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Greenpeace "Ein, zwei Jahre, dann ist das Tempolimit da"

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Auch in Deutschland haben Sie eine finanzielle Krise erlebt. 2006 gaben Sie mehr Geld aus, als Sie einnahmen. Im vergangenen Jahr 2007 kam es deshalb zu Personalabbau. Sind Sie nun schlank genug aufgestellt, um auch die kommende Wirtschaftskrise durchzustehen?

Behrens: Wir haben nicht nur Stellen abgebaut sondern die Organisation neu strukturiert. Das war auch eine Art Weichenstellung, um das Thema Klimawandel besser und konzentrierter angehen zu können.

Reicht die Weichenstellung auch, um eine Wirtschaftskrise durchzustehen?

Behrens: Das kann man nicht sagen. Wer weiß schon, was in fünf Jahren ist? Das Gefühl, sichere Arbeitsplätze zu haben, hatten wir hier nie. Wenn die Spenden abnehmen, ist niemand von uns sicher. Anfang der 90er Jahre mussten wir schon einmal Personal abbauen, weil die Einnahmen zurückgingen. Wenn die Entwicklungen es erfordern, müssen wir uns neu aufstellen. Dann müssen wir in der Lage sein uns zu verändern, genauso wie das andere Menschen auch müssen.

Die Landesorganisationen von Greenpeace bestimmen den Fahrplan der internationalen Dachorganisation in den Niederlanden. Ist es nicht lähmend, wenn so viele verschiedene Parteien auf einen gemeinsamen Nenner kommen müssen, um international eine Kampagne fahren zu können?

Behrens: Wir streiten sehr viel, das stimmt. Wir kommen beide gerade von einer Tagung. Da gibt es heftige Diskussionen bis in die Nacht und beim Frühstück steht der erste schon wieder neben einem und will einen einzelnen Punkt noch mal diskutieren. Das ist zwar anstrengend, aber auch eine interessante und spannende Prozedur, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen gemeinsam eine Strategie entwickeln. Diese ist dann aber für alle verbindlich und darin liegt unsere Durchsetzungskraft.

Gremien haben nur mehr beratende Funktion

In Deutschland haben sie die Entscheidungsprozesse trotzdem zentralisiert. Sie, Herr Hipp, treffen als Kampagnendirektor die Entscheidungen, welche Kampagnen gemacht werden und nicht mehr das gesamte Gremium.

Hipp: Frau Behrens und ich werden von Gremien unterstützt, die uns beraten. Aber die Entscheidungen liegen letztendlich bei uns. Früher hat das gesamte Gremium mit 10 bis 12 Mitgliedern zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen müssen. Das hat manchmal dazu geführt, dass wir am Ende beim kleinsten gemeinsamen Nenner gelandet sind.

Sie haben Greenpeace also zentralisiert.

Hipp: Nein, überhaupt nicht. Die Gremien haben wir ja beibehalten, sie haben aber nur noch beratende Funktion.

Aber das letzte Wort liegt doch jetzt bei Ihnen. Also haben Sie doch die Organisation zentralisiert?

Hipp: Aber so funktioniert es doch bei Greenpeace nicht. Wenn das Gremium für etwas ist, kann ich mich nicht ohne handfeste Gründe dagegen stellen. Theoretisch schon. Aber praktisch nicht.

Wenn Sie am Ende doch machen, was das Gremium sagt, hätten Sie die Strukturen ja nicht ändern müssen...

Behrens: Doch. Wir wollten eine höhere Flexibilität in der Struktur und keine langen Entscheidungswege mehr. Und das haben wir nun erreicht.

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