Hochschulpolitik Bund und Länder einigen sich auf Uni-Großprojekte

Gerade einen Monat ist es her, dass Bund und Länder weißen Rauch für ein milliardenschweres Forschungsprogramm aufsteigen ließen. Nun bringen die Minister weitere Zukunftsinitiativen auf den Weg.

Quelle: dpa

Mehr Geld für kleine Hochschulen und die bislang holprigen Karrierewege jüngerer Wissenschaftler: Bund und Länder haben sich nach ihrer neuen Exzellenzinitiative für Spitzenforschung auf zwei weitere, allerdings deutlich weniger teure Großprojekte verständigt. Auch in diesem Fall müssen die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Mitte Juni noch zustimmen - dies gilt aber als Formsache.

Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) sprach nach der Sitzung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) von einer „Gesamtstrategie zur Stärkung der deutschen Hochschulen“.

So soll es von 2017 bis 2032 ein mit insgesamt rund einer Milliarde Euro ausgestattetes Förderprojekt für den wissenschaftlichen Nachwuchs geben. Es stelle sicher, dass bundesweit 1000 sogenannte Tenure-Track-Professuren entstehen, die nach Auslaufen des Programms in 15 Jahren von den Ländern dauerhaft weiterfinanziert würden, sagte Wanka am Freitag in Berlin.

In dem in den USA schon länger üblichen Tenure-Track-Verfahren qualifizieren sich Promovierte für eine Lebenszeit-Professur. Erreichen sie die mit der Uni vereinbarten Ziele in Forschung und Lehre, wird ihre Stelle nach etwa sechs Jahren entfristet. Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisierte: „1000 neue Stellen sind gut - aber sie decken den Bedarf an den Hochschulen nicht. Wir brauchen 5000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren.“

Das Programm strahle nicht nur auf die Professoren-Ebene aus, sondern auch auf den wissenschaftlichen Mittelbau, insofern werde hier „ein Kulturwandel realisiert“, sagten hingegen Wanka und ihre Kollegin, die stellvertretende GWK-Vorsitzende Eva Quante-Brandt (SPD). „Tenure-Track“ könne „zu einer deutlichen Verjüngung der Professorenschaft führen“, fügte die Bremer Senatorin hinzu.

Die besten Unis der Welt 2016

Neben der Exzellenzförderung für forschungsstarke Unis sollen in einer zweiten Initiative zwischen 2018 und 2027 kleine und mittelgroße Universitäten sowie Fachhochschulen mit 550 Millionen Euro bezuschusst werden. Die Bedingung: Ihre Arbeit muss für Wirtschaft oder Gesellschaft besonders relevant sein, entscheidend sind Kooperationen und Transfer. Das Programm „Innovative Hochschule“ hatte Wanka im Gezerre um die Exzellenzinitiative ins Spiel gebracht - um auch einen bisher oft im Schatten stehenden Wissenschaftssektor langfristig zu fördern. Der Bund übernimmt 90 Prozent der Kosten, den Rest gibt das Land, in dem die jeweilige Hochschule ihren Sitz hat.

„Die zwei Millionen Euro pro Jahr, die eine Hochschule erhalten kann, sind wohl als kleines Trostpflaster für diejenigen gedacht, die bei der Exzellenzinitiative zu kurz kommen oder ohnehin chancenlos sind“, sagte der Grünen-Forschungspolitiker Kai Gehring. „Allerdings wird nur ein Bruchteil der rund 230 staatlichen Hochschulen am Ende zum Zuge kommen. Denn es stehen nur 550 Millionen Euro verteilt auf zehn Jahre zur Verfügung - etwa genauso viel, wie die Exzellenzinitiative jährlich kostet.“

Linke-Fachfrau Nicole Gohlke sagte: „Grundsätzlich treibt die Bundesregierung das Auseinanderdriften in Klasse und Masse im Hochschulbereich voran.“ Eine Förderung von Wissenstransfer an kleineren (Fach-)Hochschulen korrigiere „in keiner Weise die systematische Unterfinanzierung der Mehrzahl der Hochschulen“.

Vor vier Wochen hatten sich Wanka und ihre Länder-Kollegen in der GWK geeinigt, Spitzenforschung in Deutschland mit gut einer halben Milliarde Euro dauerhaft zu stärken - pro Jahr. Das Nachfolgeprojekt der Exzellenzinitiative, für die seit 2006 schon rund 4,6 Milliarden Euro ausgegeben wurden, soll nun am 16. Juni von den Regierungschefs der Länder und Bundeskanzlerin Merkel abgesegnet werden.

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