Freytags-Frage

Sind Sie auch ein Opfer der Bevormundung?

Fliegen ist preiswert geworden. Doch wehe, das Handgepäck fällt üppiger aus als erlaubt. Dann wird es teuer. Eine Gemeinheit, finden EU-Parlamentarier und wollen eingreifen. Wem nützt das zweifelhafte Engagement?

Was Sie beim Handgepäck beachten sollten
Die maximale Größe des Handgepäcks wird von der jeweiligen Fluggesellschaft festgelegt. Bei vielen Unternehmen liegen die maximalen Maße bei 55 mal 40 mal 20 Zentimeter. Da aber jede Airline ihre Größen individuell bestimmt und in letzter Zeit die Größen auch immer mal wieder verändert worden sind, sollten sich Reisende vor dem Abflug unbedingt informieren, was die jeweilige Linie erlaubt. Sonst müssen sie sich auf Extragebühren einstellen. Quelle: dpa
Gleiches gilt für das Gewicht: Hier entscheidet die Fluggesellschaft. In der Regel darf das Handgepäck bis zu acht Kilogramm wiegen. Bei einigen Linien ist aber schon bei fünf Kilo Schluss. Gerade Billigflieger bestehen auf leichtes Handgepäck. Wer sich nicht daran hält, zahlt extra. Quelle: Fotolia
Da es immer mal wieder vorkommt, dass Gepäckstücke nicht zeitgleich mit ihren Besitzern am richtigen Flughafen ankommen, gehören alle wichtige Unterlagen wie Ausweise, Schlüssel oder Kreditkarten ins Handgepäck. Das gilt natürlich auch für Wertgegenstände oder den Geldbeutel. Quelle: dpa
Wer Medikamente nehmen muss, sollte diese aus dem gleichen Grund unbedingt im Handgepäck verstauen. Gerade für Diabetiker ist es wichtig, dass sie ihre Medikamente, kleine Snacks wie Müsliriegel oder Traubenzucker und das Blutzuckermessgerät jederzeit griffbereit haben. Quelle: obs
Was scharfe und spitze Gegenstände im Handgepäck angeht, haben einige Airlines und Flughäfen die Bestimmungen wieder gelockert. So dürfen Reisende am Flughafen Frankfurt grundsätzlich Dinge des täglichen Gebrauchs wie Nagelscheren, Einmalrasierer oder Taschenmesser (mit maximal sechs Zentimeter Klingenlänge) im Handgepäck haben. Da andere Länder und manche Airlines das aber immer noch deutlich strikter handhaben, sollten sich Reisende vor Abflug informieren. In den USA sind beispielsweise Taschenmesser und Sportgerät wie Golfschläger im Handgepäck verboten. Quelle: AP
Auch für Cremes, Rasiergel, Deodorants, Parfums, Kosmetika und Zahnpasta gelten weiterhin strikte Regeln: Die Hygieneartikel dürfen zwar ins Handgepäck, müssen aber in einem durchsichtigen Plastikbeutel verpackt sein, der maximal ein Liter Füllvermögen hat. Die Tosen, Tuben und Flaschen dürfen maximal 100 Milliliter fassen. Die Familiendosis Duschgel muss also in den Koffer. Quelle: ZB
Gleiches gilt auch für Getränke und Lebensmittel: Wasser, Limonade, Cola und andere Erfrischungsgetränke, sowie Suppen und Sirup, aber auch Brotaufstriche und Joghurt dürfen ins Handgepäck, so lange es nicht mehr als 100 Milliliter pro Flasche oder Becher sind und diese Gefäße in einem durchsichtigen, wiederverschließbaren Beutel mit maximal einem Liter Inhalt verstaut sind. Pro Person darf übrigens nur ein solcher Beutel mitgenommen werden. Quelle: AP

Im Frühsommer war ich ein Opfer der Billigflieger, als ich mit Freunden eine sehr schöne Städtereise unternahm. Ich hatte bis letzte Woche zugegebenermaßen keine Ahnung von meinem Opferstatus. Dieser wurde mir erst bewusst, als das Europäische Parlament seine neuerliche Kampagne gegen die “Low Cost Carriers“ startete. Was diese so gefährlich mache, sei der Umstand, dass man nur ein Gepäckstück im Handgepäck mitnehmen darf bzw. für ein aufgegebenes Gepäckstück zahlen muss.

Im Ernst, damit hat sich das Europäische Parlament befasst. Die bisherigen Vorwürfe gegen die Billigflieger hatten noch eine Grundlage, denn fehlende Transparenz beim Endpreis („…schon für einen Euro nach Barcelona…“) kann in der Tat ein Ärgernis und eine wettbewerbsverzerrende Maßnahme sein. Hier ist jedoch bereits Abhilfe geschaffen worden.

Dass die Qualität einer sehr niedrig bepreisten Dienstleistung vermutlich unter derjenigen einer höher bepreisten liegt, ist eine Binsenwahrheit. Selbst Europaparlamentarier sollten sich dessen bewusst sein. Ebenfalls eine Binsenweisheit liegt darin, dass ein niedriger Preis zu höherer Nachfrage führt als ein hoher Preis. Und genau hier liegt ja der Charme der Billigflieger. Sie ermöglichen es vielen Menschen zu reisen. Möglicherweise sind einige dabei, die ohne die entsprechenden Angebote auf eine Flugreise verzichten müssen. Denen und den anderen Kunden macht es vermutlich nichts aus, nur ein Gepäckstück mitzunehmen (zumindest ging mir das bei der eingangs erwähnten Städtetour so). Das breitere Angebot auf dem Flugmarkt kann sogar für besseren Service auf der Schiene sorgen; die Substitutionskonkurrenz verschärft sich. Insgesamt kann man von einer besseren Versorgung, gesteigerter Wohlfahrt und mehr Freiheitsspielräumen ausgehen.

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