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Gesundheitswesen Das Volk will die Bürgerversicherung

Im Wahljahr spricht sich eine Mehrheit dafür aus, Selbständige und Beamte in die Krankenkassen zu holen. Bürger wie Ärzte beklagen zudem zunehmenden Ärzte- und Pflegepersonalmangel, so eine Umfrage zum Gesundheitswesen.

Laut MLP-Gesundheitsreport spricht sich eine Mehrheit in der Bevölkerung spricht für eine Bürgerversicherung aus. Bürger und Ärzte beklagen zudem den zunehmenden Ärzte- und Pflegepersonalmangel. Quelle: ZB

Ginge es allein nach Volkes Wille, müsste die "Bürgerversicherung" nach einem Wahlsieg der Oppositionsparteien bei der Bundestagswahl im September auf jeden Fall kommen – und damit Beamte, Selbständige und freiwillig Krankenversicherte zu Pflichtmitgliedern der gesetzlichen Kassen machen. Dies ist nur eines der Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zum Gesundheitswesen, die das Institut für Demoskopie Allensbach unter Bürgern und Ärzten durchgeführt hat und die nun in Berlin präsentiert wurde.

Was verdienen die Ärzte?
Das Allgemeinmediziner verdienen im Vergleich am wenigsten. Ihr Jahreseinkommen liegt nach Abzug der Praxiskosten, aber noch mit persönlichen Abgaben und Steuern bei 116.000 Euro. Das hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Quelle: ZBSP
Um die kleinsten und schon etwas größeren Erdenbewohner kümmert sich der Kinderarzt. Er verdient 124.000 Euro im Jahr. Quelle: ZB
Eine Schädigung des Gehirns nach einen Schlaganfall zeigt dieses Bild eines Professors aus Jena. Neurologen und Psychiater liegen mit ihrem Einkommen von 128.000 Euro auf dem drittletzten Platz. Quelle: dpa/dpaweb
Über 100 Jahre alt ist der Ohrstöpsel schon alt. Um die Gesundheit drei unserer Sinnesorgane kümmert sich der Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dafür wird er mit jährlich 144.000 Euro entlohnt. Quelle: dpa
Jedes Jahr sterben etwa 18.000 Frauen an Brustkrebs, 48.000 Fälle werden diagnostiziert. Vorsorgeuntersuchungen sollten beim Frauenarzt gemacht werden. Er verdient mit 145.000 Euro etwas mehr als der HNO-Arzt. Quelle: dpa/dpaweb
Hier bereitet sich der Chirurg auf die Operation einer gebrochenen Hand vor. Er hat ein Jahreseinkommen von 148.000 Euro im Jahr. Quelle: dapd
Mit diesem Vergrößerungsglas wird hier die Hautkrebs-Früherkennung durchgeführt. Für mehr als 218 000 Menschen ist die Diagnose tödlich. Der Hautarzt hat 155.000 Euro zur Verfügung. Quelle: dpa

Eine Mehrheit von 56 Prozent in der Bevölkerung spricht sich nach den Daten im MLP Gesundheitsreport für eine Bürgerversicherung aus. Käme es dazu, wäre dann eine private Krankenversicherung nur noch im Rahmen von Zusatzversicherungen möglich. Selbständige, Beamte und aufgrund hohen Einkommens freiwillig Gesetzlich Versicherte würden dann nicht mehr die Vorteile einer privaten Krankenversicherung genießen. Die Ärzteschaft ist bei der Frage nach einer Bürgerversicherung eher gespalten: 51 Prozent befürworten den Reformvorschlag, 41 Prozent sind dagegen. Doch obwohl eine knappe Mehrheit der Ärzte die Bürgerversicherung befürwortet, erwartet nur jeder fünfte Arzt, sich durch ihre Einführung auch die Gesundheitsversorgung verbessert. 47 Prozent der Mediziner gehen davon aus, dass die Einführung überhaupt keine Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung hätte – 26 Prozent erwarten sogar eine Verschlechterung. Hier scheint der Fairness-Gedanke im Vordergrund zu stehen.

Auch wenn der Umfrage zufolge die Zufriedenheit mit den Gesundheitssystem im Vergleich zu den Vorjahren auf einen Höchstwert gestiegen ist, sehen weite Teile der Bevölkerung und der Ärzteschaft zunehmend Probleme durch einen wachsenden Mangel an Ärzten und Pflegepersonal. Dieser äußert sich für die Patienten zunehmend bei Krankenhausaufenthalten und beim Arztbesuch. Mehr als die Hälfte der Deutschen beklagt die mangelnde Zeit der Ärzte für den einzelnen Patienten. Mit 57 Prozent hat sich dieser Wert seit Mitte der neunziger Jahre nahezu verdoppelt (1995: 31 Prozent). Mehr als jedem Vierten zufolge gab es beim Krankenhausbesuch in den vorigen Jahren zu wenig Ärzte und Fachärzte.

Wie Ärzte und Bürger das Gesundheitssystem bewerten

Patienten erfahren die Folgen des Ärztemangels vor allem im Wartezimmer: 52 Prozent geben an, dass sie sehr lange auf einen Termin warten mussten; 64 Prozent klagen darüber, dass sie sich trotz Termins sehr lange im Wartezimmer gedulden mussten. Kritisch äußern sich hier vor allem die gesetzlich Krankenversicherten. Von ihnen hatten 55 Prozent gegenüber 35 Prozent der Privatversicherten schon einmal Schwierigkeiten, relativ zeitnah einen Termin beim Arzt zu bekommen. Zwei Drittel der Kassenpatienten mussten trotz Termins sehr lange im Wartezimmer ausharren. Bei Privatversicherten beklagt dies knapp die Hälfte. Gesetzlich Krankenversicherte kritisieren vor allem wesentlich häufiger, dass sie mehrfach lange warten mussten.

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