Helmut Schmidt ist tot Altkanzler im Alter von 96 Jahren gestorben

Helmut Schmidt ist am Nachmittag im Alter von 96 Jahren gestorben. Von 1974 und bis 1982 war der SPD-Politiker deutscher Bundeskanzler.

Helmut Schmidt ist tot. Quelle: dpa

Helmut Schmidt ist tot. Der 96-Jährige starb am Dienstagnachmittag in Hamburg, wie sein behandelnder Arzt Heiner Greten der Deutschen Presse-Agentur sagte. Schmidts Hamburger Büro bestätigte die Information.

Der Altkanzler war Anfang September in Hamburg wegen eines Blutgerinnsels am Bein operiert worden. Nach gut zwei Wochen verließ er das Krankenhaus und kehrte in sein Haus in Hamburg-Langenhorn zurück, wo er rund um die Uhr betreut wird. „Die Entlassung erfolgte auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten“, hatte die Hamburger Asklepios-Klinik St. Georg damals erklärt.

Helmut Schmidts Leben in Bildern
Helmut Schmidt ist am 10. November 2015 in Hamburg gestorben. Der Altkanzler wurde 96 Jahre alt. Von 1974 bis 1982 war er der fünfte Regierungschef der Bundesrepublik. Quelle: dpa
Wehrmachtsoffizier Schmidt (1940): Der Hamburger musste im Zweiten Weltkrieg als Soldat an die West- und Ostfront und arbeitete zwischenzeitlich im Reichsluftfahrtministerium. 1945 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft. Nach Gründung der Bundeswehr wurde Schmidt 1958 zum Hauptmann der Reserve befördert. Quelle: AP
Hamburger Sturmflut (1962). Sein beherztes Agieren als Polizeisenator während der Flutkatastrophe begründete Helmut Schmidts Ruf als Krisenmanager mit stählernen Nerven. Schmidt koordinierte den Rettungseinsatz und holte - formal ohne rechtliche Grundlage - Hilfe bei Bundeswehr und NATO. Später soll er gesagt haben: "Ich habe das Grundgesetz nicht angeguckt in diesen Tagen". Quelle: dpa
Vereidigung zum Kanzler (1976): Schmidt machte eine steile politische Karriere. Er war zuerst Verteidigungsminister, danach Finanzminister. Nach dem Rücktritt von Willy Brandt 1974 wählte ihn der Bundestag zum Bundeskanzler. Zwei Jahre später gewann er die Wahl gegen Helmut Kohl. Quelle: dpa
Deutsch-französische Freundschaft: Mit dem französischen Präsidenten Giscard d´Estaing trieb Helmut Schmidt die europäische Einigung voran. Die beiden Staatslenker waren maßgeblich am Aufbau des Europäischen Währungssystems (EWS) und der Einführung der EU-Kunstwährung ECU beteiligt, einem Vorläufer des Euro. Quelle: AP
Deutscher Herbst: Schmidt auf der Trauerfeier für den von RAF-Terroristen ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Schleyer (1977). Der RAF-Terror war eine der größten politischen Herausforderungen während Schmidts Kanzlerschaft. Quelle: dpa
Staatschefs unter sich: Schmidt mit Frankreichs Präsident Giscard D´Estaing, Italiens Ministerpräsident Cossiga, US-Präsident Carter und der britischen Premierministerin Thatcher in Venedig (1980). Quelle: dpa
Ist das der Sonderzug nach Pankow? Schmidt verabschiedet sich von Erich Honecker nach einem deutsch-deutschen Gipfel in der DDR (1981). Quelle: AP
Bundeskanzler a.D.: Helmut Schmidt beglückwünscht am 1.Oktober 1982 seinen Nachfolger Helmut Kohl zu dessen Wahl im Deutschen Bundestag. Zuvor war die Koalition zwischen SPD und FDP zerbrochen und Schmidt durch ein konstruktives Misstrauensvotum gestürzt worden. Quelle: dpa
Die Frau an seiner Seite: Helmut und Hannelore, genannt Loki, waren über 60 Jahre verheiratet. Loki Schmidt starb im Oktober 2010 in Hamburg. Quelle: dpa
Immer noch gefragt: Schmidt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der 60-Jahr-Feier der Atlantik-Brücke in Berlin (2012). Schmidt war zeitlebens ein überzeugter Transatlantiker und Freund der Amerikaner. Quelle: dpa
Da bin ich! Helmut Schmidt bei einem Empfang des Bundespräsidenten in Berlin zu Ehren seines 95. Geburtstages (2013). Quelle: dpa

Nach Schmidts Entlassung aus der Klinik hatte sein Kardiologe Prof. Karl-Heinz Kuck die Hoffnung geäußert, dass der 96-Jährige zu Hause wieder zu Kräften kommt. In den vergangenen tagen hatte sich sein Zustand aber deutlich verschlechtert.

