Handelsblatt-Neujahrsempfang „Die Welt beneidet uns – auch um unsere Probleme“

Beim Berliner Neujahrsempfang des Handelsblatts feiern Entscheider aus Wirtschaft und Politik. Ganz harmonisch. Jürgen Trittin und Christian Lindner beweisen: auch politische Rivalen können sich gemeinsam amüsieren.

Auf der Bühne: Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart kündigt die Schweizer Kabarettistin Hazel Brugger an. Quelle: Marko Priske für Handelsblatt

BerlinStreit und Schuldzuweisungen sind vergessen – für ein paar Stunden jedenfalls. So können sich auch politische Rivalen gemeinsam amüsieren: Jürgen Trittin, Leitwolf der grünen Linken, und Christian Lindner, Parteichef der FDP, waren Antipoden bei den gescheiterten Jamaika-Verhandlungen. Doch der Neujahrsempfang des Handelsblatts ist einer dieser Abende, an dem sich Gegensätze anziehen: Beide lassen es sich nicht nehmen, zum Berliner Gendarmenmarkt zu kommen.

Draußen ist es am Dienstagabend kühl und ungemütlich, drinnen im Gewölbe des Französischen Doms geht es heiter zu. Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart begrüßt die 300 Gäste aus Politik und Wirtschaft, Schalter und Walter der Berliner Republik. Eric Schweitzer, der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, ist gekommen. Genauso Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände. Auch Reinhold von Eben-Worlée ist da, Chef des Verbands der deutschen Familienunternehmen. Zudem viele Bundestagsabgeordnete, Staatssekretäre und Wirtschaftsvertreter. Auch die internationale Politik ist vertreten: Chinas Botschafter Shi Mingde und sein irischer Kollege Michael Collins sind zu Gast.

Steingart muntert die Anwesenden auf, versucht das Stimmungstief der mühsamen Regierungsbildung zu vertreiben, das seit vier Monaten über dem Berliner Regierungsviertel zirkuliert: Ja, es gehe nichts voran, Deutschland habe auf Autopilot geschaltet, es werde sondiert und sondiert, nur kaum noch gestaltet. Gegenwart sticht Zukunft. Und doch: „Die Welt beneidet uns – auch um unsere Probleme.“

Damit ist der Ton gesetzt. Es kann gefeiert werden. Die Schweizer Kabarettistin Hazel Brugger witzelt und stichelt, sie wundert sich über so manche deutsche Debatte, nicht nur über die aktuellen politischen, sondern gerade auch über die grundsätzlichen. Die ewige Frage beispielsweise: Düsseldorf oder Köln? „Für mich ist beides Dritte Welt.“ Ihre Witze, verrät sie, schreibe sie mit Schweizer Akzent. Sie habe einen sehr, sehr dicken Stift aus Käse. An diesem Abend schließt Heiterkeit auch Selbstironie mit ein.

Die Dichterin Julia Engelmann schreibt nicht mit dicken Stiften, sondern mit feiner Feder. „Grüner wird es nicht“, heißt der Reim, den sie zum Besten gibt. Wer will ihr da widersprechen? Langsam nimmt die Große Koalition Formen an. Schwarz und Rot sind die Farben der Republik. Gerade unter den Vertretern der deutschen Wirtschaft gibt es viele, die das bedauern: Stabilität ist gut, aber Aufbruch wäre besser. Es hätte also ruhig noch ein bisschen grüner werden können.

Gerade, wenn das Grün mit großflächigen gelben Einfärbungen daher gekommen wäre. Aber nichts währt ewig, wie man weiß, schon gar nicht in der Politik. Vielleicht werden sich Lindner und Trittin bald wieder öfter treffen. Jamaika bleibt als Machtoption bestehen.

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