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Gesundheitswesen "Rücklagen sind sinnvoll"

Der neue Vorsitzende der Gesundheitsweisen, Ferdinand Gerlach, erklärt, warum es nicht an Geld mangelt, sondern an neuen Ideen und an einer Orientierung an den Patienten.

Was verdienen die Ärzte?
Das Allgemeinmediziner verdienen im Vergleich am wenigsten. Ihr Jahreseinkommen liegt nach Abzug der Praxiskosten, aber noch mit persönlichen Abgaben und Steuern bei 116.000 Euro. Das hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Quelle: ZBSP
Um die kleinsten und schon etwas größeren Erdenbewohner kümmert sich der Kinderarzt. Er verdient 124.000 Euro im Jahr. Quelle: ZB
Eine Schädigung des Gehirns nach einen Schlaganfall zeigt dieses Bild eines Professors aus Jena. Neurologen und Psychiater liegen mit ihrem Einkommen von 128.000 Euro auf dem drittletzten Platz. Quelle: dpa/dpaweb
Über 100 Jahre alt ist der Ohrstöpsel schon alt. Um die Gesundheit drei unserer Sinnesorgane kümmert sich der Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dafür wird er mit jährlich 144.000 Euro entlohnt. Quelle: dpa
Jedes Jahr sterben etwa 18.000 Frauen an Brustkrebs, 48.000 Fälle werden diagnostiziert. Vorsorgeuntersuchungen sollten beim Frauenarzt gemacht werden. Er verdient mit 145.000 Euro etwas mehr als der HNO-Arzt. Quelle: dpa/dpaweb
Hier bereitet sich der Chirurg auf die Operation einer gebrochenen Hand vor. Er hat ein Jahreseinkommen von 148.000 Euro im Jahr. Quelle: dapd
Mit diesem Vergrößerungsglas wird hier die Hautkrebs-Früherkennung durchgeführt. Für mehr als 218 000 Menschen ist die Diagnose tödlich. Der Hautarzt hat 155.000 Euro zur Verfügung. Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Gerlach, die gesetzlichen Krankenversicherungen schwimmen im Geld. Verbessert das wenigstens die Versorgung der Versicherten?

Gerlach: Leider nicht. Die Kassen zeigen sich aktuell nicht sonderlich innovativ. Das liegt jedoch auch am Bundesversicherungsamt, der Aufsichtsbehörde. Wenn eine Versicherung etwa chronisch Kranke besser versorgen will, muss sie bereits zum Start eines neuen Konzepts gewährleisten, dass dieses keine Zusatzkosten verursacht. So funktioniert es aber nicht: Es gibt immer Anfangsinvestitionen. Einsparungen zeigen sich oft erst nach ein paar Jahren.

Also horten Kassen das Geld?

Die Kassenbeiträge hängen an den Löhnen. Man kann damit rechnen, dass die Einnahmen bald zurückgehen, während die Ausgaben weiter steigen werden. Rücklagen sind insofern sinnvoll – solange sie maßvoll bleiben.

Warum werden die Ausgaben im Gesundheitswesen künftig steigen?

Ferdinand Gerlach Quelle: dpa

Da ist zum einen die Alterung unserer Gesellschaft, obwohl die Folgen meist überschätzt werden. Medizinischer Fortschritt kostet oft auch. Entscheidend ist aber, dass sich das steigende Angebot im Gesundheitswesen oft seine eigene Nachfrage schafft. Über Jahre sind viele neue Ärzte und Klinikangebote hinzugekommen.

Mediziner schaffen sich ihre Nachfrage, indem sie Therapien ansetzen, die ihrem eigenen Geldbeutel nützen?

Unser System setzt noch stark auf Anreize, die Menge belohnen. Bei uns werden etwa ständig mehr sogenannte Linksherzkatheter eingesetzt. Pro Einwohner sind das bereits doppelt so viele wie in der Schweiz. Das weist auf eine mögliche Überversorgung hin. Es gibt Bereiche, in denen zu viel diagnostiziert und therapiert wird.

Warum verhalten sich Ärzte so?

Ein Grund ist, dass neue Arbeitsverträge von Chefärzten inzwischen durchweg einen Bonus für wirtschaftlichen Erfolg enthalten. Das heißt, wenn sie mehr machen, etwa mehr operieren, werden sie finanziell belohnt. Überspitzt gesagt ist dies ein Anreiz, die Menschen krank zu halten.

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