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Freytags-Frage

Wie gefährlich ist Ihre Weihnachtsgans?

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Belohnung statt Strafe

Als dritte Option bleibt der Dialog. Dieser wurde offenbar mit Erfolg in den Niederlanden geführt. Geplant ist zudem ein System mit Belohnungen statt Strafen. Landwirte, die freiwillig den Antibiotika-Einsatz reduzieren, würden dann eine Zahlung erhalten.

Da die aus der übermäßigen Verwendung von Antibiotika resultierenden Probleme der resistenten Keime keineswegs an den nationalen Grenzen Halt machen, bietet sich überdies eine europäische Koordinierung an. Die Europäische Union (EU) sollte aktiv werden. Denkbar ist eine Richtlinie zur Reduzierung der pro Tier verfütterten Menge an Antibiotika. Die Form der Umsetzung (Steuer, Verbot, positive Anreize) wäre den Mitgliedsländern dann selbst zu überlassen.

Man fragt sich natürlich, warum nicht längst gehandelt wurde. Der wesentliche Grund dafür liegt vermutlich darin, dass die Preise für Fleisch bei einer Veränderung der Füttermethoden, die vermutlich auch automatisch die Intensität der Tierhaltung verringern würde, deutlich steigen müssten. Die Konsumenten spüren dies direkt. Möglicherweise verlieren auch einige der hiesigen Tiermastbetriebe an Wettbewerbsfähigkeit. Dann wären Arbeitsplätze in ansonsten eher strukturschwachen Regionen, z.B. dem Westen Niedersachsens, gefährdet. Dieses Argument sorgt selbst bei vielen Grünen für Schweigen.

Es geht um mehr als nur billige Putenschnitzel

Aus gesellschaftlicher Sicht ist diese Konsequenz der gestiegenen Preise und des Verlusts einiger Arbeitsplätze aber akzeptabel. Es geht um mehr als ein billiges Putenschnitzel zum Mittagessen. Die Zunahme von Resistenzen ist lebensbedrohlich für weite Teile der Bevölkerung und kann vermutlich jeden treffen, der an einer schweren antibiotisch zu behandelnden bakteriellen Infektion leidet.  Vorbeugung an dieser Stelle sollte der Gesellschaft einen Preis wert sein.

Deutschland



Man könnte sogar an dieser Stelle einen weiteren Diskussionsstrang öffnen, der mit dem Einsatz von Antibiotika indirekt zu tun hat. Fleisch ist bei uns generell nicht teuer, entsprechend hoch (und bisweilen ungesund) ist der Konsum. Preissteigerungen könnten zur Nachfragesenkung beitragen. Ein etwas geringerer Fleischkonsum würde nicht nur zur Gesundheit beitragen, sondern auch den zur Fütterung benötigten Getreideanbau reduzieren und zu weniger Ausstoß von klimaschädlichen Gasen führen. Geringerer Einsatz von Antibiotika wäre ein erster Schritt.

Das soll an dieser Stelle reichen. Genießen Sie trotzdem Ihren Weihnachtsbraten; ich werde es tun. Das heißt aber nicht, dass nicht schnell gehandelt werden sollte.

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