G7-Treffen Ein Gipfel fürs Bilderbuch

In Oberbayern bekommt Bundeskanzlerin Angela Merkel, was sie will: Perfekte Bilder als Gastgeberin der Mächtigen. Nur die Deutsche Bank macht der PR-Show einen Strich durch die Rechnung.

Ein Gipfel fürs Bilderbuch Quelle: AP

Es hätte nicht besser laufen können für die Bundeskanzlerin: Die Sonne strahlt am Himmel über Oberbayern, als gegen Mittag der G7-Gipfel auf dem teurer restaurierten Schloss Elmau am Fuße der Zugspitze beginnt. Mit Merkel im mintfarbenen Blazer in der Mitte, winken die sieben mitunter mächtigsten Staats- und Regierungschefs aus westlichen Industrienationen fröhlich in die Kameras – vor Löwenzahn und Pusteblumen.

Bei solchen Gipfeltreffen geht es um die Bilder, die medial binnen Sekunden in die Welt posaunt werden. Sie suggerieren das gute Miteinander von sieben Mächtigen, die bis vor ein paar Jahren gemeinsam noch Entscheidungen von weltpolitischer Relevanz hätten. Afrika helfen oder das Klima retten oder gleich die ganze Welt. Heute aber geht es primär um die Darstellung, und da hatte der Ur-Bayer und CSU-Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt das Wetter als Verbündeten ausgemacht: „Das muss man erst hinkriegen“, entfuhr es ihm am Morgen auf Twitter: „Gestern die Demonstranten wegschwemmen und heute so ein Wetter.“

Die größten Baustellen der G7

Solche Provokationen mögen sich für einen Minister nicht schicken – aber inhaltlich hatte Dobrindt Recht: Ein schweres Gewitter hatte am Vorabend das Protest-Camp überflutet; die geschätzten 3500 angereisten G7-Gegner mussten in eine Turnhalle evakuiert werden. Viele treten spätestens am Sonntag nach einem Fußmarsch bis zum Zaun des Sperrgebiets um Schloss Elmau die Heimreise an. Bis dahin hatte es kaum Reibereien zwischen den 17000 Polizisten und Demonstranten gegeben. Im Gegenteil bemühten sich Polizei wie Stadt um Deeskalation: Letztere ließ Wasserflaschen an die Aktivisten verteilen.

Inhaltlich wird es erst am Abend spannend. Zum Abendessen, dass die Mächtigen von gestern die schwer verdaulichen Groß-Konflikte ansprechen: die Griechenland-Krise und den Krieg in der Ost-Ukraine. In beiden Fragen eignen sich die G7 nur eingeschränkt als Kreis zur Krisenlösung: Beim Thema Griechenland gehören eigentlich Internationaler Währungsfonds (IWF) und Europäische Kommission an den Tisch – letztere immerhin in zweiter Reihe vertreten durch Präsident Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk, der die Griechen am Morgen mit gewohnt markigen Worten zu Reformen aufgefordert hatte.

Auch die Ukraine-Krise dieser Klub des Westens wohl kaum lösen. Aus Empörung über die völkerrechtswidrige Annexion der Krim hatte man im vergangenen Jahr Russland ausgeschlossen. Somit fällt dieser Diskussionsrahmen nun aus, um mit Wladimir Putin als einem der offenkundige Treiber jenes Krieges über dessen nachhaltige Beilegung zu sprechen. Ob ihn die symbolische Kraft des Ausschlusses wirklich umhaut, darf getrost bezweifelt werden.

Die Gruppe der Sieben versichert sich gern ihrer gemeinsamen Werte. Auch in diesem Sinne sollen die Sonnenschein-Fotos den Zusammenhalt signalisieren. Nur lässt sich mit Werten schwerlich Weltpolitik gestalten. Kaum jemand der anwesenden Journalisten oder Politik-Experten im randvollen Pressezentrum von Garmisch-Partenkirchen rechnet daher mit handfesten Resultaten der bis zum Montagnachmittag andauernden Gespräche.

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Und so bleibt es bei der großen PR-Show, mit der am Vormittag schon US-Präsident Barack Obama begonnen hatte. Auf seinem womöglich letzten großen Staatsbesuch in Deutschland ließ er sich noch einmal mit ganz viel Lokalkolorit inszenieren: Alphornbläser spielten auf, nachdem sie Stunden in der Sonne des Dorfs Krün gewartet hatten. Der Gast aus Washington trank schon am frühen Morgen ein Weißbier, was sonst allenfalls echte Bayern machen. Die Kanzlerin duzte „ihren Freund“ Barack und bedankte sich für die amerikanische Unterstützung für die deutsche Wiedervereinigung.

Die Bundeskanzlerin indes kann nicht das Maximum aus der Bilder-Show herausholen: Am Nachmittag tritt Anshu Jain als Vorstandschef der Deutschen Bank zurück, sein Kollege Jürgen Fitschen wird wenig später folgen. So schieben sich die Banker mit Kultur- und Führungskrise in der medialen Aufmerksamkeit vor den sonnigen G7-Gipfel. Sei’s drum, die tollen Bilder sind da zum Glück schon im Kasten.

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