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Global Wealth Report Die Europäer werden ärmer

Laut dem "Global Wealth Report 2012" sind die Privatvermögen der westeuropäischen Bevölkerung im vergangenen Jahr geschrumpft. Schuld ist die Finanzkrise. Global gesehen steigt dagegen der Reichtum.

Sparschwein Geld Quelle: dpa

Die Schuldenkrise fordert ihren Tribut: Das Privatvermögen in Westeuropa ist nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Boston Consulting im vergangenen Jahr um 0,4 Prozent auf umgerechnet 33,5 Billionen US-Dollar (nach heutigem Wechselkurs 25,5 Billionen Euro) geschrumpft. Auch in Nordamerika und Japan ging es abwärts, während die Schwellenländer mächtig zulegen konnten. Weltweit stiegen die Vermögen, wenn auch nicht mehr so schnell wie in den Vorjahren.

"Die europäische Schuldenkrise hat die breite Bevölkerung getroffen", sagte Boston-Consulting-Experte Peter Damisch am Donnerstag. Nach seinen Worten haben insbesondere die südlichen Länder wie Italien und Spanien gelitten. "Wir haben aufgrund des schwachen Aktienmarkts aber auch Rückgänge in Großbritannien gesehen."

Wo die Deutschen ihr Vermögen anhäufen
Immer reicherDas Vermögen der Deutschen wächst und wächst. Seit Jahrzehnten steigert sich das Geldvermögen der Privathaushalte fast stetig - zuletzt gab es zu Beginn der Finanzkrise 2008 eine Delle in der Kurve. Nach der Wiedervereinigung lag das Geldvermögen noch bei 1,751 Billionen Euro, fünf Jahre später hatte es schon einen Wert von vier Billionen Euro. 2011 stieg das Vermögen um rund 57 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr an. Die positive Konjunktur und die stabile Lage am Arbeitsmarkt hätten das verfügbare Einkommen gesteigert und damit die Vermögensbildung begünstigt, erklärten die Währungshüter. Gebremst wurde die Entwicklung durch Kursverluste an den Kapitalmärkten Quelle: ap
Bargeld und SichteinlagenDen größte Teil des Vermögens der deutschen Privathaushalte liegt noch immer auf dem Konto und in Bargeld vor. Fast zwei Billionen Euro in Geldnoten und Sichteinlagen befindet sich im Besitz der Deutschen. Rund 608 Milliarden Euro davon waren im vergangenen Jahr in Spareinlagen angelegt, berichtet die deutsche Bundesbank. Quelle: gms
TermingelderZugelegt im Bereich der Sichteinlagen haben erstmals seit Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008 das Volumen bei Termineinlagen. Mit 280,5 Milliarden Euro haben Deutsche in diesem Jahr 18 Milliarden Euro mehr in den kurz- und mittelfristigen Anlagen bei Banken und Geldinstituten angelegt. Hintergründe sind laut Bundesbank die wieder größere Zinsspanne im Vergleich zu den täglich fälligen Einlagen und die schwindende Rendite bei festverzinslichen Wertpapieren. Quelle: ap
VersicherungenAuch die Versicherer vom wachsenden Vermögen. Neben den Banken sind sie die größten Verwalter: Mit fast 1,4 Billionen Euro Ansprüchen der Versicherten ist ein Großteil des Geldes bei ihnen angelegt. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs 2011 das Vermögen, das insbesondere in langfristigen Produkten wie Lebensversicherungen angelegt ist um 45 Milliarden Euro. Quelle: dpa
AktienAn der Börse hingegen sind die Deutschen vorsichtiger geworden. 2010 lagen noch 243,5 Milliarden Euro des Vermögen der deutschen Privathaushalte in Aktien, ein Jahr später sind es nur noch 221,4 Milliarden Euro - rund 22 Milliarden Euro weniger. Quelle: dapd
ZertifikateZertifikate locken auch wegen des höheren Risikos mit mehr Erträgen im Vergleich zu Aktien. Bei den Deutschen siegte jedoch die Vorsicht: Auch das Vermögen in Zertifikaten ging deutlich zurück. Während 2010 noch rund 435 Milliarden Euro des Vermögens der deutschen Privathaushalte in Investmentzertifikate angelegt war, sind es 2011 nur noch knapp 395 Milliarden Euro (minus 40 Milliarden). Das lässt sich zum Teil auch durch die teils hohen Kursverluste erklären. Quelle: dpa
Festverzinsliche Wertpapiere247 Milliarden Euro befinden sich in festverzinslichen Wertpapieren wie Schuldbriefe oder Anleihen. Ein Jahr zuvor waren das mit 259,6 Milliarden Euro noch ein wenig mehr. Quelle: dpa

