch auf Witwenrente. Voraussetzung dafür ist, dass das Paar noch verheiratet war, allerdings ist es egal, ob zusammen oder getrennt gelebt wurde. Außerdem müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Unter anderem muss der verstorbene Partner mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Heiratet der Hinterbliebene erneut, endet die Witwenrente. Quelle: Fotolia
RentensplittingDas Rentensplitting ist vergleichbar mit dem Ehegattensplitting. Die Ansprüche beider Ehepartner werden in einen Topf geworfen und zu gleichen Teilen unter beiden gesplittet. Davon Gebrauch machen dürfen Eheleute, die 2002 oder später geheiratet haben. Aber auch eingetragene Lebenspartner dürfen ihre Altersbezüge entsprechend teilen. Quelle: DAPD
Wer profitiert vom Rentensplitting?Nicht nur Ehepartner mit einer sehr kleinen Rente können vom Splitting profitieren. Lohnen kann sich ein Splitting auch für jemanden, der keine Witwerrente bekommen würde, da seine Einnahmen zu hoch sind. Außerdem darf dank Splitting in der Regel auch mehr hinzuverdient werden. Quelle: Fotolia
MütterrenteDie Mütterrente gibt es erst seit diesem Jahr. Profitieren sollen vor allem Mütter, die bisher keinen Anspruch auf Rente hatten, weil sie aufgrund der Kindererziehung nicht lange genug gearbeitet haben. Anspruch haben Frauen, die vor 1992 geborene Kinder erzogen haben. Bisher wurde ihnen lediglich ein Jahr Erziehungszeit auf ihrem Rentenkonto angerechnet, jetzt sind es zwei. Pro Monat bedeutet das ein Plus von knapp 30 Euro. Quelle: Fotolia
Wie viel dürfen Rentner dazuverdienen?Viele suchen auch im Ruhestand nach ein wenig Zeitvertreib und wollen noch etwas hinzuverdienen. Doch gerade für Rentner sind die Regeln da streng. Sogenannte Vollrentner, die das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht haben, dürfen prinzipiell unbegrenzt dazuverdienen. Allerdings muss der Betrag komplett zusammen mit der Rente versteuert werden.      Quelle: Fotolia
Was passiert bei Frührentnern?Wer vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter in Rente geht, erhält eine gekürzte Rente, die sogenannte Frührente. Für jeden Monat, den man früher zu arbeiten aufhört, werden 0,3 Prozent von der eigentlichen Rente abgezogen. Zwar dürfen auch Frührentner Geld hinzuverdienen. Allerdings wird dieses am Ende mit der gekürzten Rente verrechnet. Der Frührentner muss die Rentenversicherung darüber informieren, dass er einen Nebenjob hat, diese wird dann die entsprechende Kürzung ausrechnen. Je nach Wohnort gelten bestimmte Hinzuverdienstgrenzen. Quelle: Fotolia

Sein Name ist Weise, und sein Vorschlag ist es auch. Mit der Idee, freiwillig erst mit 70 Jahren in den Ruhestand zu treten, hat der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, den besten Beitrag zur Rentendebatte geliefert. Zwar ist die Idee nicht neu, aber hilfreich ist es hoffentlich, wenn sie von der richtigen Seite kommt.

Vor etlichen Jahren schon hatte der bekannte Volkswirtschafts-Professor Norbert Walter für die „Rente mit 70“ plädiert – aber das war natürlich genau der falsche Absender. Zum einen war er Ökonom, zum anderen aber Chefvolkswirt der Deutschen Bank und damit schon per se verdächtig. Schließlich mache der den Vorschlag doch nur, damit sein Geldhaus über die geschürte Angst vor längerem Arbeiten, also Versorgungslücken bei frühzeitigem Ausscheiden, zusätzliche Sparpläne oder Altersversicherungen verkaufen könnte.

Weise ist aufgrund seiner Funktion nicht so leicht angreifbar. Und die Idee ist nach wie vor richtig. Denn aufgrund des demografischen Wandels lässt sich das Anwachsen der Rentnerzahl nur durch drei Maßnahmen finanziell ausgleichen: entweder höhere Beiträge oder niedrigere Auszahlungen oder späterer Renteneintritt.

Weises Vorschlag ist die gute Verbindung aus Entscheidungsfreiheit und marktwirtschaftlicher Lösung. Wer möchte, kann bis zum 70. Lebensjahr arbeiten und bekommt dann auch eine höhere Rente – schließlich hat er oder sie länger eingezahlt und bekommt die eingebrachte Leistung rein statistisch über einen kürzeren Zeitraum. Dann kann der Betrag auch höher sein. Am unteren Ende bliebe alles wie im vergangenen Jahr beschlossen: Wer 45 Beitragsjahre zusammen hat, kann ohne Abschläge mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen. Später steigt die Grenze auf 65 Jahre (wenn für alle übrigen der Ruhestand mit 67 Standard ist).

In Arbeit
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Eine freie Wahl zwischen 65 und 70 Jahren wäre der richtige Weg. Jetzt muss Frank-Jürgen Weise nur noch ausreichend viele mutige Politiker finden, die sich trauen, diese Lösung den Deutschen nahe zu bringen. Der Wirtschaftsflügel von CDU und CSU sind dafür, alle anderen sind im günstigsten Fall abwartend. Denn der Parteitagsbeschluss der CDU ist geduldig.

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