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Freytags-Frage

Wie ist die Integration der Flüchtlinge zu meistern?

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Zuwanderer müssen schnell integriert werden

-Die Rente mit 63 könnte man ebenfalls aussetzen. Viele der erfahrenen Fachkräfte wären mit Sicherheit geeignet, bei der Ausbildung der Flüchtlinge zu helfen. Vielleicht kann man ja darüber nachdenken, sie oder noch Ältere, d.h. bereits Pensionierte direkt in der Ausbildung, d.h. in den Betrieben oder der Berufsschule einzusetzen (und dies öffentlich zu bezahlen). Neben der Vermittlung von fachlicher Expertise kann die dadurch die Integration der Flüchtlinge erheblich erleichtert werden.

-Für letzteres ist es zudem wichtig, dass die Zuwanderer schnell die deutsche Sprache lernen und so die Möglichkeit bekommen, mit Deutschen in Kontakt zu kommen. Nur so ist es für sie möglich und attraktiv, ihre Kinder in die Betreuung zu geben und selber einen Arbeitsplatz zu finden. Deshalb ist die Forderung der obligatorischen Sprachausbildung richtig.

Deutsch für Flüchtlinge – 5 Tipps von Sprachexperte Hermann Funk

-Es ist darüber hinaus geboten, die Flüchtlinge zunächst dezentral zu verteilen, so dass es keine geschlossenen Parallelwelten für Immigranten (möglichst noch derselben Nation oder Religion) gibt. Es müsste für jeden deutschen Bürger normal werden, dass in der Nachbarschaft Menschen mit fremdem Hintergrund leben.

-Zudem bedarf es einer offensiven Wohnungsbaupolitik, denn es besteht ein hoher Bedarf an Neubauten in Städten. Diese gelingt nur, wenn die Investoren eine vernünftige Rendite in Aussicht gestellt (aber nicht staatlich garantiert) werden kann. Der Gesetzgeber sollte darüber nachdenken, temporär die Mietpreisbremse auszusetzen und das Baurecht zu entschärfen.

-Schließlich sollte die Gleichstellungspolitik sich nicht in Diskussionen um Quoten und Sprache erschöpfen und aufreiben. Wichtiger ist es, den Flüchtlingen – sofern sie sich nicht selber besitzen – unsere Vorstellungen von Offenheit und Gleichstellung zu vermitteln. Dazu gehören Sachverhalte, über die wir nicht mehr nachdenken, z.B. dass es selbstverständlich ist, dass Mädchen und Jungen gemeinsam am Sportunterricht teilnehmen und dass Frauen Vorgesetzte von Männern sind, um nur zwei zu nennen.

Deutschland



Dies ist nur ein Ausschnitt von schnellen Maßnahmen, die nötig wären. Es reicht aber auf keinen Fall, wenn die Regierung nur redet und nicht entsprechend handelt. In einer Ausnahmesituation wie der gegenwärtigen, die wohl noch eine Zeitlang anhalten wird, kann man sich nicht lange mit ideologischen Kämpfen aus einer längst vergangenen Zeit (Mieter gegen Vermieter, Arbeit gegen Kapital, Mann gegen Frau) aufhalten.

Es gilt schnell und unbürokratisch zu handeln. Die Bereitschaft zur Hilfe und Integration ist bei den meisten Deutschen vorhanden. Sie muss unterstützt und nicht gebremst werden. Dann werden sich Erfolge einstellen und werden auch die Skeptiker wieder sachlicher reagieren.

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