Griechenland Premier Samaras kommt nach München

Es dürfte ein schwieriger Besuch werden. Noch im Sommer hatte die CSU, allen voran Bayerns Finanzminister Markus Söder, einen Austritt des Krisenstaates aus der Euro-Zone gefordert.

Der griechische Regierungschef Antonis Samaras reist am Sonntag nach München. Quelle: dpa

Nachdem Griechenlands Ministerpräsident Samaras sich am heutigen Sonntag gegen 18 Uhr ins Goldene Buch der Stadt München eingetragen hat, trifft er Horst Seehofer zum Gespräch. Das Klima zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten und dem Regierungschef aus Griechenland dürfte alles andere als entspannt sein. Noch im Spätsommer hatte die CSU gefordert, der Krisenstaat müsse aus der Eurozone austreten. Wortführer waren Seehofers Finanzminister Markus Söder und der Generalsekretär der Christsozialen Alexander Dobrindt.

Vor allem Söder erwies sich in der Griechenland-Debatte immer wieder als Scharfmacher. Ein Austritt sei „absolut zu verkraften“, sagte Söder. „Wenn wir jetzt nicht an Griechenland ein klares Exempel statuieren, also zu sagen, wer nicht die Reformen erfüllt, der muss dann auch raus aus der Euro-Zone, dann ist die ganze Euro-Zone nichts anderes als eine große Umverteilungsgemeinschaft“, sagte der bayerische Finanzminister im Sommer. Söder verglich die Situation mit dem Bergsteigen: Wenn in einer Seilschaft ein Bergsteiger Gefahr laufe, den anderen in den Abgrund zu ziehen, müsse man das Seil kappen.