"Deutschland steht im Vergleich zu den europäischen Nachbarn gut da", stellte Damisch bei der Vorstellung der Studie in New York fest. Hierzulande habe es keine Immobilienkrise gegeben und die Menschen seien nicht so schlimm verschuldet. Das Privatvermögen in Deutschland wuchs den Daten zufolge um 0,4 Prozent auf 6,4 Billionen Dollar. Zu den Staaten, die ebenfalls zulegen konnten, gehörten die Schweiz (plus 0,5 Prozent) sowie Frankreich (plus 1,5 Prozent).

Allerdings mussten auch die Deutschen Federn lassen. Sie hatten in den Vorjahren ihr Geld deutlich schneller mehren können, nämlich im Schnitt seit 2006 um jährlich 2,2 Prozent. Nun aber schmolz insbesondere der Wert ihrer Aktien dahin. Stattdessen lagert nun mehr Geld auf Konten oder steckt in Anleihen. So kommt es auch, dass die Zahl der deutschen Haushalte mit einem Vermögen von umgerechnet 1 Millionen Dollar oder mehr von 320.000 auf 345.000 stieg. 807 Haushalte zählen sogar zu den sogenannten Superreichen mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar. Das sind genauso viele wie im Jahr 2010, wenn man für beide Jahre die gleichen Wechselkurse anlegt. Mehr Superreiche gibt es nur in den USA (2928) und Großbritannien (1125).

Das sind die Schuldenkönige Europas
A general view of the old town of Tallinn, Estonia Quelle: AP
Speaker of the Parliament of Finland Eero Heinaluoma,president-elected Sauli Niinisto, president Tarja Halonen Quelle: dapd
LuxemburgDer kleinste Flächenstaat der Welt hat 2011 nur 0,6 Prozent des BIPs an neuen Schulden aufgenommen. In Euro macht das putzige 253 Millionen Euro. Genauso hoch wie Luxemburgs Neuverschuldung war das operative Ergebnis der VW-Tochter MAN im ersten Quartal 2012. Quelle: dpa
Ein Aufkleber mit der Aufschrift «Made in Germany» und dem EU Symbol klebt auf einem Solarkollektor Quelle: dpa
View of the new embassy of Malta in Berlin Quelle: AP
Blick auf das hell erleuchtete Riesenrad im Prater in Wien Quelle: dpa
Europäische Länder-Flaggen hängen schlaff vor dem Europäischen Parlament in Brüssel, Belgien Quelle: dpa

Neben Europa schrumpfte auch in anderen Industrieregionen laut der Studie „Global Wealth“ das Privatvermögen: In Nordamerika (minus 0,9 Prozent) kam zusätzlich zur Schuldenkrise die erst in letzter Sekunde abgewendete Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung erschwerend hinzu; in Japan (minus 2,0 Prozent) waren es die Folgen des Erdbebens und Tsunamis. Das Privatvermögen weltweit stieg im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent auf 122,8 Billionen Dollar, womit die Zunahme allerdings deutlich geringer ausfiel als in den beiden Vorjahren.

"Das gesamte Vermögenswachstum kam aus den Schwellenländern", sagte Boston-Consulting-Experte Monish Kumar. So mehrten in Brasilien, Russland, Indien und China die Menschen ihren Konto- und Depotstand um 18,5 Prozent. "Wir gehen davon aus, dass auch in den kommenden Jahren das Vermögen zunimmt, aber nicht mehr so schnell wie in der Vergangenheit", sagte Damisch. Auch Europa wird sich den Schätzungen zufolge erholen.

Allerdings, so sagen die Experten von Boston Consulting voraus, werden die Asiaten schon im Jahr 2016 reicher sein als die Europäer. Schon heute gibt es in China mehr Dollar-Millionäre als in Deutschland oder Großbritannien.

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