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Heidenau Rechtsextreme attackieren Flüchtlingsheim bei Dresden

Erneut macht Sachsen mit ausländerfeindlicher Randale von Rechtsextremen Schlagzeilen. Sie blockieren und attackieren einen ausrangierten Baumarkt nahe Dresden. Er soll Flüchtlingen ein notdürftiges Obdach bieten.

Die Polizei musste den ehemaligen Praktiker Baumarkt in Heidenau vor Übergriffen von Gegner der Asylunterkunft sichern. Quelle: dpa

Anhänger der rechtsextremen NPD sind in der Nacht zum Samstag in Heidenau bei Dresden gewalttätig gegen Flüchtlinge vorgegangen. Noch vor Ankunft eines ersten Busses mit Asylbewerbern, die in einem ausrangierten Baumarkt unterkommen sollen, flogen Böller, Steine und Flaschen auf die Straße.

Die Polizei setzte Tränengas und Pfefferspray gegen die teils betrunkenen Demonstranten ein. 31 Polizisten wurden offenbar verletzt. Einer von ihnen habe bei dem Einsatz am Freitagabend schwere Verletzungen erlitten, teilt die Polizeidirektion in Dresden am Samstag mit. Es seien insgesamt 136 Beamte im Einsatz gewesen. Festgenommen wurde niemand.

Gegen 00.40 Uhr traf der erste Bus mit Flüchtlingen ein. Nur unter Polizeischutz konnten die Insassen ihre Notunterkunft beziehen. Bis zum Morgen kamen zwei weitere Busse an. „Nach Ausschreitungen in der Nacht ist die Lage jetzt ruhig“, sagte ein Polizeisprecher am Samstagmorgen. „Wie viele Verletzte und Festnahmen es gab, steht noch nicht fest“, erklärte der Sprecher.

In dem früheren Baumarkt sollen auf knapp 6000 Quadratmetern bis zu 600 Flüchtlinge untergebracht werden. Für die erste Nacht waren 250 avisiert worden. Am Samstagvormittag befanden sich nach Aussagen des Deutschen Roten Kreuzes 93 Menschen in der Unterkunft. Weitere werden am Wochenende erwartet.

Länder mit der höchsten Zahl der Asylbewerber (2014)

Bereits am frühen Abend hatte sich ein Protestzug von rund 1000 Menschen in Heidenau formiert, den ein NPD-Mann angemeldet haben soll. Die ausländerfeindliche Haltung der NPD trifft offenbar auf viel Rückhalt in der Bevölkerung. So trugen zwei Frauen ein Transparent „Auf „tragische Einzelfälle“ und „kulturelle Bereicherung“ durch „Fachkräfte“ können wir hier verzichten!! Nein zum Heim - Sächsische Schweiz und Osterzgebirge - Asylflut stoppen“.

Zunächst ging es friedlich zu. Doch dann blockierten Demonstranten auf der Bundesstraße 172 die Zufahrt zum Baumarkt, um die Ankunft der Busse zu verhindern. Dazu benutzten sie Absperrungen, die von Bauarbeiten an der Straße stammten. Auch nachdem die Polizei die Blockade und die Attacken unterbunden hatte, versuchten einzelne Demonstranten immer wieder, kleinere Bäume und Gestrüpp auf die Fahrbahn zu schmeißen. Die Polizei ging dazwischen und zwang die Blockierer, die Hindernisse selbst wieder aus dem Weg zu räumen.

Am Samstagvormittag war es vor der Einrichtung ruhig. Für den Abend hat das Bündnis „Dresden Nazifrei“ zu einer Aktion aufgerufen. Die Polizei geht nach eigenen Angaben am Abend von neuen „Ansammlungen“ vor dem Heim aus.

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