WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Greencard-Jubiläum "Warum verschließt sich Deutschland vor der Welt?"

Er hatte die Hauptrolle bei der Premiere vor zehn Jahren: Harianto Wijaya erhielt im Juni 2000 die erste Greencard für IT-Spezialisten. Mittlerweile lebt und arbeitet er wieder in seiner Heimat Indonesien. Zum Jubiläum zieht er im Interview mit wiwo.de eine gemischte Bilanz.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Der damals 25-jährige Quelle: REUTERS

Herr Wijaya, Sie waren der allererste Greencard-Besitzer. Der Medienrummel war damals immens, Minister haben sich dank und mit Ihnen in den Vordergrund gedrängt. Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

Ich war sehr glücklich, weil es eine einmalige Chance war. Außerdem war ich sehr stolz, dass ich es geschafft hatte. Der Job damals ist bis heute sehr wichtig für mich. All mein Wissen aus dieser Zeit ist noch immer wertvoll. Nun eben für meinen heutigen Arbeitgeber.

Warum haben Sie sich damals für Deutschland entschieden?

Deutschland ist weltberühmt für seine Ingenieure. Die Deutschen setzen die Standards bei Qualität und Verlässlichkeit. Deshalb war ich sehr aufgeregt, als ich an der RWTH Aachen studieren konnte. Sowohl an der Uni als auch in der Stadt selbst war es großartig für mich.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Warum?

    Ich arbeite gerne mit deutschen Ingenieuren. Sie sind schlau und extrem diszipliniert. Aber ich mag auch ihren Lifestyle. Wirklich: Hart arbeiten und hart feiern – die  Deutschen wissen, was das heißt. 

    Was war dann der Grund für Sie, Deutschland 2004 wieder zu verlassen?

    Es gibt immer noch eine gewisse konservative Denke, Deutschland sei in erster Linie ein Land für Deutsche. Das ist sehr traurig. Dabei hängen sie doch stark am Export. Die ganze Welt ist Deutschlands Markt, warum verschließt sich das Land dann vor der Welt?

    Bessere Bedingungen

    Was war das konkrete Problem?

    Ich ging am Ende, weil es andere Orte gab, an denen ich deutlich bessere Bedingungen für meine Karriere sah. Hier mit der Unsicherheit zu leben, ob das eigene Visum mal verlängert wird, bot keine Grundlage.

    Muss sich die deutsche Zuwanderungspolitik grundlegend ändern?

    Die Wahrheit ist doch: Die Wettbewerbsfähigkeit des Landes liegt nicht mehr in den natürlichen Ressourcen, die sind nicht erneuerbar. Es liegt auch nicht mehr im flüchtigen, grenzenlosen Kapital. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht man gute Köpfe.

    Vorbild Fußball

    Und das machen andere besser?

    Nehmen wir China und Indien. Die kümmern sich um ihr Humankapital. Heutzutage wird Hardware in Taiwan gekauft und Software in Indien. Und was ist mit Deutschland? Es ist traurig, dass Deutschland noch nicht seine traditionellen Einwanderungsgesetze überwunden hat. Die Politiker sollten sich wirklich die Fußballnationalmannschaft zu ihrem Vorbild nehmen. Brauchen die wirklich einen weiteren Beweis? Das Land wird alt, aber es braucht Junge, um die Führung in Technologie und Maschinenbau zu erhalten. Ansonsten wird es zurückfallen. Das wäre traurig.

    Wir sprechen gerade Englisch. Was ist nach den Jahren in Aachen mit Ihrem Deutsch?

    (lacht) Es ginge auch noch.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%