Gewerbesteuer Gewerbesteuer-Einnahmen um zehn Prozent gestiegen

Exklusiv

Das Aufkommen aus der kommunalen Steuer stieg im zweiten Quartal um rund zehn Prozent. Doch nicht überall kommt Freude auf.

Mit Arbeitszimmer und Dienstreise die Steuerlast senken
ArbeitszimmerDas häusliche Arbeitszimmer dürfen aktuell jene Arbeitnehmer absetzen, bei denen dieser Raum den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet. In diesem Fall können die Kosten in unbegrenzter Höhe abgesetzt werden. Ein Abzug des Arbeitszimmers kommt auch bei den Arbeitnehmern in Betracht, denen der Chef keinen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt. Das ist beispielsweise bei Lehrern häufig der Fall. In diesem Fall können pro Jahr aber maximal 1.250 Euro abgerechnet werden. Für Aufsehen hat im vergangenen Jahr eine Entscheidung des Finanzgerichts Köln gesorgt (Az: 10 K 4126/09). Demnach können die Kosten für ein Arbeitszimmer selbst dann abgerechnet werden, wenn dieses zum Teil privat als Wohnzimmer genutzt wird. Eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs zu dieser Frage steht aber noch aus. Quelle: © Caroline Arber/moodboard/Corbi
BerufsausbildungWer nach dem Schulabschluss zum ersten Mal eine Berufsausbildung ohne Ausbildungsdienstverhältnis macht – beispielsweise ein Erststudium oder eine Ausbildung zum Piloten oder Physiotherapeuten –  kann die Kosten dafür derzeit nur als Sonderausgaben bis zu einem Betrag von 4.000 Euro anerkennen lassen. Ab dem Veranlagungszeitraum 2012 erhöht sich der Sonderausgabenabzug auf 6.000 Euro pro Jahr. Ob die Ausgaben auch als Werbungskosten gelten können, ist derzeit noch umstritten, beim Bundesfinanzhof  laufen dazu verschiedene Musterverfahren. Aufwendungen für eine zweite Ausbildung, ein Studium nach bereits abgeschlossener Berufsausbildung werden jedoch schon heute in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten anerkannt. Quelle: dpa
Beiträge zu Berufsverbänden und GewerkschaftenBeiträge zu Berufsständen, Berufsverbänden, Beamten- und sonstigen Verbänden oder Gewerkschaften sind Werbungskosten. „Voraussetzung ist aber, dass der Zweck des Verbandes ist nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet“, sagt Anita Käding, Steuerexpertin beim Bund der Steuerzahler. Quelle: dpa
BerufshaftpflichtversicherungMitglieder bestimmter Berufsgruppen wie beispielsweise Ärzte, Ingenieure und Rechtsanwälte müssen eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen. Die Beiträge dazu gelten als Werbungskosten. Doch wenn der Arbeitgeber diese Beiträge zahlt, stellt dies grundsätzlich einen steuerpflichtigen Arbeitslohn dar. Quelle: dpa
BerufsbekleidungAusgaben für typische Berufsbekleidung sind Werbungskosten. Dazu gehören beispielsweise Arbeitsschutzkleidung wie Helm, Kittel oder Arbeitshandschuhe, aber auch Uniformen und Arztkittel. „Der Anzug des Bankers gehört nicht dazu, denn den kann er auch privat tragen“, sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Quelle: dpa
BewerbungskostenDie Suche nach einem Arbeitsplatz ist häufig nicht billig. Es entstehen Kosten für Stelleninserate, Bewerbungsbilder, Bewerbungsmappen, sonstiges Schreibmaterial, Briefporto und Fahrtkosten zum Vorstellungsgespräch. All dies lässt sich als vorweggenommene Werbungskosten bei der Einkommensteuererklärung angeben.
BewirtungskostenLädt ein Arbeitnehmer auf eigene Rechnung Geschäftskunden des Arbeitgebers ein, kann er die entstandenen Kosten als Werbungskosten abziehen. Unter Umständen werden auch Bewirtungen von Kollegen anlässlich eines Dienstjubiläums anerkannt. Quelle: Reuters
BrilleWer aufgrund seiner Arbeit am Computer eine Bildschirm-Brille braucht, kann die Ausgaben dafür als Werbungskosten abziehen. „Dies sollte von einem Arzt entsprechend dokumentiert werden“, rät Steuerexpertin Käding. Abziehbar sind ebenfalls Schutzbrillen. Aufwendungen für eine „normale“ Brille können hingegen nur bei den Krankheitskosten als außergewöhnliche Belastungen berücksichtigt werden. Quelle: dpa
ComputerDer privat angeschaffte Computer kann nur dann vollständig als Werbungskosten abgesetzt werden, wenn die private Nutzung des Gerätes unter zehn Prozent liegt. Dieser geringe Privatnutzungsanteil muss nachgewiesen werden. Wer den Computer stärker privat nutzt, kann weniger absetzen. Aus Vereinfachungsgründen darf der berufliche Nutzungsanteil auch auf 50 Prozent geschätzt werden. Quelle: dpa
DienstreisenAlle Kosten, die im Zusammenhang mit einer Dienstreise entstehen, können als Werbungskosten geltend gemacht werden. Dazu zählen zum Beispiel Pauschalen für Fahrtkosten, Verpflegung und Übernachtungskosten, aber auch Reisenebenkosten wie Parkgebühren und Kosten für die Gepäckaufbewahrung. Hat der Arbeitgeber einen Teil der Aufwendungen bereits im Rahmen des steuerfreien Satzes erstattet, kann nur noch der verbleibende Kostenanteil als Werbungskosten abgerechnet werden. Quelle: ap
