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Hohe Risiken für Steuerzahler KfW wird zur Krake in der Krise

In der Finanzkrise galt sie als "Deutschlands dümmste Bank". Nun schwingt sich das politisch gelenkte Staatsunternehmen zu einer neuen Super-Bank auf. Dies allerdings ist eine Strategie mit Nebenwirkungen – und könnte am Ende für die Steuerzahler teuer werden.

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KfW-Logo Quelle: dapd

In der Frankfurter Palmengartenstraße 5–9 residieren die Guten. Hier gibt es keine Zocker, hier setzt man sich ein für Umwelt und Mittelstand, für Arme und Alte. Wenn die Mitarbeiter der staatlichen Förderbank KfW aus ihren optimal gedämmten Büros im Frankfurter Westend auf die Hochhäuser von Commerzbank, UBS und Deutscher Bank blicken, wissen sie, dass sie auf der richtigen Seite sind. Denn dort drüben sind die "Türme des Bösen", wie die Konkurrenz hausintern heißt.

Die KfW-Angestellten fühlen sich mit Recht als Gewinner. Andere Geldhäuser, die lange, in Prunk und Protz schwelgend, auf hohe Profite schielten, taumeln von Krise zu Krise. Das biedere Förderinstitut KfW hingegen boomt wie nie. Mit Staatsgarantien gepäppelt, sammelt die KfW spottbillig Geld ein, das sie zu günstigen Zinsen an Studenten, Unternehmensgründer, Kommunen, Hausbesitzer und Mittelständler weitergibt. Auch in der Entwicklungshilfe mischen die Frankfurter mit.

KfW will größter nicht staatlicher Emittent werden

Die Förderbank, die auf dem Papier nur dort aktiv werden soll und darf, wo andere Banken nicht können oder wollen, ist mit 5000 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von mehr als 500 Milliarden Euro mittlerweile das drittgrößte deutsche Kreditinstitut. In diesem Jahr will sie 80 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen und zum weltgrößten nicht staatlichen Emittenten avancieren. 70 Milliarden davon gibt sie als Kredit weiter, das übrige Geld legt sie zurück.

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    Die Geschichte der KfW

    Ihre Bedeutung wächst immer weiter. KfW-Chef Ulrich Schröder rechnet damit, dass die Staatsbank bald zur Nummer zwei in Deutschland wird. Beim Gewinn ist sie das schon. Sie verdiente 2011 rund zwei Milliarden Euro – das übertraf nur die Deutsche Bank. Dieser Erfolg ist Schröder selbst nicht ganz geheuer. "In einer Marktwirtschaft dürfen staatliche Spieler keine dominante Rolle einnehmen. Aber solange andere Banken schrumpfen, werden wir leider weiter wachsen."

    Banken leiten Kredite der KfW weiter

    Dabei stößt die KfW immer tiefer in Gelände vor, das bisher reguläre Banken beackerten. Bei der Kreditvergabe für Flugzeuge, Schiffe und Eisenbahnen verdrängt sie andere Institute, die das Geschäft zurückfahren oder aufgeben. Selbst bei Darlehen an zahlungskräftige Unternehmen ist die KfW mit ihren Minizinsen immer öfter mit an Bord. Die anderen Banken leiten die Kredite der Förderbank an ihre Kunden weiter, anstatt sie selbst zu übernehmen. Die KfW dominiert so den Markt für energiesparende Hausrenovierungen und den Bau alternativer Energiequellen von der Biomasse bis zu Windrädern.

    Die Bilanzsumme der KfW

    Das gefällt nicht jedem. Je mehr Aufgaben die Förderbank übernimmt, desto argwöhnischer blicken die Wettbewerbshüter in Brüssel auf das sendungsbewusste Treiben im Frankfurter Westend. Die EU-Kommission hält Förderbanken zwar nicht für grundsätzlich gefährlich. Doch begrenzte sie bereits 2002 das Geschäft der KfW. Damals musste sie die Projekt- und Exportfinanzierung, bei der sie mit privaten Wettbewerbern konkurriert, in die Ipex-Bank ausgliedern. Dass sie deutlich härter eingreifen können, bewiesen die Wettbewerbswächter bei den Landesbanken. Sie entzogen ihnen die Garantie der öffentlichen Hand für Kundeneinlagen und Kredite und damit die Existenzgrundlage.

