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Hochwasserkatastrophe Schweres Unwetter in Bayern und Sachsen – Merkel besucht Hochwasseropfer in Eifel

Am Samstagabend wurden auch Teile Bayerns, die Sächsische Schweiz und Österreich überflutet. Bundeskanzlerin Merkel will sich am Sonntag ein Bild von der Situation machen.

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Der bayerische Landkreis Berchtesgadener Land hat nach starkem Regen wegen Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen. Quelle: dpa

Erst traf es den Westen Deutschlands, dann den Süden und Osten: Überflutete Straßen, Erdrutsche, evakuierte Häuser und möglicherweise zwei Todesopfer – nach starkem Regen hat der Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern am späten Samstagabend den Katastrophenfall ausgerufen.

Zwei Menschen starben in dem Hochwassergebiet. Es sei aber noch unklar, ob deren Tod in Zusammenhang mit dem Hochwasser stehe, sagte die Sprecherin des Landratsamt Berchtesgadener Land, Alexandra Rothenbuchner. Auch in der Sächsischen Schweiz gingen gewaltige Regenmassen nieder.

Die Feuerwehr war Samstagabend in dem Landkreis in Bayern nach sintflutartigem Regen im Dauereinsatz. Die Lage sei dramatisch, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Traunstein. Das Wasser schieße aus den Bergen, gleichzeitig stiegen die Pegelstände des Flusses Ache an.

Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns. Dort trat das Wasser stellenweise über die Ufer und überflutete Straßen. Hänge rutschten ab. Einzelne Häuser mussten deshalb geräumt werden, sagte Rothenbuchner. „Es kommen ständig Notrufe rein“, sagte ein Polizeisprecher in Rosenheim.

Auch das österreichische Hallein bei Salzburg wurde nach sintflutartigen Regenfällen überflutet. Ein Bach war am Abend nach Polizeiangaben zu einem reißenden Strom angeschwollen. Einsatzkräfte bargen mit Booten und Lastwagen Menschen, die in ihren Häusern eingeschlossen waren.

Nach Angaben der Feuerwehr lagen am späten Abend keine Meldungen über Vermisste, Verletzte oder gar Tote vor. Das Wasser floss laut Behörden am späten Abend teilweise wieder ab.

Schneise der Verwüstung

In den Tagen zuvor hatten Unwetter vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Mehr als 140 Menschen starben durch die Fluten. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Sonntag die betroffenen Gebiete in der Eifel besuchen.

Merkel werde sich in der Gemeinde Schuld, die besonders schwer von der Unwetterkatastrophe getroffen wurde, ein Bild von der Lage machen, teilte die Staatskanzlei in Mainz mit. Im Anschluss (14.30 Uhr) ist ein Pressestatement in Adenau geplant – gemeinsam mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und weiteren rheinland-pfälzischen Ministern.

Nachdem sich das verheerende Wasser aus vielen Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz allmählich zurückgezogen hat, wird in den Trümmern weiterhin nach Todesopfern und Verletzten gesucht. Immense Regenfälle verursachten am Samstag auch in Teilen Sachsens heftige Überschwemmungen. In der Sächsischen Schweiz waren mehrere Ortslagen von Städten und Gemeinden nicht mehr erreichbar.

Besonders betroffen seien Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf-Schöna und Gohrisch, informierte das Landratsamt am Abend. Die Bahnstrecke zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Decin wurde gesperrt. „Die Situation ist angespannt, aber beherrschbar“, erklärte das Lagezentrum des Innenministeriums in Dresden auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz stellte unterdessen Soforthilfen in dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht. „Es braucht einen nationalen Kraftakt“, sagte der SPD-Politiker der „Bild am Sonntag“.

Am Mittwoch im Kabinett wolle er zwei Dinge auf den Tisch legen. „Erstens eine Soforthilfe, bei der letzten Flut waren dafür deutlich mehr als 300 Millionen Euro nötig. Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht“, erläuterte Scholz. „Zweitens müssen wir die Grundlage für ein Aufbauprogramm schaffen, damit die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken zügig repariert werden. Wie wir von der vorherigen Katastrophe wissen, geht es um Milliarden Euro.“

Verbesserung der Vorhersage und Vorsorge

Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe fordert Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, die Vorsorge für solche Wetterextreme mithilfe der Forschung zu verbessern.

„Auch als Lehre aus der Unwetter-Katastrophe im Westen Deutschlands muss die Forschung zu solchen Extremwetter-Ereignissen in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden“, sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Ziel muss eine Verbesserung der Vorhersage und Vorsorge sein.“

Der Schwerpunkt der Katastrophe in Rheinland-Pfalz liegt im Kreis Ahrweiler. Allein dort kamen nach Angaben der Polizei Koblenz 98 Menschen ums Leben. Es wird befürchtet, dass noch weitere Todesopfer hinzukommen.

„Wenn Sie die Bilder sehen, wie es da aussieht, kann man nicht ausschließen, dass noch weitere Leichen gefunden werden“, hatte ein Sprecher gesagt. Zudem waren der Polizei bis Samstagnachmittag 670 verletzte Personen im Kreis Ahrweiler bekannt. Weiterhin wurden Menschen vermisst. Über die genaue Zahl konnte der Sprecher keine Angaben machen.

In Nordrhein-Westfalen lag die Zahl der bestätigten Todesopfer am Samstagabend bei 45, darunter waren vier Feuerwehrleute. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der am Samstag mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Katastrophengebiet in Erftstadt besucht hatte, versprach Direkthilfe für die betroffenen Menschen und sagte zu, dass „sehr unbürokratisch Geld ausgezahlt“ werde.

Steinmeier hatte zu Solidarität und Spenden für die Opfer aufgerufen. „Die Unterstützungsbereitschaft, sie muss anhalten, im Großen wie im Kleinen“, sagte er. Für Montag hat sich Bundesinnenminister Horst Seehofer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz angekündigt.

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