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Freytags-Frage

Warum sind so viele Spitzenpolitiker bei Fußballspielen?

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Wer seine Arbeit erledigt, darf beim Fußball entspannen

Diesen Hobbys frönen Politiker
Wladimir Putin reitet oben ohneAls „ganzer Kerl“ inszeniert sich Wladimir Putin gerne – wenn er zur Jagd geht oder Tauchgänge absolviert. Immer wieder lässt er sich auch bei seinem Lieblingshobby, dem Reiten, ablichten. Gerne auch mal mit nacktem Oberkörper. Quelle: dpa
Kim Jong-un steht auf BasketballSchon in seinem alten Schweizer Internat hat Kim Jong-un gerne Basketball gespielt, ist zu einem NBA-Spiel nach Paris gefahren und hat im Unterricht Basketballspieler Michael Jordan gemalt – wenn es sich um den Koreaner, an den sich die ehemaligen Schweizer Schüler und Lehrer erinnern, denn tatsächlich um den heutigen Diktator gehandelt hat. Dafür spricht, dass er am 28. Februar 2013 die Harlem Globetrotters nach Pjöngjang eingeladen hat, um gegen Nordkoreaner anzutreten. Mit dabei war der ehemalige NBA-Spieler Dennis Rodman, der gemeinsam mit dem Diktator und seiner Frau Ri Sol-ju das Match beklatscht (Foto). Quelle: dpa
Auf eine Jam-Session mit Bill ClintonBevor Bill Clinton am 18. Juni 2013 auf dem 90. Geburtstag des israelischen Präsidenten Shimon Peres reden soll, spielen Saxophonisten seine Einführungsmusik (Foto). Der ehemalige US-Präsident besitzt an die 30 Saxophone und spielte bereits als 1992 als Präsidentschaftskandidat "Heartbreak Hotel" im Fernsehen in der damaligen Arsenio Hall Show. Quelle: dpa
Angela Merkels grüner DaumenDaheim in der Uckermark greift Angela Merkel gerne selbst zu Harke und Gartenschaufel. Die Gartenpflege ist ein Hobby der Kanzlerin. Quelle: dpa
Peer Steinbrück spielt SchachNicht nur politisch greift Peer Steinbrück zu mehr oder weniger klugen Schachzügen. Auch privat spielt er gerne Schach und sammelt laut dem Berliner „Tagesspiegel“ Comics. Quelle: dpa
Wild-West-Idylle bei George BushEx-US-Präsident George Bush schätzt das texanische Landleben auf seiner Ranch, der Prairie Chapel Ranch bei Crawford in Texas. Hier verbrachte er während seiner Amtszeit seine Ferien und empfing Staatsgäste - in ungezwungener Atmosphäre. So kurvte er 2003 in seinem Truck mit Silvio Berlusconi über das Gelände. Quelle: AP
Berlusconi liebt „Bunga Bunga“Italiens ehemaliger Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat eine Schwäche für ausschweifende Sexpartys in seiner norditalienischen Villa San Martino. An einer seiner sexuellen Eskapaden hat er sich 2010 jedoch verbrannt: Sein Verhältnis mit der damals 17-jährigen Karima el-Mahroug, besser bekannt als Ruby Rubacuori (zu deutsch: „Ruby Herzensbrecherin“). Wegen Amtsmissbrauch und der Prostitution Minderjähriger verurteilte ihn ein Mailänder Gericht am 27. Juni 2013 zu sieben Jahren Haft. Berlusconi will in Berufung gehen. Quelle: dpa

Wahrscheinlich denkt Frau Merkel, dass es im Wahlkampf wichtiger ist, beim Torjubel beobachtet zu werden als irgendwo in der - bisher noch nicht so wichtigen - Welt fernab der Kameras zu sein. Wahrscheinlich glaubt Herr Steinbrück, ein sozialdemokratischer Bundeskanzlerkandidat muss den Verein der ehemaligen Arbeiterstadt Dortmund unterstützen und das ständig kommunizieren. Und wahrscheinlich haben sie beide Recht damit!

Denn solange das Publikum sich nicht für die Antworten der wesentlichen Fragen interessiert, sondern lieber beruhigt werden will, solange ist es möglicherweise nicht rational für Berufspolitiker, die wesentlichen Fragen zu beantworten. Dann macht es Sinn, der Öffentlichkeit Ruhe und Sicherheit vorzugaukeln und bei den Ereignissen mit großer Medienwirksamkeit Präsenz zu zeigen. Staatsmännisch und zukunftsgewandt ist das aber nicht.

Um es klar zu sagen, es ist kein Problem, wenn ein Berufspolitiker zum Fußball geht, das machen viele andere auch. Auch wird sich eine prominente Politikerin nicht in die Kurve stellen (das erlauben schon die Sicherheitsanforderungen nicht), wenn sie ein Spiel sehen will. Die Bundeskanzlerin wäre zu Recht überall ein Ehrengast.

Deutschland



Das Problem entsteht, wenn der Besuch eines solchen Spiels strategisch in dem Sinne ist, dass bewusst eine breite Öffentlichkeit gesucht wird und dabei andere Themen vernachlässigt werden. Ein wenig wirkt das alles so, wie Guido Westerwelle einmal die Lage beschrieben hat: spätrömische Dekadenz. Oder weniger poetisch: Brot und Spiele.

Deshalb kann man zu Saisonbeginn und angesichts drängendster wirtschafts-, energie-, bildungs- und gesellschaftspolitischer Probleme auch in Deutschland nur hoffen, dass die politischen Entscheidungsträger nicht vergessen, dass Fußball nur eine Nebensache ist, wohl eine schöne, aber auch eine gänzlich irrelevante. Wer seine Arbeit erledigt hat, darf beim Fußball entspannen. Diese Entspannung sollte andere Aufgaben allerdings nicht in den Hintergrund schieben.

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