Gauck-Nachfolge Union unterstützt SPD-Kandidaten Steinmeier als Bundespräsidenten

In der Debatte um die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck gibt es Bewegung. Die CDU will Außenminister Steinmeier als Kandidat mittragen. Auch die CSU stimmt voraussichtlich zu.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier: Die CDU unterstützt ihn als Kandidaten. Quelle: dpa

Die schwarz-rote Koalition zieht nach aller Wahrscheinlichkeit mit dem SPD-Kandidaten und Außenminister Frank-Walter Steinmeier in die Bundespräsidentenwahl. Kanzlerin Angela Merkel hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur die Entscheidung mit der engsten CDU-Spitze am Montagmorgen besprochen. CSU-Chef Horst Seehofer sagte in München vor einer Sitzung des CSU-Vorstands: „Wir sind uns einig, CDU und CSU. Das ist wichtig.“ Konkret wollte er allerdings nicht sagen, dass die CSU Steinmeier unterstützt. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer hatte Steinmeier zuvor als guten Kandidaten bezeichnet.

Zunächst wollte Seehofer den CSU-Vorstand über die Entscheidung informieren. Der CSU-Vorsitzende sagte: „Ich möchte mit dem Ergebnis jetzt in den Parteivorstand in seiner ganzen Besetzung gehen, das ist das Anrecht des Vorstandes, dies jetzt zuerst zu erfahren.“ Er ergänzte, Merkel habe für 11.00 Uhr den CDU-Vorstand zu einer Telefon-Schaltkonferenz zusammengerufen.

Scheuer kritisierte bei „Bild.de“ am Montag zwar erneut das Vorpreschen Gabriels in der Kandidatenfrage - Gabriel hatte Steinmeier schon vor Wochen als hervorragenden Bewerber bezeichnet. Zugleich sagte Scheuer aber über Steinmeier, dieser sei „ein guter Kandidat in diesen außenpolitisch so herausfordernden Zeiten“.

Wer zieht ins Schloss Bellevue?
Frank-Walter Steinmeier (60)Der Bundesaußenminister siegte in allen Umfragen und war der Top-Favorit für das Amt. Jetzt soll er als gemeinsamer Kandidat ins Rennen geschickt werden. Quelle: DPA
Wolfgang Huber (74)Der ehemalige Ratsvorsitzende der evangelische Kirche in Deutschland zählt schon seit einigen Jahren zum Kandidatenkreis. Damit wäre er nach dem ehemaligen DDR-Pastor Gauck der nächste evangelische Geistliche. Sein Fokus liegt auf Zusammenhalt und Versöhnung. Quelle: DPA
Volker Bouffier (64)Der hessische CDU-Regierungschef führt ohne großes Getöse die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden. Dementsprechend hoch ist sein Ansehen bei den Grünen. Quelle: DPA
Annegret Kramp-Karrenbauer (54)Die saarländische CDU-Ministerpräsidentin versteht sich mit den Grünen und hat ein modernes Image. Da allerdings im März 2017 in Saarland gewählt wird, könnte es sein, dass sie auf einen möglichen Einzug ins Schloss Bellevue verzichtet. Quelle: DPA
Frank-Jürgen Weise (65)Er ist Offizier und Doppelchef bei der Bundesagentur für Arbeit sowie beim Flüchtlingsbundesamt BAMF. Mit Einstellung könnte er auch bei einigen Grünen und Liberalen punkten. Quelle: DPA
Petra Roth (72)Bis 2012 war die die Christdemokratin Oberbürgermeisterin von Frankfurt. Nachdem der „Stern“ sie auf das Bundespräsidentenamt angesprochen hatte, sagte sie: „Man müsste erst mal an mich herantreten, dann gebe ich auch eine Antwort.“ Quelle: DPA
Kathrin Göring-Eckardt (50)Die Grünen-Politikerin möchte nicht ins Schloss Bellevue. Sie will sich lieber auf den Wahlkampf konzentrieren. Quelle: DPA

Scheuer ergänzte: „Am Wochenende hat man ja gesehen, dass alle grünen Flirts beendet sind.“ Zuvor war darüber spekuliert worden, dass die Union Baden-Württembergs grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann benennen könnte. Scheuer sagte, nun gehe es „dem Endspurt entgegen mit wichtigen Gesprächen heute“.

Der Entscheidung waren vergebliche Anläufe der Vorsitzenden der drei Koalitionsparteien vorangegangen, einen gemeinsamen Kandidaten zu finden, zuletzt am Sonntag. Die CSU hatte Merkel lange zu einem Unionskandidaten gedrängt, weil CDU und CSU in der Bundesversammlung, die den Präsidenten am 12. Februar wählt, die größte Gruppe stellen. Als Kandidat der Koalitionsparteien zusammen hätte Steinmeier dort bereits im ersten Wahlgang eine Mehrheit sicher.

Der CDU-Politiker Norbert Röttgen hatte Gabriel am Sonntagabend in der ARD eine Mitschuld an der wochenlangen Hängepartie um die Gauck-Nachfolge gegeben. Der SPD-Chef habe „den Prozess der Findung eines Kandidaten nicht vereinfacht“. Gabriel sei vorgeprescht und habe mit Außenminister Steinmeier ein SPD-Mitglied vorgeschlagen. Die Präferenz der Union sei es gewesen, „dass die Koalition einen gemeinsamen Kandidaten vorschlägt“.

Gauck war im Februar 2012 zum Staatsoberhaupt gewählt worden. Der 76-Jährige will aus Altersgründen nicht wieder kandidieren. Gauck war gemeinsamer Kandidat von Union, FDP, SPD und Grünen und hatte im ersten Wahlgang eine überragende Mehrheit erhalten.

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