WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Görlachs Gedanken

Wie Angela Merkel den Westen retten kann

Seite 2/2

Sollte Le Pen Erfolg haben, dann Gnade uns Gott

Überrascht sind viele Analysten und Beobachter davon nur deshalb, weil sie die gegenwärtige Krise nicht als Generationenkonflikt begreifen. In Deutschland trägt der Ausbruch dieses Kampfes den Namen Stuttgart21. Damals analysierte die ZEIT sehr scharf, dass die Jungen für den neuen Bahnhof, und die Alten (die ja auch demonstrieren waren) dagegen seien. Der Generationenkonflikt wurde trotzdem nie zu einem Groß-Thema der Politik, nicht in Deutschland, nicht in England und nicht in den USA. Es ist richtig, das Wahlergebnis in den USA mit ungleichen Einkommen oder mit Rassenspannungen zu erklären. Aber diese Analyse ist nicht vollumfänglich. Denn hätten nur die Millennials in den USA oder UK gewählt, gäbe es keinen Brexit und Hillary Clinton wäre nun mit 95 Prozent Präsidentin der Vereinigten Staaten.

Bei allen Verdiensten, rationaler Verständigkeit und Nahbarkeit: das Thema Millennials versus Babyboomer hat Bundeskanzlerin Merkel nicht auf dem Schirm. Sie bildet ja mit etlichen Angehörigen dieser in die Jahre gekommenen Generation seit elf Jahren Regierungen. Das Thema muss aber dringend für den nächsten Bundestagswahlkampf auf die Agenda. Und am besten ruft Angela Merkel gleich die demokratischen Kandidaten in Frankreich an, um mit ihnen diese Erkenntnis zu teilen.

Sollte in unserem Nachbarland Marine Le Pen Regierungschefin werden, dann Gnade uns Gott. Der nächste Bundestagswahlkampf muss sich zentral um die Frage der Generationengerechtigkeit drehen, - vielleicht fangen wir auch klein an mit einer Generationenwahrnehmung. Außerdem müssen wir über die Zukunft des Regierens und Wirtschaftens aus dem Blickwinkel der Millennials sprechen. Nur so können Politisches, Wirtschaftliches und Sozialstaatliches im Rahmen einer liberalen Demokratie wieder zusammenfinden.

Die Beliebtheit von Bernie Sanders im US-Wahlkampf belegt dies und macht Mut: viele Beobachter wunderten sich, wieso dieser komische alte Kauz so beliebt bei den Jungen war. Die Antwort ist klar. Er hat verstanden, so zu denken und zu argumentieren wie sie. Als Angela Merkel dem Blogger LeFloid im Interview gegenübersaß, war das hingegen die Begegnung zweier Welten. Friedlich schon, man hat sich bewundert, vielleicht. Aber ansonsten: desinteressiert.

Angela Merkel ist das letzte Geschütz der liberalen Demokratie im Westen. Deshalb muss sie auch wieder antreten, sonst fliegt hier alles auseinander. Aber ihre Agenda muss anders werden und ihr Personal auch. Sonst übernehmen auch in Deutschland die radikalen Vernichter und Zerstörer.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%