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Gesetzliche Krankenversicherung "Flüchtlinge entlasten das System"

Doris Pfeiffer Quelle: dpa

Laut Angaben der Gesetzlichen Krankenversicherung sorgen die Flüchtlinge und Zuwanderer aus anderen EU-Staaten für eine finanzielle Stabilisierung des Systems. Doch der Entlastungseffekt wird nur vorübergehend greifen.

Im vergangenen Jahr sind 186.644 Asylsuchende nach Deutschland gekommen, teilte das Bundesinnenministerium am Dienstag in Berlin mit. Das waren noch einmal deutlich weniger als im Jahr 2016 als rund 280.000 Geflüchtete gezählt wurden. Die Zuwanderung von EU-Bürgern und Flüchtlingen wirkt sich nach Angaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) positiv auf ihre finanzielle Stabilität aus.

Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, sagte der Deutschen Presse-Agentur, 2016 seien vor allem junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren neu in die gesetzliche Krankenversicherung gekommen. Davon seien mehr als 60 Prozent Männer und an die 40 Prozent Frauen gewesen.

Pfeiffer erläuterte: „Da die zugewanderten Neumitglieder jünger sind als der Durchschnitt aller gesetzlich Versicherten und darüber hinaus auch noch weniger Leistungen in Anspruch nehmen als die gleichaltrigen bisherigen Versicherten, führen sie zu einem doppelten Entlastungseffekt.“ Sie stabilisierten die Finanzen und stoppten - zumindest vorübergehend - die Alterung der Mitglieder der GKV insgesamt. „Das ist ein erstaunliches Phänomen, mit dem noch vor einigen Jahren wohl niemand gerechnet hätte“, sagte Pfeiffer.

Dieser Effekt dürfte nur wenige Jahre anhalten. Dann werde aus einem zugewanderten Mitglied ein durchschnittliches Mitglied, was das Verhältnis von Kosten und Beitragseinnahmen betreffe. „Wer auch immer die nächste Regierung stellen wird, muss die gute finanzielle Situation nutzen, um die Weichen für die Zukunft zu stellen“, mahnte die Chefin des GKV-Spitzenverbandes. Überkapazitäten bei den Kliniken, häufig überteuerte Medikamentenpreise im ersten Jahr ihrer Markteinführung und ein grundlegender Reformbedarf in der Notfallversorgung seien nur drei Stichwörter.

Im Hauptjahr des Flüchtlingszustroms 2015 wurden 890.000 Asylsuchende registriert. Die Zahl der Altfälle sei von 433.000 zu Beginn 2017 auf 68.000 anhängige Verfahren zurückgeführt worden, sagte Innenminister Thomas de Maiziere.

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