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Griechenland Das "Nein" ist ein Schock für Angela Merkel

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Grexit ist keine Gefahr für Angela Merkel

Merkel, die Vernunfteuropäerin, schleppt Charts mit sich herum, auf denen die Lohnstückkosten aller EU-Mitgliedstaaten vermerkt sind. Sie kann von einem „wettbewerbsfähigen“ Europa schwärmen.

Aber die Griechen haben ihre Charts ebenso wenig beeindruckt wie dieser magische Begriff „Wettbewerbsfähigkeit“. Verabschieden sie sich nun wirklich aus der Währungsunion, ob freiwillig oder im Unfallmodus, wird Merkel den Bundesbürgern erklären müssen, dass sie bis zu 53,3 Milliarden Euro abzuschreiben haben.

Innenpolitisch droht ihr dafür eher weniger Ungemach, schließlich beginnt die Abschreibung erst im Jahr 2020, sie streckt sich bis 2057. Außerdem kann die SPD einen Grexit schwerlich für eine Attacke auf die Kanzlerin nutzen. Ober-Sozialdemokrat Sigmar Gabriel ließ Merkel  Kanzlerin am vergangenen Montag gar in seiner Fraktion ihre Euro-Politik erklären, „als gäbe es plötzlich keine Parteien mehr“, wie die "Bild"-Zeitung ehrfürchtig vermeldete.

Merkel hat Angst um ihr Vermächtnis

Aber Merkel muss eben nicht mehr nur die nächste Wahl fürchten, sondern auch ihr politisches Vermächtnis in Europa und der Welt – ihr droht das Schicksal, als jene Kanzlerin in die Geschichtsbücher einzugehen, unter der Europas Einigungsprojekt zumindest zeitweise zerbrach.

Vorgänger haben Europas Krisen als Geburtshelfer für neue Integrationsschritte genutzt, zur Debatte stehen auch jetzt altbekannte Vorschläge wie ein gemeinsamer Finanzminister in der Eurozone, Insolvenzverfahren für Staaten, auch mehr politische Integration.

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Doch wo ist der politische Wille dafür, nach all den Krisengipfeln? Daheim müsste Merkel schon zittern, ein drittes Hilfspaket für Griechenland in ihrer Unionsfraktion genehmigt zu bekommen. Der Rest der EU laboriert an einem politischen Ermüdungsbruch. Und sie selbst ist zu Europas politischer Zukunft immer im vagen geblieben.

Wenn Europa aber nicht weiß, wo es hin will, waren die Krisenjahre nicht nur für Griechenland verschwendet, sondern für den gesamten Kontinent. Dies muss sich dann auch Merkel vorhalten lassen, die selten einen Zweifel daran lässt, dass Visionen für sie höchstens ein Fall für den Arzt sind.

Dass sie nach dem griechischen Nein wohl nicht mehr vage bleiben kann, ist durchaus ein Sieg für die Griechen und Alexis Tsipras - wenn auch ein denkbar teuer erkaufter.

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