Doppelte HaushaltsführungDoppelte Haushaltsführung bedeutet, dass ein Steuerzahler am Wohnort und am Beschäftigungsort einen eigenen Hausstand unterhält. Die zweite Wohnung muss dabei beruflich veranlasst sein. „Bei ledigen Steuerzahlern wird die doppelte Haushaltsführung besonders kritisch geprüft“, sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Daher sollten stets entsprechende Belege, wie Tankquittungen und Bahnfahrkarten für die Heimreise aufbewahrt werden. Neben den Fahrtkosten können auch die Aufwendungen für eine angemessene Zweitwohnung (in der Regel bis 60 Quadratmeter Wohnfläche) geltend gemacht werden. Quelle: dpa
EntfernungspauschaleAufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte können mit 30 Cent je vollen Entfernungskilometer berücksichtigt werden. Ein Entfernungskilometer entspricht dabei zwei Fahrkilometern, sodass tatsächlich nur eine Strecke angerechnet wird. Die Entfernungspauschale wird jedoch unabhängig vom Verkehrsmittel gewährt, auch wer den Weg mit dem Fahrrad oder der Bahn zurücklegt, hat deshalb ein Anrecht auf die Pauschale. Alternativ können auch die tatsächlich entstandenen Kosten für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel angesetzt werden. Insbesondere bei kurzen Strecken zur Arbeit, ist dies oft günstiger. Quelle: dapd
FachbücherFachbücher und -zeitschriften, die ausschließlich oder überwiegend beruflich genutzt werden, können als Werbungskosten abgesetzt werden. Für allgemeinbildende Literatur sowie Tages- oder Wochenzeitung gilt das nicht – auch, wenn aus beruflichen Gründen gekauft werden.
Fortbildungskosten und SprachkurseWer sich in seinem ausgeübten Beruf weiterbildet, kann die Ausgaben dafür als Werbungskosten absetzen. Das gilt für Lehrgangskosten, Aufwendungen für Kurse, Fahrtkosten zur Fortbildung, Prüfungsgebühren und Fachbücher. Kosten für Sprachkurse, die lediglich Grundkenntnisse vermitteln, werden nur dann anerkannt, wenn ein unmittelbarer Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit besteht. „Die Finanzämter prüfen dabei die Umstände des jeweiligen Einzelfalls“, sagt Anita Käding. Gleiches gilt für die Anerkennung von Sprachreisen ins Ausland. Quelle: dpa
FührerscheinManche Berufe können ohne Führerschein nicht ausgeübt werden. Wer einen Führerschein in der Führerscheinklasse B erwirbt, kann die Kosten nicht als Werbungskosten absetzen. Anders sieht es bei einem Lkw-Führerschein aus. Da diese Führerscheinklasse für den privaten Alltagsgebrauch nicht üblich ist, werden die Ausgaben regelmäßig als Werbungskosten anerkannt. Quelle: dpa
GeschenkeWer Geschenke an betriebsfremde Personen aus der eigenen Tasche zahlt, kann dies als Werbungskosten absetzten, sofern das Geschenk nicht teurer als 35 Euro ist und eine berufliche Veranlassung dafür besteht. Geschenke an Kollegen sind nicht abziehbar. Quelle: dpa
Job-TicketWenn die Aufwendungen für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bereits im Rahmen der Entfernungspauschale geltend gemacht wurden, können die Kosten für ein Job-Ticket grundsätzlich nicht zusätzlich berücksichtigt werden. Es gibt jedoch eine Ausnahme, wenn die Kosten für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel höher sind als die Entfernungspauschale. Zum Nachweis sollte die Monatskarte aufbewahrt werden. Quelle: dapd
KinderbetreuungDoppelverdienende Eltern und berufstätige Alleinerziehende können im Veranlagungszeitraum 2011 die Kosten für die Betreuung für Kinder unter 14 Jahren zu zwei Dritteln als Werbungskosten absetzen. Maximal sind pro Kind und Jahr jedoch 4.000 Euro möglich. „Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, können Kosten für die Kinderbetreuung unter Umständen auch als Sonderausgaben geltend gemacht werden“, sagt Steuerexpertin Käding vom Bund der Steuerzahler. Quelle: dpa
KrankheitskostenWer an einer typischen Berufskrankheit leidet, kann die Aufwendungen für die Behandlung als Werbungskosten absetzen. Dazu zählen beispielsweise Kurkosten aufgrund einer Berufskrankheit und Krankheitskosten aufgrund von Betriebsunfällen. Nicht berufsbedingte Krankheitskosten oder Aufwendungen wegen einer Verletzung, die beim freiwilligen Betriebssport entstanden sind, können als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Quelle: dpa
ProzesskostenDie Kosten für ein Gerichtsverfahren, bei dem es um die Erzielung oder Erhaltung von Einnahmen geht, sind Werbungskosten. Dies ist regelmäßig bei Arbeitsgerichtsverfahren der Fall, bei Disziplinarverfahren oder Verfahren im Zusammenhang mit der gesetzlichen Rentenversicherung. Abzugsfähig sind dann die Kosten des Prozesses, also die Gerichtsgebühren, Anwaltskosten oder die an eine Rechtsschutzversicherung gezahlten Beträge. Quelle: dpa

