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Grüne Regierung Süddeutsche Unternehmer im Zwiespalt

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Rudolf Bühler Quelle: PR

Walter Döring aus der Nachbarstadt Schwäbisch Hall ist in der Wirtschaft des Landes verdrahtet wie kaum ein anderer. Der Unternehmensberater und mehrfache Aufsichtsrat war acht Jahre lang Wirtschaftsminister in Stuttgart. Über das begrenzte Erschrecken im Mittelstand wundert sich das FDP-Mitglied nicht. „Es hat im Land einen Mentalitätswechsel gegeben“, sagt Döring, „und den hat die Regierung ignoriert.“ Grüne Ideen seien in der Mitte der Gesellschaft angekommen – auch durch die konservative Attitüde des Vormanns der Landesgrünen, Winfried Kretschmann. „Die Unternehmer selbst wählen nach wie vor liberal oder konservativ, aber die Gattinnen und Kinder oft grün.“

Das Klientel der Grünen sei wie die grüne Landespartei wertkonservativ. „Das sind Bürgerliche, die wollen gute Landschaft, gutes Essen“, sagt Döring, „aber auch ein schönes Auto.“ Es sei ein Kardinalfehler des scheidenden Ministerpräsidenten gewesen, diese Gruppe in die extreme Ecke zu stellen. Hinzu komme: „Etwa ein Viertel der deutschen Umweltbranche sitzt in Baden-Württemberg.“

Barocker Patriarch

Eines der Unternehmen, in deren Aufsichtsrat Döring amtiert, ist die Besh, eine Agrargruppe mit acht Gesellschaften, darunter zwei Aktiengesellschaften, und einem Umsatz von mehr als 90 Millionen Euro. Herrscher über den Landkonzern ist Rudolf Bühler, ein barocker Patriarch, der auf dem Bauernhof residiert, den seine Familie in der 14. Generation bewirtschaftet. Zu Bühlers Reich gehören ein Schlachthof, fünf Biomärkte, Beteiligungen an ökologischen Energieversorgern.

Bühler steht immer unter Strom, ist in vielen Projekten – unternehmerischen wie gemeinnützigen – gleichzeitig engagiert. „Das muss ich alles noch unterschreiben“, sagt er und deutet auf einen Tisch voller Akten, der neben seinem ohnehin überquellenden Schreibtisch steht. Gerade kommt er von einer Sitzung zur Gründung einer Gastankstelle, die ihr Gas aus Agrarabfällen produzieren will.

Behinderungen für Öko-Betriebe

Bühler war lange CDU-Mitglied, dann für die Grünen im Kreistag. Später überwarf er sich mit der Partei. Dennoch freut er sich über den Wechsel. „Die bisherige Landesregierung hat die Biolandwirtschaft nicht gemocht und uns behindert, wo sie nur konnte“, sagt Bühler. Zugesagte Zuschüsse seien zusammengestrichen worden, auf Messen und Ausstellungen seien Regierungsmitglieder demonstrativ den Ständen der Besh ferngeblieben. „Wir können auch ohne Politik unsere Projekte gestalten, aber es ist gut, dass die ausgetauscht wurden“, schimpft Bühler.

Beim Schimpfen belässt es der Chef des Wechselrichterherstellers Kaco, Ralf Hofmann, nicht. Der Unternehmer, dessen Firma mit dem Solarstromboom groß wurde, lud Grünen-Vormann Kretschmann zu einem Auftritt auf dem Werksgelände ein und wurde deshalb vom CDU-Landtagsabgeordneten seines Wahlkreises wegen Wählernötigung angezeigt.

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