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Frühjahrsgutachten Ökonomen sehen Wirtschaft im Aufwind

Die Konjunktur in Deutschland zieht nach Auffassung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute wieder an. Mit ihrem Frühjahrsgutachten veröffentlichen die Wissenschaftler aber nicht nur Positives.

Wie viel der Euro wirklich wert ist
Euro oder Gold
Der Euro im Währungsmix...
...und gegenüber dem DollarGemessen an der US-Währung hatte der Euro einen schwachen Start – dann stieg er kräftig an und erreichte im April 2008 mit fast 1,60 Dollar seinen höchsten Wert. Doch mit Ausbruch der Finanzkrise sackte er ab.
Bislang kein Teuro
Schwellenländer holen aufDie Währungen der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) gewinnen an Bedeutung. Der Euro wertete seit Ausbruch der Krise gegenüber diesen Währungen ab (Index 2000 = 100; Quelle: Thomson Reuters).

„Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach einem schwachen Winterhalbjahr im Aufwind“, stellen die Institute im am Donnerstag in Berlin vorgestellten Frühjahrsgutachten fest. Sie prognostizieren wie vorab berichtet für dieses Jahr 0,9 und für das kommende Jahr 2,0 Prozent Wachstum. Zudem soll die Arbeitslosigkeit weiter sinken: Von 2,98 Millionen im Jahr 2011 auf 2,8 Millionen dieses und 2,6 Millionen kommendes Jahr.

 Die Ökonomen halten die europäische Schuldenkrise noch nicht für überwunden. „Die Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum schwelt weiter“, heißt es im Gutachten. Die Risiken für die Weltkonjunktur seien aber gegenüber Herbst vergangenen Jahres deutlich gesunken. In Deutschland beflügelten niedrige Zinsen Investitionen. Der niedrige Eurokurs erhöhe zudem die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.

Schäuble soll sparen

Die führenden Wirtschaftsforscher fordern mehr Sparwillen von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Trotz der besseren Finanzlage des Staates dürften die Konsolidierungsbemühungen nicht nachlassen. „Dies scheint gegenwärtig aber der Fall zu sein“, kritisieren die Ökonomen. Denn sowohl die Einnahmen aus der Kernbrennstoffsteuer als auch die Einsparungen durch die Bundeswehrreform und durch die verbesserte Vermittlung von Langzeitarbeitslosen würden wohl geringer ausfallen als geplant. Auch werde die Finanzmarktsteuer vorerst nicht kommen.

In der Folge sinke das strukturelle – also vom konjunkturellen Auf und Ab unabhängige – Haushaltsdefizit kaum noch. Die Verbesserung des Budgetsaldos 2013 sei „ausschließlich der erwarteten konjunkturellen Belebung zu verdanken“, heißt es im Gutachten für die Regierung. Das Staatsdefizit werde 2012 auf 0,6 Prozent der Wirtschaftskraft sinken und im nächsten Jahr weiter auf 0,2 Prozent zurückgehen.

Kritisch äußerten sich Ökonomen der acht Institute dazu, dass die Regierung statt zu sparen über weitere Ausgaben wie das Betreuungsgeld und die Zuschussrente für Geringverdiener debattiere. Zudem stopfe die Regierung Löcher im Bundeshaushalt 2013 zum Teil durch den Griff in die Sozialversicherungen. Denn Bundeszuschüsse für die gesetzliche Rentenversicherung und für den Gesundheitsfonds sollen gekürzt werden.

