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Freytags-Frage

Warum hat die Bildung so einen geringen Stellenwert?

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Mehr Gewicht für Bildung

Insgesamt sollte also Bildung mehr Gewicht bekommen als es jetzt hat. Denn ohne ein konstant hohes Bildungsniveau und die damit verbundene Anpassungsfähigkeit wird ein Land wie Deutschland seinen hohen Lebensstandard nicht halten können (von der Finanzierung der enormen zukünftigen Zahlungsversprechen gar nicht zu reden).

Für die Politik stellt die Bewältigung dieser Entwicklung eine Herkulesaufgabe dar. Einerseits nimmt die Anzahl der Schüler generell in Deutschland ab. Gleichzeitig sind die öffentlichen Haushalte flächendeckend klamm, und es ist nicht zu erwarten, dass sich daran mittelfristig etwas ändern wird. Dies alles bedeutet zunächst, dass die Personalplanung in den Bildungsinstitutionen wohl eher zurückhaltend sein sollte.

Wenn aber andererseits die Bildungsqualität, ausgedrückt in Abschlüssen, Kenntnissen und der Fähigkeit, im Laufe des Lebens dazulernen zu können (Stichwort “Life-long-learning“) weiter steigen soll, müsste aber der Personalschlüssel (an Kitas, Vorschulen, Schulen und Universitäten) gleichermaßen erhöht werden. Man sollte auch daran denken, die Lehrenden auf allen Ebenen ihrer enormen Bedeutung für das Land gemäß angemessen zu bezahlen. Dies ist nebenbei bemerkt kein Plädoyer für höhere Professorengehälter, gedacht ist eher an junge Erzieher, Lehrer und Nachwuchswissenschaftler.

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Dies geht nur über Prioritätensetzung. Denn mehr Geld wird die Politik aus der Gesellschaft kaum herauspressen können, zumindest nicht in der langen Frist, wenn die Rentenerhöhungen und der Mindestlohn ihre negativen Auswirkungen zeigen werden. Jeder Versuch weiterer Steuer- und Abgabenerhöhungen wird höchstwahrscheinlich zu Ausweichversuchen bzw. abnehmender steuerpflichtiger Aktivität führen. Auf jeden Fall sind die öffentlichen Bildungsbudgets im Moment nicht adäquat und müssen erhöht werden; dafür muss anderswo eingespart werden. Hier einige Kürzungsvorschläge:

- Es gibt nach wie vor zu hohe Subventionen für die gewerbliche Wirtschaft; diese fördern vor allem Sektoren, die langfristig ohnehin verschwinden (wenigstens war es in der Vergangenheit so). Diese Subventionen müssen schrittweise – am besten mit dem sog. Rasenmäher – abgebaut werden;

- Verzicht auf prestigeträchtige, aber überflüssige Großprojekte wie Regionalflughäfen, Autorennstrecken oder Spaßbäder;

- mehr Effizienz im öffentlichen Auftragswesen, d.h. eine bessere und effektivere Kontrolle des Ausgabeverhaltens, gegebenenfalls durch das Strafrecht unterstützt;

- Überprüfung der Sozialausgaben auf ihre Zielgenauigkeit; Elterngeld für Millionäre ist Unsinn.

Ohne Zweifel bestehen weitere Sparpotentiale, die findige Politiker aufspüren können.

In Arbeit
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Natürlich kann man auch die Bildungsempfänger an den Kosten beteiligen, wenn sich deren individuellen Chancen durch Bildung verbessern. Das könnte man sogar einkommensneutral gestalten, wenn andere Kosten reduziert werden: Durch eine deutliche Reduzierung der sog. Haushaltsabgabe für den öffentliche-rechtlichen Rundfunk wären zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Es gibt weniger bildungsfeindliches Fernsehen aus der ersten und zweiten Reihe, und die verfügbaren Einkommen steigen. Diese können dann in Bildung investiert werden.

Auf jeden Fall braucht Deutschland weiterhin einen hohen Bildungsstand seiner Bevölkerung. Dafür wird zur Zeit nicht genug getan. Veränderungen sind dringend geboten, eher heute als morgen.

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