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Graswurzelbewegung Berliner Lokalpolitiker wollen Cannabis legalisieren

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Apotheken statt Café-Atmosphäre

Für Herrmann ist Colorado Vorbild. Sie lehnt Coffeeshops nach holländischem Muster ab, stattdessen plädiert sie für Verkaufsstellen ohne Café-Atmosphäre – weit weg von den Parks. Noch sind viele Fragen offen: Wer darf verkaufen? „Auf jeden Fall nur Leute mit gesundheitspolitischer Expertise“, sagt sie. Wer darf produzieren? „Anfangs vielleicht der Staat, später auch Unternehmen“, so ihre Vorstellung. Wer darf kaufen? „Ich bin für ein Mindestalter ab 18 Jahren.“ Derzeit sucht sie Mitstreiter im Berliner Senat und anderen Städten. „Wir werden das Projekt beim zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte auf jeden Fall beantragen – ob mit anderen Bezirken oder alleine“, sagt sie.

Staatliche Regelungen von Cannabiskonsum

Aus ökonomischer Perspektive gibt es gute Gründe für mehr Gelassenheit. Zwar gilt laut aktueller Rechtslage „jeder noch so geringfügige Besitz als strafbar“, sagt André Schulz, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter. Die Polizei ist rechtlich verpflichtet, den Besitz von Cannabis zu ahnden. „Doch 95 Prozent der Verfahren werden schon heute als Bagatelldelikt wieder eingestellt.“ Private Mengen von sechs bis zehn Gramm werden je nach Bundesland nicht mehr strafrechtlich verfolgt.

Ökonomen fordern daher einen radikalen Schwenk. „Wenn der Staat den illegalen Handel mit sanften Drogen wie Cannabis nicht in den Griff bekommt und den Konsum ohnehin toleriert, dann sollte er die dabei entstehenden Gewinne besser selbst abschöpfen“, sagt Stefan Bach, Finanzexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. „Eine regulierte Freigabe von Cannabis würde bedeuten, dass der Staat Steuereinnahmen kassieren und den Schwarzmarkt austrocknen könnte.“

Prohibition ist gescheitert

Wissenschaftler fordern daher eine Entkriminalisierung der Konsumenten. „Die strafrechtliche Drogenprohibition ist gescheitert, sozialschädlich und unökonomisch“, heißt es in einer Resolution des Schildower Kreises, eines Netzwerks von 122 Strafrechtlern. „Jedes Jahr werden Milliardenbeträge für die Strafverfolgung aufgewendet, welche sinnvoller für Prävention und Gesundheitsfürsorge eingesetzt werden könnten.“

Deutschland



Das sehen nicht alle so. Suchtforscher warnen vor negativen Folgen einer Freigabe. „In Ländern mit einer liberalen Cannabis-Politik wie in den Niederlanden, Spanien oder Belgien kiffen die Jugendlichen deutlich mehr“, sagt Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters. „Legalisieren wir es, verleiten wir also noch mehr Jugendliche zum Konsum – und der ist extrem gefährlich.“

Die Gefahr ist evident. Es sei aber wahrscheinlicher, dass die schädlichen Folgen einer gesteigerten Nachfrage weniger ins Gewicht fallen als die Vorteile durch kontrolliertes Cannabis, heißt es in einer Kosten-Nutzen-Analyse des Ökonomen Stephen Pudney von der Essex-Universität. Ein weiterer Vorteil: Konsumenten verlieren den Kontakt zum Dealer, der ihnen später auch das Heroin andreht.

Stattdessen könnte Cannabis sogar zum Trendprodukt aufsteigen. In Seattle im US-Staat Washington eröffnet bald die erste Cannabis-Bäckerei. Der Lebensmittelhistoriker Ken Albala von der University of the Pacific in San Francisco prophezeit: „Es dauert nicht lange, bis Cannabis ein Teil der Haute Cuisine wird statt eines illegalen Joints im Hintergarten.“

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