EZB gefährdet Preisstabilität

Wohin steuert Mario Draghi die EZB?
Eines kann man Mario Draghi sicher nicht vorwerfen: Tatenlosigkeit. Seit der Italiener vor bald 100 Tagen an die Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) aufrückte, kramt er tief im Instrumentenschrank. Schließlich brennt es im Euroraum lichterloh - und nicht wenige sehen in der EZB den einzigen potenten Retter im Kampf gegen Schuldenkrise, drohenden Bankenkollaps und Rezession. „Realistisch gesehen verfügt gegenwärtig nur noch die Geldpolitik über die Mittel, die Wirtschaft zu beleben“, sagt etwa Ansgar Belke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Quelle: dpa
Draghi wurde fündig. Gleich zum Amtsantritt nahm der Bank- und Finanzexperte die Zinserhöhungen von Jean-Claude Trichet (rechts) zurück. „Dies war ein Einstand mit Pauken und Trompeten, denn Draghi korrigierte die viel zu restriktive Geldpolitik seines Vorgängers“, lobt Thomas Steinemann, Chefstratege der Bank Vontobel. Quelle: dapd
Dass der renommierte Ökonom Draghi, der seit seiner Zeit bei den Analysten von Goldman Sachs den Beinamen „Super-Mario“ trägt, mit der Lockerung der Zinsschraube typisch südländisch handelte und vor allem seinem angeschlagenen Heimatland diente, glaubt in Notenbankkreisen niemand. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann soll sogar überrascht sein, in Draghi einen engen Verbündeten zu haben, für den Geldwertstabilität auch bei Konjunkturflauten das Oberziel der Notenbank bleibt. Quelle: Reuters
Während er den Leitzins bisher „nur“ auf das frühere Rekordtief senkte, betrat der Italiener mit einer anderen Maßnahme Neuland: Um einen Bankenkollaps samt Kreditklemme zu verhindern, flutete die EZB die Banken mit billigem Geld für die Rekordlaufzeit von drei Jahren. Die Draghi-„Bazooka“ wirkte: Seither können sich klamme Staaten günstiger finanzieren, Aktienkurse starteten zum Höhenflug. „Wir haben eine schwere Kreditkrise verhindert“, ist Draghi überzeugt. Quelle: dpa
Ohne Zweifel: Der Schritt hat die hypernervösen Märkte nicht nur beruhigt, sondern beflügelt. Für Ende Februar ist ein zweites Dreijahresgeschäft geplant, bei dem sich Europas Banken womöglich bis zu einer Billion Euro bei der Zentralbank leihen. „Sollte sich die Lage verschärfen, dann wäre die EZB bereit, auch einen dritten und vierten Tender mit einer Laufzeit von drei Jahren durchzuführen“, ist Jürgen Michels, Europa-Chefvolkswirt der Citigroup, überzeugt. Quelle: dpa
Der Präsident des Privatbankenverbandes BdB, Andreas Schmitz, lobt den „Schuss Pragmatismus“, mit dem die EZB in den vergangenen Monaten für Entschärfung der Krise gesorgt habe. „Aber Geld- und Fiskalpolitik müssen wieder getrennte Wege gehen“, betont Schmitz. Er habe „nicht den leisesten Zweifel“, dass Draghi das auch so sehe. Quelle: dpa
Das gigantische Verleihgeschäft birgt Gefahren. Während das Inflationsrisiko nicht unmittelbar steigt, rückte die Notenbank näher an die Politik. Denn obwohl dies nach Draghis Bekunden nicht das Ziel war, lädt das Dreijahresgeld quasi zum Nulltarif die Banken förmlich dazu ein, staatliche Bonds zu kaufen. Damit werde die EZB durch die Hintertür zum Staatsfinanzierer, moniert DIW-Experte Ansgar Belke. Quelle: PR


Die Wissenschaftler kritisierten auch die Europäische Zentralbank EZB. Mit dem Öffnen der Geldschleusen gerät das Institut ihrer Ansicht nach bei der Inflationsbekämpfung in die Bredouille. Ohne geeignete Mechanismen zur Lösung der Schuldenkrise sei zu befürchten, dass die EZB eine Normalisierung ihrer Geldpolitik zu lange hinausschiebe, warnten sie in ihrem am Donnerstag vorgelegten Frühjahrsgutachten. Die lockere Geldpolitik werde dann solange fortgesetzt, bis „auch vom letzten nationalen Bankensystem im Euroraum“ keine Gefahr mehr ausgehe. „Dies liefe aber darauf hinaus, die Geldpolitik am schwächsten Mitgliedsland auszurichten statt am Euroraum insgesamt“, erklärten die Forscher. Die EZB könne dann bei der Inflationsbekämpfung nicht mehr angemessen reagieren, mit negativen Folgen für die Preisstabilität. 

Die EZB hat das Finanzsystem mit zwei großen langfristigen Kreditlinien im Volumen von mehr als einer Billion Euro geflutet. Damit konnte die Zentralbank zumindest vorübergehend für eine Entspannung an den Anleihemärkten sorgen, da Banken das zum Leitzins von einem Prozent geborgte Geld in rentable Bonds von bedrängten Eurostaaten wie Italien und Spanien investierten. Damit wurden die Renditen der Anleihen dieser Staaten de facto gedrückt. Die lange Laufzeit der EZB-Kredite von drei Jahren und die Tatsache, dass die Zentralbank ihre Anforderungen an Sicherheiten für die Kreditvergabe heruntergeschraubt hat, gibt den Instituten jedoch Anlass zur Sorge.