Der SPD-Politiker Schmidt war von 1974 und bis 1982 als Nachfolger von Willy Brandt Bundeskanzler.

"Zäsur für Deutschland"

In der Großen Koalition war er zuvor von 1967 bis 1969 Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und danach Verteidigungs- und Finanzminister. Den Hamburgern ist Schmidt auch als tatkräftiger Innensenator während der Sturmflut von 1962 im Gedächtnis. Der Sohn eines Volksschullehrers kam am 23. Dezember 1918 im Hamburger Arbeiterviertel Barmbek zur Welt.

"Eine Zäsur für Deutschland"
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Er war auch für mich eine Instanz, dessen Rat und Urteil mir etwas bedeuteten. (...) Ich stehe hier in tiefem Respekt vor den Leistungen Helmut Schmidts.“ Quelle: REUTERS
Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD): "Wir trauern um Helmut Schmidt und sind stolz darauf, dass er einer von uns war. Seine Urteilskraft und sein Rat werden uns fehlen." Quelle: dpa
Bundespräsident Joachim Gauck:"Wir trauern um einen der bedeutendsten deutschen Politiker der Nachkriegszeit. In seinen öffentlichen Ämtern, ganz besonders als Bundeskanzler, hat Helmut Schmidt Großes geleistet. Sein entschlossenes Handeln in schwierigsten Situationen, seine Fähigkeit, das Machbare zu erkennen und zu gestalten, aber auch seine Kompromissfähigkeit, sein Eintreten für die Verteidigungsbereitschaft der freien Staaten Europas in Zeiten der Bedrohung - das alles steht mir und vielen Menschen in unserem Land in diesen Stunden der Trauer vor Augen." Quelle: dpa
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD): "Deutschland hält inne. ... Wir Deutschen haben eine Vaterfigur verloren. Helmut Schmidt hat uns und unser Land tief geprägt. Generationen - auch ich - haben seine Klugheit und Autorität gesucht und geschätzt - bis an sein Lebensende in einem gesegneten Alter. Helmut Schmidt war nicht nur Kanzler der Deutschen - er war Mentor der Deutschen." Quelle: dpa
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): "Deutschland hat einen Großen verloren. Als Bürgermeister von Hamburg, als Finanzminister und als Bundeskanzler, Helmut Schmidt wusste, worauf es ankam. Er hat Politik kraftvoll gestaltet - gerade in Krisenzeiten." Quelle: dpa
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker: "Er war ein Freund, der mir, ebenso wie Europa, fehlen wird. Denn mit ihm verlieren wir einen besonderen Menschen, dessen politischer Mut viele bewegt hat. Quelle: dpa
SPD-Fraktionchef Thomas Oppermann: "Ich verneige mich vor der Lebensleistung von HelmutSchmidt. Er war überzeugter Sozialdemokrat und großer Europäer. Er wird uns fehlen." Quelle: dpa
Altkanzler Gerhard Schröder (SPD): „Wie nur wenige in der deutschen Nachkriegsgeschichte hat er es verstanden, durch beherztes staatliches Handeln existenzielle Krisen zu meistern und zugleich den Menschen Orientierung in Zeiten der Unsicherheit zu geben.“ Quelle: dpa
EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD): "Er war ein herausragender Kanzler, sein Tod markiert eine Zäsur für Deutschland und Europa. Schmidts intellektuelle Brillanz, analytische Schärfe, Geradlinigkeit und Prinzipientreue bleiben unvergleichlich." Quelle: dpa
CDU-Generalsekretär Peter Tauber: "Ich danke Helmut Schmidt für seinen Dienst an unserem Land - persönlich und im Namen der CDU." Quelle: AP
Grünen-Co-Chef Cem Özdemir: "Wir trauern um Helmut Schmidt. Seinen Scharfsinn, seine Freude an politischer Auseinandersetzung & seinen Pragmatismus werden wir vermissen." Quelle: dpa
FDP-Vorsitzende Christian Lindner: „Helmut Schmidt war die Verkörperung pragmatischer Staatskunst und klarer Verantwortungsethik. „Leitender Angestellter der Republik“ - diese nüchterne Tätigkeitsbeschreibung von Helmut Schmidt zeigt, was er verkörperte und was dem Land fehlt: Managementqualität, Gestaltungs- und Führungswille. Schmidt wurde durch Krisen groß, die er klein machte. Heute wird Politik oft klein, weil sie Krisen groß macht.“ Quelle: dpa

In der Sitzung des SPD-Bundestagsfraktion in Berlin reagierten die Abgeordneten nach Angaben von Teilnehmern betroffen und erhoben sich zu einer Gedenkminute. Als einer der ersten äußerte sich der Präsident des Europaparlaments und SPD-Politiker, Martin Schulz. Schmidts Tod markiere "eine Zäsur für Deutschland und Europa", erklärte Schulz.

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