Was aus den Rettungsplänen wurde
GeuroEs war eine Idee des früheren Deutsche-Bank-Chefvolkswirts Thomas Mayer: Griechenland führt eine Parallelwährung ein, den Geuro, der neben dem Euro im Land zirkuliert. Unternehmen könnten dann ihre Beschäftigten mit dem Geuro bezahlen, diese sich  dafür Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter kaufen. Da sich die neue Parallelwährung gegenüber dem Euro schnell abwerten würde, wären griechische Produkte und Dienstleistungen – hier vor allem der Tourismus – schnell wieder wettbewerbsfähig. Nach außen hin könnte das Land weiter in Euro rechnen. Es blieb eine Idee. Quelle: dapd
Striktes SparprogrammGriechenland spart sich gesund. Der Plan sieht vor, dass Griechenland 2013 und 2014 gut 11,5 Milliarden Euro einspart – durch Kürzung der Gehältern der Staatsbediensteten sowie der Renten, des Verteidigungsetat und so weiter. Dass Griechenland seine Sparpläne einhält, glaubt kaum noch jemand. Die Prüfungskommission Troika wurde bisher bitter enttäuscht. Auch Regierungschef Antonis Samaras trägt nicht zum Vertrauen in die Sparbemühungen bei, wenn er wie Ende August geschehen bei den Schuldnerländern um einen Aufschub bis 2016 bittet. In wenigen Wochen wird die Troika ihren neuen Bericht vorlegen, dann wird man sehen, was Griechenland bisher erreicht hat. Quelle: dpa
'Grexit" - Zurück zur DrachmeDas Land erklärt sich bankrott, steigt aus der Europäischen Währungsunion aus und kehrt zur Drachme zurück. Jahrelang warnten Euro-Politiker vor Ansteckungseffekte einer Griechenland-Pleite. Spanien, Italien oder Portugal würden dann ebenfalls in den Abgrund getrieben, hieß es einstimmig aus Brüssel. Doch die Stimmung hat sich gedreht. Das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Währungsunion wird in den Ländern der Euro-Zone mittlerweile für beherrschbar gehalten. Das "Grexit-Szenario" bleibt eine Option, sollte Griechenland seine Sparpläne nicht in die Tat umsetzen. Quelle: dpa
Konzept "Südo"Die Teilung des Euro in eine Gemeinschaftswährung der Südländer (Südo) und der Nordländer (Nordo) käme zwar vor allem Griechenland, aber auch Italien, Spanien und Portugal zugute. Da eine Abwertung des  Südo gegenüber dem Nordo die unmittelbare Folge einer solchen Teilung wäre, würde sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der südlichen Euro-Krisenländer entsprechend verbessern. Mit einer solchen Aufteilung wäre die Währungsunion langfristig ökonomisch stabil. Doch die Politik stellt sich quer – das Festhalten an der Einheitswährung ist europäische Staatsräson. Quelle: dapd
Projekt EurekaEs war eine geniale Idee der Unternehmensberatung Roland Berger: Der griechische Staat verkauft große Teile seines Staatsbesitzes – an Kulturgüter wie die Akropolis war dabei allerdings nicht gedacht – an eine europäische Treuhandanstalt. Mit dem Erlös hätte Griechenland seine Auslandsschulden abtragen können. Die Treuhand hätte dann rund 30 Jahre Zeit gehabt,  die griechischen Staatsunternehmen zu sanieren und zu verkaufen. Deutsche und griechische Politiker hatten durchaus Sympathien für diesen Plan mit dem Namen „Eureka“. Doch es wurde nichts daraus. Quelle: dapd
Konzept "Fixit"Um den Griechen das Leben in der Europäischen Währungsunion zu erleichtern, könnten auch finanziell starke und hoch wettbewerbsfähige Länder die Euro-Zone verlassen. So haben etwa die Finnen angekündigt, sie könnten auch ohne Euro leben. Würden die Finnen tatsächlich austreten (Fixit) und machen die Niederlande, Estland und vor allem Deutschland diesen Schritt mit, würde das Griechenland die fällige Anpassung erleichtern. Vom Tisch ist diese Option noch nicht – der Schlüssel dazu liegt bei der Regierung in Helsinki. Quelle: dpa
Geld druckenEs ist der bequemste aller Auswege – und damit der wahrscheinlichste. Die Europäische Zentralbank (EZB) wirft die Notenpresse an. Und das geht so: Die Regierung in Athen gibt Staatsanleihen aus, griechische Banken kaufen die Titel auf und hinterlegen sie bei der EZB. Dafür bekommen sie frisches Zentralbankgeld. Darüber hinaus denkt die EZB darüber nach, wie sie weitere Staatsanleihen der Krisenländer vom Markt nehmen kann. Die Deutsche Bundesbank ist mit ihrem Widerstand gegen dieses Programm isoliert. 'Not kennt kein Gebot', lautet das Motto von EZB-Präsident Mario Draghi – und so ist der Staatsfinanzierung durch die Notenbank Tür und Tor geöffnet.    Quelle: dpa

Bei allen Differenzen um den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone: Bayern und das südeuropäische Krisenland haben auch historische Gemeinsamkeiten. Von 1832 bis 1862 regierte der aus Bayern stammende König Otto in Griechenland. Unter ihm wurden das Finanzwesen, die Justiz und die Verwaltung aufgebaut. Die Griechen hätten ihren Staatsaufbau letztlich den Bayern zu verdanken, heißt es in München oft. Unter König Otto I. wurde das Schulwesen ausgebaut, eine Universität, das Nationalmuseum und eine Staatsbibliothek eröffnet.

Dass Seehofer inzwischen von seinem harten Kurs gegenüber Griechenland umgeschwenkt ist, hat aber wohl weniger mit der Besinnung auf gemeinsame historische Parallelen zu tun, sondern ist knallharter Egoismus. Kürzlich hatte Bayerns Ministerpräsident gesagt, wen Griechenland mehr Zeit für Reformen benötige, müsse man sie dem Land einräumen. Seehofer fürchtet, der sich abzeichnende Konjunktureinbruch könne dem stark exportabhängigen Bayern schaden.

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