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Gerd Müller "20.000 verkraften"

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"Wir können das Flüchtlingsproblem nicht dadurch bewältigen, dass wir die Zäune höher ziehen"

Es wirkt, als reagierten wir immer nur auf akute Krisen.

Wir dürfen Entwicklungsarbeit nicht als Reparaturbetrieb für akute Krisen verstehen. Wir müssen langfristig investieren in das Verhindern von Konflikten, in eine funktionierende staatliche Infrastruktur. Das wurde bisher massiv vernachlässigt. Das sieht man in Libyen, Syrien, im Irak – und ich habe große Sorge um Afghanistan.

Länder mit der niedrigsten Aufnahmequote (2014)

Warum?

In Afghanistan geht der Westen schnell – ich meine: zu schnell – raus. In Kundus weht bereits die Fahne der Taliban. Wir dürfen in Afghanistan nicht denselben Fehler machen, den die Amerikaner im Irak gemacht haben: ein Land ohne stabile Strukturen sich selbst überlassen. Libyen beispielsweise wurde bombardiert – Regime Change. Und was kam danach?

Kann man mit Brunnenbau den Aufstieg einer radikal-islamistischen Miliz wie IS verhindern?

Brunnenbau – das ist ein altes Klischee, das schon lange nicht mehr auf unsere Arbeit zutrifft. Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik müssen Hand in Hand arbeiten. Wie zieht man Steuern ein; wie verwaltet sich eine Region? Wie entstehen ein funktionierendes Gesundheitssystem, neue Schulen? Wir bilden Bürgermeister aus. Wir müssen Strukturen aufbauen: Verwaltung, Gerichte, Sicherheit. Sonst brechen diese Staaten nach wenigen Jahren zusammen. Wenn wir Staaten politisch und gesellschaftlich stark machen, können sie den Anfeindungen von Banden und Milizen widerstehen.

In Arbeit
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Ist das eine deutsche Aufgabe?

Wir brauchen eine bessere Koordinierung der Hilfe aus Europa, da läuft vieles nebeneinander her. Wenn wir nicht viel stärker in der Region Mittlerer und Naher Osten sowie Nordafrika investieren, dann werden künftig nicht 5.000 Flüchtlinge am Tag über das Mittelmeer und aus Marokko an die spanische Grenze kommen wie bisher, sondern 50.000. Wir können das Flüchtlingsproblem nicht dadurch bewältigen, dass wir die Zäune höher ziehen.

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