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Grün-Rot Unternehmer schalten auf Harmonie-Modus

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Energiewende sorgt für Groll

Sorge um die Verkehrsinfrastruktur - Statt neuer Straßen fordert der grüne Verkehrsminister Hermann eine Citymaut für Stuttgart. Quelle: dpa

Im traditionell schwarzen Oberschwaben richtet sich der Groll dabei nicht so sehr gegen Ministerpräsident Winfried Kretschmann, sondern vor allem gegen dessen Vorgänger Stefan Mappus und die überhastete Energiewende der CDU. Von Grün-Rot erwartet die Wirtschaft im Südwesten nun jedoch eine konsequente Umsetzung. „Speichern, Transport, Effizienz“, nennt Burkhard Thost als zentrale Stellschrauben. Der Ingenieur führt von Pforzheim aus 300 Spezialisten, die weltweit den Bau von Kraftwerken steuern und bei unterschiedlichsten Projekten die Energieeffizienz optimieren. Hier sieht Thost, zugleich Präsident der IHK Nordschwarzwald, auch für Baden-Württemberg große Chancen. „Aber wir brauchen Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähige Preise.“ Dafür seien enorme Investitionen notwendig – auch in Gaskraftwerke. Und dann schiebt der Manager eine Warnung nach, die man in diesen Tagen von Mittelständlern im Südwesten oft hört: „Eine exportorientierte Wirtschaft kann nicht allein von Umweltprodukten leben.“

Gute Noten für die Regierung

Zwar haben sich die Ängste vor grün-roter Wirtschaftsfeindlichkeit weitgehend verflüchtigt. Im Mittelstandsbarometer der Unternehmensberatung Ernst & Young erhielt die Regierung jüngst gute Noten für Unternehmensförderung und Infrastrukturpolitik. In einer anderen Umfrage unter Managern und Mittelständlern zeigen sich fast drei Viertel der Befragten zufrieden mit der Arbeit des Ministerpräsidenten (die Regierung insgesamt überzeugt nur 35 Prozent). Konzerne wie Bosch und Daimler, ja sogar Porsche und der Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie haben nach der Wahl auf den Harmoniemodus umgeschaltet.

Umsicht mit den Neuen

Unternehmer wie Handtmann sehen das positive Urteil allerdings eher als Ausdruck der Erleichterung: „Wir haben Schlimmeres erwartet.“ Und nach einem Jahr verflüchtigt sich langsam die Nachsicht mit den Neuen. „Zuhören ist das eine, umsetzen ist das andere“, sagt etwa Peter Kulitz, Präsident der IHK Ulm. Der Geschäftsführer des Absaugspezialisten Esta in Senden bei Ulm sorgt sich vor allem um die Verkehrsinfrastruktur. „Lkws erreichen ihre Kunden nicht auf Fahrradwegen“, spottet der Unternehmer – und denkt dabei vor allem an den grünen Verkehrsminister Winfried Hermann.

Der leidenschaftliche Radfahrer und Stuttgart-21-Gegner, der das Autoland soeben mit der Forderung nach einer Citymaut (für Stuttgart: 6,10 Euro pro Einfahrt) aufgeschreckt hat, ist ein rotes Tuch für viele Unternehmer. Spediteure wie Heinrich Grieshaber, der von Weingarten aus „125 ziehende Einheiten“ am Laufen halten muss, nehmen ihm seinen Widerstand gegen neue Straßen übel. Ausgerechnet der ADAC attestiert dem Verkehrsminister hingegen „gesunden Realismus“ – weil dieser keine neuen Straßen verspricht, die ohnehin nicht finanzierbar seien.

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Im zweiten Regierungsjahr baut die Wirtschaft nun auf „weitere Lernprozesse“ in der Regierung (Kulitz) und hofft, dass sich „die vernünftigen Kräfte innerhalb der Grünen durchsetzen“, so Nicola Leibinger-Kammüller, Chefin des Laserspezialisten Trumpf in Ditzingen. Sie fordert „richtige Weichenstellungen in der Bildungs-, Energie- und Verkehrspolitik, damit unser Land auch in zehn Jahren Wohlstand erwirtschaften kann“. Die Unternehmerin: „Hier ist kein Platz für ideologische Experimente.“

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