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Freytags-Frage

Wie können wir unser Kulturleben erhalten?

Die Auswahl an kulturellen Veranstaltungen in Deutschland ist enorm. Angesichts der knappen Kassen muss jedoch befürchtet werden, dass dieses Angebot nicht aufrecht erhalten werden kann.

Müssen wir angesichts der knappen Kassen der öffentlichen Hand befürchten, dass unser reiches Kulturangebot nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden kann? Quelle: dpa

Der Sommer neigt sich langsam seinem Ende zu, mit den Ferien enden auch zahlreiche Klassik- und Rockfestivals, Kultursommer oder Kulturarenen. Es beginnen nun wieder die Spielzeiten an den zahllosen deutschen Opern, Theatern und Konzertbühnen. Die Auswahl an kulturellen Veranstaltungen, ob Hoch- oder Subkultur, ob bildende Künste, Musik oder Literatur, ob in großen Arenen oder kleinen Sälen, ist bemerkenswert und macht einen wesentlichen Anteil der hohen Lebensqualität der Menschen in unserem Land aus.

Was Goethe von Geld wusste
Mistopholes: "Wo fehlt's nicht irgendwo auf dieser Welt? Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld."
Mephistopheles: "Daran erkenn' ich den gelehrten Herrn! Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern, Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar, Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr, Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht, Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht." Quelle: dpa
Kaiser: "Es fehlt das Geld. Nun gut, so schaff es denn!" Quelle: dpa
Mephistopholes: "Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr; Zwar ist es leicht, doch ist das Leichte schwer; Es liegt schon da, doch um es zu erlangen, Das ist die Kunst, wer weiß es anzufangen?" Quelle: dapd
Mephistopheles: "So hört und schaut das schicksalsschwere Blatt – (gemeint ist das geschaffene Papiergeld) – das alles Weh in Wohl verwandelt hat."
Mephistopheles: "Ein solch Papier, an Gold und Perlen Statt, Ist so bequem, man weiß doch, was man hat; Man braucht nicht erst zu markten, noch zu tauschen, Kann sich nach Lust in Lieb' und Wein berauschen. Will man Metall, ein Wechsler ist bereit, Und fehlt es da, so gräbt man eine Zeit. Pokal und Kette wird verauktioniert, Und das Papier, sogleich amortisiert, Beschämt den Zweifler, der uns frech verhöhnt. Man will nichts anders, ist daran gewöhnt. So bleibt von nun an allen Kaiserlanden An Kleinod, Gold, Papier genug vorhanden."
Mephistopholes: "Der Zettel hier ist tausend Kronen wert. Ihm liegt gesichert, als gewisses Pfand, Unzahl vergrabnen Guts im Kaiserland."  Quelle: dpa

Angesichts der knappen Kassen der öffentlichen Hand muss jedoch befürchtet werden, dass dieses Kulturangebot nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden kann. Dies ist keine allzu neuer Befund; es scheint jedoch eine höhere Dringlichkeit als sonst vorzuliegen. Insbesondere Kommunen als Träger vieler kultureller Aktivitäten leiden unter dringenden Haushaltsproblemen. Auch die jüngsten Erfolge der Haushaltspolitik - insgesamt erwirtschaftete die öffentliche Hand in Deutschland einen Überschuss von etwa 8,5 Mrd. Euro - wird daran langfristig nicht viel ändern.

Im Gegenteil, es droht eher noch schlimmer zu werden. Verschleppte Infrastrukturinvestitionen und die Risiken der Eurorettung in dreistelliger Milliardenhöhe - um nur zwei Gründe zu nennen - werden in den kommenden Jahren den finanziellen Spielraum der öffentlichen Hand weiter einengen.

Aus zahlreichen politökonomischen Studien wissen wir, dass in solchen Fällen diejenigen am meisten leiden, die die geringste Lobby in der Politik besitzen. Konkret heißt dies, dass strukturschwache Industriezweige, Banken, grüne Energie und andere Subventionsempfänger auf der politischen Prioritätenliste oben stehen, während Bildung und Kultur eher unten angesiedelt sind. Es ist also damit zu rechnen, dass der Druck auf die Kulturetats weiter zunehmen wird und dass manche Einrichtung schließen muss und manches Festival oder manche Ausstellung nicht mehr stattfinden wird.

Dies sollte aus mehreren Gründen verhindert werden. Erstens ist die kulturelle Vielfalt wie gesagt eine Grundlage unserer Lebensqualität; ihre Reduktion stellt uns alle schlechter - und zwar in einem Sinne, der Wachstumsbefürworter und Wachstumskritiker vereint. Wir werden unglücklicher. Es gibt zwar keinen direkten empirischen Beleg, jedoch gibt es Studien, die zeigen, dass das kulturelle Angebot einer Region ein sog. weicher Standortfaktor ist, der die Attraktivität dieser Region für Unternehmen und ihre Mitarbeiter erhöht.

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