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Geld und Politik Die Sponsorenjäger des Bundespräsidenten

Die Sponsorenjäger sind unterwegs. Sie buhlen um Geld, Würstchen und Sekt für das Sommerfest des Bundespräsidenten. Eine Berliner Kommunikationsagentur ist schon seit Jahren dabei. Trotz der Wulff-Debatte hat sie leichtes Spiel.

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Christian Wulff und seine Ehefrau beim Sommerfest 2010. Quelle: dpa

Die Berliner Kommunikationsagentur CB.e versteht ihr Handwerk. Dem Bundespräsidialamt verschaffte sie in den Jahren 2009 und 2010 insgesamt 134 Leistungen Dritter im Wert von knapp vier Millionen Euro, in erster Linie für die Festivitäten auf Schloss Bellevue – wie das Sommerfest von Christian Wulff.

Mal war es eine Geldspende der AOK Berlin in Höhe von 90.000 Euro, mal eine vom Schuhfilialisten Deichmann über 40.000 Euro, mal war es die Berliner Blutwurstmanufaktur mit Lieferungen in Höhe von 10.000 Euro oder die ostdeutsche Sektkellerei Rotkäppchen, die sich 2010 den Ausschank ihrer Prickelbrause mehr als 20.000 Euro Kosten ließ. Was die Sponsoren genau antreibt, bleibt vage. Rotkäppchen jedenfalls wollte sich auf Anfrage der WirtschaftsWoche nicht zu ihren Engagements äußern.

Schokoladen-Hersteller Gubor macht aus seiner Unterstützung keinen Hehl. „Wir freuen uns, unsere Produkte beim Sommerfest des Bundespräsidenten anbieten zu dürfen und seine Gäste von der Qualität unserer Produkte überzeugen zu können“, frohlockte Claus Cersovsky, Geschäftsführer von Gubor.

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    Sponsoring als Ehrung für soziales Engagement

    Hohe moralische Werte sind nach eigenem Bekunden die Beweggründe des niederländischen Fleischriesen Vion mit Deutschlandsitz in Düsseldorf bei seinen Aktivitäten. Das Sommerfest des Bundespräsidenten diene bereits seit Jahren – unabhängig vom jeweiligen Amtsinhaber und dessen parteipolitischer Zugehörigkeit – der Würdigung des gesellschaftlichen und ehrenamtlichen Engagements von Privatpersonen.

    Genau dieses soziale Engagement sei für Vion Anlass, die Veranstaltung zu unterstützen. Der zweitgrößte Schweineschlachter des Landes taucht mit mehr als 25.000 Euro im Sponsoringbericht des BMI auf. Die Lieferung seiner Thüringer Würstchen hat sich offenbar gelohnt: „Die Ausschreibung für das Sommerfest 2012 haben wir eingereicht“, sagt eine Sprecherin.

    Auch Gubor will wieder die Sause auf Bellevue sponsern. Schließlich seien die Gäste wichtig, heißt es bei Gubor. Und wo sonst erreiche man bis zu 5000 Menschen auf einem Fleck: Party-Politiker, Stars und Sternchen aus Diplomatie, Wirtschaft und Showbiz.

    Aber um einen Platz auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten zu ergattern, genügt die Bereitschaft, viel Geld zum Wohl der Gäste auszugeben, nicht aus. Jeder muss sich für dieses Jahr bewerben. Im vergangenen Jahr durfte Gubor bei Wulffs Gartenparty nicht mitspielen. Ein Wettbewerber hatte Gubor den Platz im Schloss Bellevue weggeschnappt.

    Frühe Sponsorensuche

    Sektausschank auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten Quelle: dpa

    Schuhkonzern Deichmann zählte im Sponsoringkonzept nicht zu den Sach-, sondern zu den Finanzsponsoren. Er warb für seine sozialen Werke und präsentierte nicht Sandalen und Pumps, sondern die Aktivitäten der eigenen Entwicklungshilfe-Organisation „wortundtat“, die in Indien Schulen und in Moldawien eine Kinderklinik baut.

    Deichmann hat allerdings nicht nur gute Erfahrungen gesammelt. War 2009 bei Regen das Zelt gut gefüllt, herrschte ein Jahr später bei strahlendem Sonnenschein Leere. Das hatte angesichts von Kosten in Höhe von 30.000 Euro (2009) und 40.000 Euro (2010) Konsequenzen: Nach der Besucherflaute entschied sich Deichmann 2011 nicht mehr dabei zu sein.

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      Aktuelle Debatte hatte keinen Einfluss

      Damit das nicht so bleibt ist CB.e-Mitarbeiter Roberto Freiberger – die Agentur hat den Auftrag des Bundespräsidialamts bereits seit 2006 - wieder auf Sponsorenjagd für das Sommerfest des Bundespräsidialamts am 2. Juli.

      Eine Million Euro müssen insgesamt von Finanzsponsoren zusammenkommen, die Sachspenden entsprechen noch einmal einem Wert von rund 700.000 Euro. Freiberger sagt: „Wir achten darauf, dass es nicht ständig dieselben Unternehmen sind.“ Schwieriger geworden sei die Sponsorengewinnung trotz der aktuellen Wulff-Debatte nicht: „Wir führen erfolgreiche Gespräche. Das Sommerfest sei ja nicht an die Person des jeweiligen Bundespräsidenten, sondern an das Amt gebunden“.

      Begründet hatte die Sommerfest-Tradition Richard von Weizsäcker unter der Maßgabe, keine Steuergelder für das Event auszugeben. So ist es bis heute.

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