GfK-Konsumklima Konsumklima in Deutschland gibt leicht nach

Die Kauflaune der Deutschen hat sich angesichts steigender Konjunkturrisiken eingetrübt. Das Barometer für das Konsumklima im September fällt auf den niedrigsten Wert seit einem halben Jahr.

So macht Geld doch glücklich
Tipp 1: Geben Sie Ihr Geld für Erlebnisse ausRichtig investieren – bei diesem Stichwort denken viele automatisch an Immobilien. Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, wie ein neues Haus dauerhaft glücklich machen soll? Eben. Dutzende von Studien zeigen: Erlebnisse machen glücklicher. Zum einen gewöhnen wir uns schnell an Besitztümer. Zum anderen bleibt ein Erlebnis wie ein Traumurlaub länger im Gedächtnis. Und drittens verbringen Sie solche Reisen in den meisten Fällen in Gesellschaft – und andere Menschen sind eine der größten Glücksquellen. So machen Sie es richtig: Investieren Sie nicht in materielle Dinge, sondern in Ihr Leben, raten Elizabeth Dunn und Michael Norton in ihrem Buch
Tipp 2: Gönnen Sie sich etwas BesonderesFakt ist: Die alltäglichen Dinge wissen wir meist weniger zu schätzen. Wann haben Sie das letzte Mal einen Kaffee wirklich genossen, anstatt ihn hektisch runterzukippen? Wann haben Sie das Mittagessen in Ruhe verzehrt, anstatt es zu verschlingen?
Tipp 3: Kaufen Sie Zeit Laut dem Statistischen Bundesamt der USA verbringen die Amerikaner mehr als zwei Wochen im Jahr mit Pendeln – mehr als ihre durchschnittliche Urlaubszeit. Ein amerikanischer Durchschnittshaushalt gibt fast 20 Prozent seines Einkommens fürs Autofahren aus. In Haushalten mit niedrigem Einkommen können es sogar bis zu 40 Prozent sein. Wenn man nun einen besonders langen Arbeitsweg hat, ist die Verlockung groß, noch mehr Geld für ein größeres, bequemeres Auto auszugeben. Aber ist das sinnvoll? So machen sie es richtig:
Tipp 4: Hinterfragen Sie Ihre KaufentscheidungenEin weiterer Teil des Problems ist der Unterschied zwischen Zeit und Geld. Wer diese Woche knapp bei Kasse ist, wird vermutlich annehmen, dass er es auch nächste Woche oder nächsten Monat noch ist. Zu wenig Zeit zu haben, sehen wir eher als vorübergehenden Zustand an. Die Folge: Wir lassen uns leicht von Produkten verleiten, die keinerlei Auswirkung darauf haben, wie wir unsere Zeit verbringen. So machen Sie es richtig: Ein Haus am Stadtrand mag idyllisch sein, aber Ihrer Zeitbilanz wird es vermutlich schaden - denn Sie werden Stunden im Feierabendverkehr verbringen. Fragen Sie sich also vor allem bei größeren Anschaffungen: Wie beeinflussen sie meine Zeit? Quelle: dpa
Tipp 5: Bezahlen Sie, bevor Sie konsumierenViele neigen dazu, Waren sofort zu konsumieren, aber später erst zu bezahlen. Dieses Verhalten macht aber nur kurzfristig glücklich. Zum einen besteht die Gefahr der Verschuldung, zum anderen ist die Freude über einen Kauf umso größer, je länger man darauf warten muss. Nicht umsonst sagt ein bekanntes Sprichwort:
Tipp 6: Erzeugen Sie Vorfreude Hinauszögern kann die Freude am Konsum verstärken, weil es das auslöst, was Dunn und Norton den „Speichelflusseffekt“ nennen. College-Studenten sollten sich in einem Experiment zwischen zwei Pralinen entscheiden. Sie durften die Praline, die sie gewählt hatten, entweder sofort essen - oder erst eine halbe Stunde später. Und siehe da: Wer auf seine Praline gewartet hatte, genoss sie anschließend umso mehr. Der Grund: Die Verzögerung gab ihnen Zeit, sich den Geschmack der Praline vorzustellen – ihnen lief das Wasser buchstäblich im Mund zusammen. So machen Sie es richtig: Kaufen Sie sich Produkte nicht sofort, sondern warten Sie noch ein wenig. Denn der Verzögerungsgenuss schenkt Vorfreude - und macht umso glücklicher, wenn sie das Produkt letztlich besitzen. Quelle: dpa
Tipp 7: Helfen Sie anderen MenschenSchon Warren Buffett wusste es: „Geben ist seliger denn nehmen“. Denn Menschen sind soziale Wesen - deswegen macht es uns glücklich, anderen zu helfen. Auch finanziell. So machen Sie es richtig: Wenn Buffet durch Spenden glücklicher werden konnte, können Sie das auch. Überlegen Sie doch mal, wie es wäre, Ihr Geld für andere Menschen auszugeben. Das kann Sie sogar noch glücklicher machen, als sich selbst zu verwöhnen. Quelle: dpa