Deutschlands Städte und Gemeinden profitierten von der guten Konjunktur hierzulande. So stiegen die Einnahmen aus der Gewerbesteuer im zweiten Quartal 2012 um 9,7 Prozent – verglichen mit dem zweiten Quartal des Vorjahres. Diese frohe Botschaft kann der Präsident des Deutschen Städtetages, der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, nach einer Umfrage unter rund 100 west- und ostdeutschen Städten verkünden. Im ersten Quartal war das Aufkommen zwar leicht gesunken, Ursache waren Sondereffekte im Vorjahreszeitraum.

Aber das erste Halbjahr 2012 bescherte den Kämmerern ein Plus von 4,4 Prozent. Für das gesamte Jahr 2012 rechnet der Städtetag mit Rekordeinnahmen, die sogar den bisherigen Höchststand von 2008 übertreffen werden und damit die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise verursachte Delle ausgleichen. 2008 kassierten die Kommunen 41 Milliarden Euro an Gewerbesteuern, in diesem Jahr können sie voraussichtlich 42,6 Milliarden Euro einstreichen.

Grafik Entwicklung der Gewerbesteuer

Doch was die Kämmerer erfreut, ärgert den Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). „Die Kommunen drehen an den Hebesätzen und treiben so die Abgabenlast für die Unternehmen zusätzlich in die Höhe“, kritisiert DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Zu den Spitzenreitern zählt übrigens München.

Die bayrische Hauptstadt hat einen Hebesatz von 490 Prozent, im Bundesdurchschnitt beträgt er 441 Prozent. Besonders ärgert sich der DIHK darüber, dass sich die Gewerbesteuer immer weiter ausbreitet und bei Kapitalgesellschaften mittlerweile häufig die Hauptlast der Unternehmensbesteuerung ausmacht. Angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen sei es nun an der Zeit, so Wansleben, „die schwerwiegenden Konstruktionsmängel der Unternehmensteuerreform von 2008 mit der Besteuerung von Mieten, Zinsen, Pachten, Lizenz- und Leasinggebühren endlich zu korrigieren“.

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Davon wollen die Kommunen indes nichts wissen. Der Anstieg der Steuereinnahmen reiche bei vielen Städten nicht aus, „um ihre durch jahrelang steigende Sozialausgaben überstrapazierten Haushalte ins Lot zu bringen“, erklärt Helmut Dedy vom Städtetag. Außerdem gebe es einen erheblichen Stau bei den kommunalen Investitionen.

Deshalb sehe er auch keinen Spielraum für Steuersenkungen. Tatsächlich verzeichnete das Statistische Bundesamt zuletzt die bisher höchste Verschuldung der Kommunen: Zum Stichtag 31. März 2012 betrug sie 133 Milliarden Euro – gut das Dreifache dessen, was die Städten und Gemeinden im Jahr an Gewerbesteuer einnehmen.

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