Hartz-IV Armutsexperte lehnt Einsatz von Hartz-IV-Empfängern in Altenheimen ab

Der Sozial- und Armutsexperte Ulrich Schneider hält nichts davon, Langzeitarbeitslose in Altenheimen als Hilfspfleger einzusetzen.

„Wir haben in Heimen in Nordrhein-Westfalen ein Zugangsalter von 86 Jahren, die Aufenthaltsdauer liegt bei sechs Monaten. Im Klartext: Die Menschen kommen und sterben sehr bald. Da kann man nicht irgendwelche Arbeitslose reinschicken und sagen: Jetzt lies mal was vor. Wir brauchen dort Menschen, die gut eingearbeitet sind“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandesim Gespräch mit der WirtschaftsWoche. In Deutschland gebe es bereits 250.000 Ein-Euro-Jobs, einen Großteil davon in den Einrichtungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. „Wir haben keine Kapazitäten mehr, das weiter auszubauen.“

Es sei zudem teuer, genügend öffentliche Beschäftigung zu schaffen. „Wir können niemanden in den Park schicken, der keine Arbeitsgeräte hat.“ Stattdessen befürwortet Schneider Mini-Jobs für Hartz-IV-Empfänger: „Wir unterstützen alle Initiativen, damit die Menschen wieder in die Vollerwerbstätigkeit kommen.“

Die Einführung eines Mindestlohnes spiele für die Bekämpfung von Armut keine Rolle. Mindestlöhne hätten „armutspolitisch keine große Bedeutung“, sagte Schneider der WirtschaftsWoche. „Ein Mindestlohn kann nie so hoch sein, das man davon eine vierköpfige Familie ernähren kann.“ Die Wohlfahrtsverband spreche sich nur deshalb für branchenbezogene Mindestlöhne aus, „weil einige Arbeitgeber anfangen, Hartz IV zu missbrauchen.“

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%