Die Kauflaune der Deutschen hat sich angesichts steigender Konjunkturrisiken eingetrübt. Das Barometer für das Konsumklima im September fällt um 0,2 auf 9,9 Punkte, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Freitag zu ihrer Umfrage unter 2000 Verbrauchern mitteilte. Das ist der schlechteste Wert seit einem halben Jahr. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem stabilen Wert gerechnet. "Trotz des Rückganges kann man nicht davon sprechen, dass der Konsum-Motor nun ins Stottern gerät oder sogar abgewürgt würde", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. "Nach wie vor ist das Niveau des Indikators hoch." Der private Konsum bleibe in diesem Jahr ein wesentlicher Pfeiler für den Aufschwung.

Wofür Jugendliche Schulden aufnehmen
Mehr Verschuldete Quelle: dpa
Tilgung Quelle: dpa
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Essen, Trinken, Ausbildung und Schule        Quelle: dpa
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Die Verbraucher bewerteten die Konjunkturaussichten allerdings den dritten Monat in Folge etwas schlechter. Besonders das schwächere Wachstum in China und anderen großen Schwellenländern hat zuletzt Sorgen aufkommen lassen, dass die exportabhängige deutsche Wirtschaft an Schwung verlieren könnte. Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen - von Computern bis zu Möbeln - nahm ebenfalls den dritten Monat in Folge ab.

Auch die Einkommenserwartungen sanken etwas, nachdem sie im Vormonat noch auf den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung gestiegen waren. "Die Verbraucher gehen aber weiterhin klar davon aus, dass sich ihre persönliche finanzielle Lage weiter verbessern wird", so Bürkl. "Eine sehr robuste Beschäftigungslage, die zudem Raum für ansehnliche Einkommenszuwächse der Arbeitnehmer bietet, ist der wesentliche Grund für diesen Optimismus."

