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Gesundheitswesen "Rücklagen sind sinnvoll"

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Was Sie über IGeL-Behandlungen wissen müssen
Was sind IGeL-Leistungen?Gesetzlich Versicherte erhalten nicht jede ärztliche Behandlung auf Krankenschein. Wer Leistungen in Anspruch nimmt, die nicht im Kassenkatalog aufgeführt sind, muss sie selber zahlen. Die Rede ist von „Individuellen Gesundheitsleistungen“, kurz IGeL. Ärzte verkaufen die IGeL-Behandlungen gerne: Die können sie anschließend den Patienten gesondert in Rechnung stellen. Quelle: dpa
Was sind die beliebtesten IGeL-Behandlungen?IGeL-Leistungen reichen von A wie Akupunktur zur Migräneprophylaxe bis U wie Ultraschall der Eierstöcke. Letzterer zählt nach Angaben der Krankenkassen und des IGeL-Monitors des Medizinischen Dienstes (MDS) zu den am häufigsten genutzten Angeboten. Das gilt auch für Glaukom-Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt und Verfahren der Alternativmedizin. Quelle: dpa/dpaweb
Welchen Nutzen haben IGeL-Angebote?Der MDS, sprich die Wissenschaftler des IGeL-Monitors, bewertet seit gut drei Jahren die einzelnen Behandlungen, insgesamt 37 IGeL-Leistungen sind bisher analysiert worden. Die Ergebnisse sind nicht besonders erfreulich. 16 Angebote wurden von den Wissenschaftlern als negativ oder tendenziell negativ bewertet, 13 waren unklar und nur vier Leistungen waren tendenziell positiv. Quelle: dpa
Sind IGeL generell notwendig?Bei den privaten IGe-Leistungen ist die Frage der Notwendigkeit schwer zu beantworten. Wären die Behandlungen lebenswichtig, würden sie von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Laut Gesetz müssen deren Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Trotzdem können einige IGeL-Angebote für den jeweiligen Patienten Sinn machen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Patienten sich schon vor dem Arztbesuch umfassend informieren und wissen, dass sie die Kosten selbst tragen müssen. Quelle: dpa
Wie werden IGe-Leistungen "verkauft"?Besonders viele Angebote unterbreiten Frauen- und Zahnärzte. Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse werden jedem zweiten Patienten private Leistungen angeboten. Für Mediziner gibt es sogar spezielle Verkaufsseminare, in denen die Männer und Frauen im weißen Kittel lernen, IGeL zu verkaufen. In Frauenarztpraxen beispielsweise gibt es oft einen regelrechten Katalog - bei Ankunft in der Praxis kann die Patientin ankreuzen, welches Angebot sie in Anspruch nehmen und privat bezahlen will. Quelle: dpa
Was müssen Patienten beachten?Zunächst sollten sich Patienten ausführlich von ihrem Arzt beraten lassen. Wer Zweifel hat, kann die Meinung eines zweiten Arztes einholen. Je nachdrücklicher der Arzt ihnen die Leistung aufdrängt, desto größer sollten die Zweifel sein. Quelle: dpa
Nicht erpressen lassen!Patienten berichten von Ärzten, die es mit der Wahrheit beim IGeL-Verkauf nicht so genau nehmen. So berichtete eine Frau der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, sie habe den Ultraschall der Eierstöcke zur Krebsfrüherkennung nicht zahlen wollen. Die Ärztin habe daraufhin eine Unterschrift von der Patientin verlangt, um nachweisen zu können, sie über die Leistung aufgeklärt zu haben. Suggeriert werden sollte damit, so die Patientin, die Kasse könnte im Ernstfall die notwendige Behandlung nicht zahlen. Laut den Verbraucherschützern müssen Patienten ein solches Formular keinesfalls unterschreiben. Die gesetzliche Kasse zahlt bei Erkrankungen auch, wenn private Vorsorgeleistungen im Vorfeld abgelehnt wurden. Quelle: dpa

Wie ließe sich das ändern?

Die Beteiligten müssen ein größeres Interesse haben, die Menschen gesund zu halten. Ein Weg wäre, dass sich Anbieter zur integrierten Versorgung zusammenschließen, gemeinsam Verantwortung für die Gesunderhaltung der Versicherten übernehmen und dann ihre Kraft auf die Patienten richten, die tatsächlich krank und bedürftig sind. Bezahlt würden sie hauptsächlich pro Kopf und nicht nach der Menge der Behandlungen. Dazu muss aber die Qualität der Behandlungen gesichert werden und der Zugang allen offenstehen.

Beim Streit um höhere Honorare für Praxisärzte sind solche Argumente unwichtig. Es geht um mehr Geld für alle.

Viele Ärzte empfinden die Lage heute wie im Hamsterrad. Wir können nicht länger einfach nur mehr Geld in das System pumpen und mit der Gießkanne verteilen. Das hatte unter anderem zur Folge, dass die Zahl der niedergelassenen Fachärzte zwischen 1993 und 2009 um 50 Prozent zugenommen hat. Die Zahl der Hausärzte nahm zugleich um knapp acht Prozent ab.

Sollte das Honorar für die Ärzte umverteilt werden?

Wir müssen mit Anreizen dieser Fehlverteilung entgegenwirken. Statt kliniknahe und hoch spezialisierte Facharztgruppen, die die stärksten Zuwächse hatten, noch weiter zu fördern, sollten wir die Rahmenbedingungen für dringend benötigte Hausärzte attraktiver machen.

Reicht das? Dann wären der Mangel auf dem Land und die üppige Versorgung in den Innenstädten nicht beendet.

Die Anreize müssen darüber hinaus so gestaltet werden, dass auch die Menschen auf dem Land oder in ärmeren Stadtteilen gut versorgt werden. Es wäre nicht hilfreich, wenn in Zukunft an jedem zweiten Hauseingang an der Berliner Friedrichstraße ein Praxisschild hängt – und in Brandenburg die Versorgung zusammenbricht.

Oft wissen weder Kassen noch Mediziner, welche Therapie Erfolg hat. Warum ist es so schwer, Qualität zu messen?

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Deutschland ist stark in der Grundlagenforschung und sehr viel schwächer bei klinischen oder Versorgungsstudien. Die gesetzlichen Krankenversicherungen setzen im Jahr mehr als 180 Milliarden Euro um. Jede andere Branche würde da kräftig in Forschung und Evaluation investieren. Wir wissen aber fast nichts darüber, wie gut die Qualität der Regelversorgung oder in speziellen Programmen etwa für Diabetiker oder Asthmatiker ist. Unser Sachverständigenrat hat wiederholt aufgezeigt, wie Kassen einen Teil ihres Geldes für Forschung verwenden könnten.

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