Ökonomen sehen „massive Verwerfungen“

„Dies hat zu massiven Verwerfungen und damit volkswirtschaftlichen Kosten an anderer Stelle geführt“, mahnten die Forscher und verwiesen dabei insbesondere auf die Ungleichgewichte im sogenannten Target2-Zahlungsverkehrssystem der Euro-Zone. Nach Berechnungen des Ifo-Instituts müssen sich die Notenbanken Spaniens und auch Italiens über diesen Finanzierungskanal immer mehr Geld von Zentralbanken wirtschaftlich starker Länder wie Deutschland leihen. Seit Juli 2011 sind danach allein von den Notenbanken Spaniens und Italiens Target-Kredite im Umfang von 483 Milliarden Euro gezogen worden, um ihre Volkswirtschaften mit billigen Krediten versorgen zu können.

Mit Blick auf die Schuldentragfähigkeit der Krisenländer sind die Forscher optimistisch, dass Irland, Italien und Spanien eine Stabilisierung der Lage und mittelfristig eine Reduktion der Schuldenquoten erreichen können. Für Griechenland und Portugal sei die Lage deutlich schwieriger. „Hier ist allenfalls eine Stabilisierung des Schuldenstandes auf sehr hohem Niveau zu erwarten“, warnten die Forscher.

Aufschwung kommt bei den Arbeitnehmern an

Fujitsu streicht 400 Jobs
Fujitsu Der japanische Elektronikkonzern Fujitsu will einem Zeitungsbericht zufolge in Deutschland 400 bis 500 Arbeitsplätze abbauen. Eine endgültige Entscheidung solle nach Verhandlungen mit den Beschäftigten fallen, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei". Insgesamt beschäftigt der Konzern hierzulande 12.000 Menschen. Die Stellenstreichungen beträfen hauptsächlich Entwicklung und Informationstechnik. Bereits am Dienstag hatte der Konzern bekanntgegeben, in Großbritannien 1800 Jobs zu streichen. Das entspricht 18 Prozent der Belegschaft dort. Insidern zufolge könnte sich Fujitsu künftig auf IT-Dienstleistungen konzentrieren. Mit dem weltgrößten Computer-Hersteller Lenovo verhandelt das Unternehmen offenbar über einen Verkauf des PC-Geschäfts von Fujitsu. Quelle: REUTERS
Lufthansa Technik Quelle: dpa
DAK Gesundheit Quelle: dpa
EnBWDer Energieversorger baut weiter Stellen ab: Die Energie Baden-Württemberg werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde. Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung steht demnach Stellenabbau bevor, der noch nicht beziffert wurde. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Quelle: dpa
Intel Quelle: REUTERS
Nokia Quelle: dpa
Der IT-Konzern IBM plant in Deutschland offenbar einen massiven Stellenabbau Quelle: dpa

Ihrer Prognose zufolge kommt die robuste Konjunktur in den Geldbörsen der Arbeitnehmer an. Die Löhne dürften sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr effektiv um mehr als drei Prozent steigen, schreiben sie in ihrem Gutachten. „Vor dem Hintergrund der steigenden Kapazitätsauslastung und der zunehmenden Verknappung von Arbeitskräften dürfte sich der Lohnauftrieb spürbar verstärken“, heißt es darin. Allerdings treibe das auch die Preise nach oben: Die Inflationsrate werde in beiden Jahren über der Marke von zwei Prozent verharren und damit einen großen Teil der Lohnzuwächse wieder aufzehren.

Die realen Stundenlöhne dürften deshalb 2012 um 1,7 Prozent wachsen, 2013 nur noch um 0,8 Prozent. Sie würden damit aber immer noch schneller zulegen als die Produktivität der Unternehmen. „Unter diesen Voraussetzungen werden sich die Bedingungen für mehr Beschäftigung von der Kostenseite her etwas verschlechtern“, warnen die Institute. Die Zahl der Beschäftigten werde trotzdem um fast eine halbe Million steigen und im kommenden Jahr nochmals um mehr als 300.000 auf dann knapp 41,9 Millionen zulegen.

Das Frühjahrsgutachten wurde von der Bundesregierung in Auftrag gegeben und dient ihr als Grundlage für eine eigene Prognose. Die Institute sind etwas optimistischer als der Internationale Währungsfonds (IWF). Der sagt für dieses Jahr lediglich ein Plus von 0,6 Prozent und für 2013 von 1,5 Prozent voraus. Die Gemeinschaftsdiagnose wird von vier Konsortien von Wirtschaftsforschungsinstituten erstellt, zu denen das Münchner Ifo-Institut, das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) gehören.

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