Was bringt das Wirtschaftsjahr 2015?
MindestlohnVom 1. Januar an gilt in Deutschland ein allgemeiner, flächendeckender Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, mit einer Übergangszeit bis 2017. Fest steht: manches wird teurer - Taxifahren zum Beispiel, oder der Gang zum Friseur. Quelle: dpa
TarifrundenWieviel Geld viele Arbeitnehmer im Portemonnaie haben, werden auch die Tarifverhandlungen 2015 zeigen. Allen voran für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie. Die Gewerkschaft IG Metall fordert 5,5 Prozent mehr Geld, die Verhandlungen beginnen Mitte Januar. Bereits 2014 hatte es für Beschäftigte in vielen Branchen ein Plus auf dem Gehaltszettel gegeben. Quelle: dpa
EuroraumAm 1.1.2015 bekommt die Euro-Familie Nachwuchs: Litauen führt die Gemeinschaftswährung ein - der baltische Staat wird damit das 19. Euro-Mitgliedsland. In der Euro-Schuldenkrise hat es zuletzt wieder mehr Sorgen über Griechenland gegeben. Quelle: dpa
KonjunkturDie Risiken für die Wirtschaftsentwicklung bleiben bestehen. Vor allem der Konflikt mit Russland hänge wie ein „Damoklesschwert“ über der europäischen Wirtschaft, sagt EY-Experte Thomas Harms. DIW-Chef Marcel Fratzscher sieht sogar „enorme Risiken“ für die Konjunktur. Hauptgrund: die Euro-Schuldenkrise. Nachdem Wirtschaftsexperten ihre Wachstumsprognosen eingedampft hatten, verbreiteten sie zuletzt aber wieder mehr Optimismus. Das hängt vor allem mit dem fallenden Ölpreis zusammen. Das entlastet private Haushalte und kurbelt den Konsum an. Quelle: dpa
TTIPEs könnte ein Kürzel des Jahres werden: „TTIP“. Mit dem geplanten Handelsabkommen zwischen Europa und den USA sollen durch gemeinsame Standards und den Wegfall von Zöllen viele neue Jobs entstehen - so die Befürworter. Kritiker dagegen befürchten, europäische Standards könnten fallen und etwa Hormonfleisch nach Europa gelangen. Heftig umstritten ist auch der Investorenschutz: Schiedsgerichte, vor denen Konzerne Schadenersatz von Staaten einklagen könnten. Die Verhandlungen sollen bis Ende 2015 abgeschlossen werden. Quelle: dpa
EnergiepreiseEine gute Nachricht bekamen Millionen Kunden schon vor Weihnachten: nach Jahren steigender Stromrechnungen senken viele deutsche Stromversorger Anfang 2015 erstmals wieder die Preise. Vor dem Beginn der Heizperiode konnten sich die Verbraucher außerdem über stabile oder sinkende Preise für Gas und Heizöl freuen. Und das voraussichtlich weiterhin billige Öl freut die Verbraucher: Tanken und Heizen werden wohl auf absehbare Zeit günstig bleiben. Quelle: dpa
Schriftzug CarSharing Quelle: dpa

Ein weiteres Risiko für das Konsumklima in Deutschland, sind nach Einschätzung der Experten auch die schlechter laufenden Geschäfte deutscher Autobauer in China. Sollte die Entwicklung anhalten, könnten Arbeitsplätze bei deutschen Autoherstellern und Autozulieferern bedroht sein, sagte der Konsumforscher Rolf Bürkl vom Marktforschungsunternehmen GfK der Deutschen Presse-Agentur. Das könne auch bei Beschäftigten in anderen Branchen Jobängste auslösen.

Wer von der Mini-Inflation profitiert - und wer nicht

„Denn die deutschen Autobauer sind, was den Export angeht, ein Leuchtturmbereich.“ Wer sich aber um seinen Arbeitsplatz sorge, zögere mit größeren Anschaffungen, was dann auf die Konsumstimmung drücke. Ganz so euphorisch wie vor einigen Monaten seien deutsche Verbraucher ohnehin nicht mehr. Das zeige sich an der seit März wieder steigenden Sparneigung. Der entsprechende Wert war noch im Februar auf ein Allzeittief gerutscht.

Seitdem sei die Sparneigung der Deutschen von Monat zu Monat gewachsen. „Darin und dem stagnierenden Konsumklimaindex eine Trendwende zu sehen, halte ich allerdings für verfrüht“, unterstrich Bürkl. „Mann muss abwarten, ob sich diese Entwicklung verfestigt.“ Da im Moment die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland für das Konsumklima günstig seien, rechne er nicht damit. Als Beispiel nannte er die gute Arbeitsmarktlage und die niedrige Inflation.

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