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Führungsstreit bei der „Alternative für Deutschland“ Lucke unter Druck

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Was steckt hinter dem Streit?

Die AfD kämpft um die künftige Ausrichtung. Die Frage, ob es künftig statt drei nur noch einen Bundessprecher gibt, ist ein Stellvertreterkrieg. Vielmehr geht es um die Frage, in welche Richtung sich die Partei entwickelt. Durch die Erfolge bei den Landtagswahlen 2014 in drei ostdeutschen Bundesländern ist die Partei nach rechts gerückt – weg von ihrem ursprünglichen liberalen-wirtschaftsfreundlichen Kurs, auch wenn die AfD das Gegenteil behauptet. Leute wie der brandenburgische Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland oder auch der thüringische Fraktionsvorsitzende Björn Höcke wollen die Partei nach rechts öffnen. Sie sympathisieren mit der „Pegida“-Bewegung, suchen den Schulterschluss mit Russland und gegen die USA und verfolgen eine erzkonservative Familienpolitik.

Ist die Kritik an Bernd Lucke berechtigt?

Bernd Lucke ist das Gesicht der Partei, er verkörpert die Euro-Kritiker wie kein Zweiter. Er ist das Aushängeschild, verteidigt in Talkshows und Interviews seine Partei. Keine Frage: Ohne Lucke wäre der Aufstieg der AfD nicht so rasant verlaufen. Intern aber gelingt es Lucke nicht, die Partei zu führen. Absprachen mit den anderen Vorstandsmitgliedern sind selten; Lucke führt die Partei nach seinem Gusto. Er ist von sich überzeugt; Kritiker – von Innen und von Außen – belächelt er, anschließend ignoriert er sie. Lucke ist beratungsresistent, räumten gleich mehrere AfD-Leute unabhängig voneinander im vergangenen Jahr im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online resigniert ein.

Einer der wenigen, die Lucke öffentlich und namentlich kritisiert, ist Alexander Gauland. Der Bitte nach klärenden Gesprächen lehne Lucke wiederholt ab, so der Landespolitiker. Lucke sei ein „Kontrollfreak“, legte Gauland nach. Es gibt kaum jemanden aus der Partei, der dieser Einschätzung widerspricht.

Wie geht es bei der AfD weiter?

Die Partei kommt zu einem Bundesparteitag Ende Januar in Bremen zusammen. Für die Diskussion über eine neue Satzung sind zehn Stunden im Programm veranschlagt. Um das Lucke-Modell der Ein-Mann-Spitze umzusetzen, muss der Parteitag die Satzungsänderung mit einer Zweidrittel-Mehrheit beschließen.

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Das scheint unwahrscheinlich. Zwar gibt es in der Basis zahlreiche Lucke-Fans, sein Ansehen dort ist in weiten Teilen höher als bei den Spitzenkräften. Die Satzungsänderung allerdings lehnen selbst einige Lucke-Fans bisher ab. Sollte dessen Vorstoß erneut scheitern - schon beim Bundesparteitag 2014 wollte Lucke seine Pläne umsetzen, zog sie aber nach Kritik und aufgrund schlechter Erfolgsaussichten zurück -, werden sich die Kritiker bestätigt fühlen und auf einen Rückzug Luckes drängen. Der Ausgang ist offen. Nur: Allen Beteiligten dürfte nach der Eskalation des Führungsstreits am Wochenende klar sein, dass die Dreierspitze so nicht mehr vertrauensvoll zusammenarbeiten kann.

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