    KfW könnte zum Druckmittel werden

    Hier werden deutsche Steuergelder verschwendet
    Risikoreich gezockt und verloren Quelle: BdSt
    Teurer Alleingang Quelle: BdSt
    Die selbstspülende Toilette Quelle: BdSt
    Bruchlandung in Berlin Quelle: dpa
    Land unter in der Erlebniswelt Quelle: BdSt
    Instandsetzung läuft aus dem Ruder Quelle: dapd
    Das nutzlose Parkdeck Quelle: BdSt

    "Brüssel wird sich schon bald wieder für die KfW interessieren", prognostiziert ein auf den öffentlichen Banksektor spezialisierter Anwalt aus Berlin. Ein hochrangiger Frankfurter Banker vermutet sogar, dass die Zustimmung Deutschlands zu weiteren europäischen Rettungspaketen auch dadurch erzwungen werden könnte, dass Brüssel mit einem Wettbewerbsverfahren gegen die KfW droht. Deren Chef Schröder nimmt das durchaus ernst: "Wir dürfen uns nicht angreifbar machen und müssen jederzeit nachweisen können, dass wir uns wettbewerbsgerecht und nicht in Konkurrenz zu anderen Banken verhalten." Nur weil Großbritannien und Frankreich Investitionsbanken nach deutschem Vorbild aufbauen wollen und auch Griechenland und Spanien damit liebäugeln, das Modell zu importieren, wird Brüssel die Bank nicht dauerhaft in Ruhe lassen.

    Denn die KfW hat gegenüber privaten Banken einen entscheidenden Vorteil: Da die Bundesrepublik für ihre Verbindlichkeiten garantiert, gilt sie als sicherste Bank der Welt. Kein anderes Geldhaus kann sich deshalb so günstig Kapital besorgen wie sie. Zinsen auf Anleihen der KfW sind fast so niedrig wie bei Bundesanleihen. Für die kommerziellen Banken hingegen ist es deutlich teurer, sich am Markt Geld zu borgen, und der Abstand ist in der Krise noch deutlich größer geworden. Lag er einst bei 0,15 Prozent, sind es aktuell 1,5 Prozent.

    Schröder will das Geld vor Volksbeglückungsmaßnahmen retten

    Natürlich ist das eine Momentaufnahme. Sollte sich die Schuldenkrise in Europa entspannen, dürften auch die Gewinne der KfW schmelzen. Sollte die Krise eskalieren und Deutschland seinen Status als sicherer Hafen verlieren, würde das auch die Staatsbank mit nach unten ziehen. Das jedoch hält die Politiker nicht davon ab, ihr immer neue Aufgaben aufzuhalsen. Der Druck ist derart gewachsen, dass Schröder schon überlegen muss, wie er seine Gewinne vor der sofortigen Verwendung für neue Volksbeglückungsmaßnahmen schützen kann.

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      Die KfW, dein Freund und Helfer

      Seine Bank muss immer häufiger den Ausputzer für die Politik spielen. Mit den strengeren Eigenkapitalvorschriften wird die Kreditvergabe für andere Banken immer unattraktiver. "Das Geschäftsmodell der Sparkassen und Volksbanken ist mit der neuen Regulierung tot", sagt ein früherer Top-Manager einer Förderbank. "Die KfW wird die einzige Bank sein, die mittelständische Unternehmen langfristig finanzieren kann."

      KfW-Reflex besteht fort

      Als Nothelfer sprang die KfW zuletzt in der Krise 2009 ein. Nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers fürchteten deutsche Unternehmen, dass sie kaum noch an frisches Geld kommen würden. Um das zu verhindern, beauftragte die Bundesregierung die KfW mit einem Sonderprogramm. Der "Wirtschaftsfonds Deutschland" sollte bedürftigen Firmen mit Krediten und Bürgschaften beistehen.

      Das Programm ist Ende 2010 ausgelaufen. Doch der Reflex, in Krisensituationen die KfW anzurufen, besteht fort. Als die Commerzbank vor einigen Wochen ankündigte, keine Schiffe mehr zu finanzieren, forderten norddeutsche Politiker umgehend, die Staatsbank müsse in die Bresche springen. Selbst bei der Insolvenz der Drogeriekette Schlecker forderte der baden-württembergische Finanzminister Nils Schmid, die KfW möge bitte mit 70 Millionen Euro eine Transfergesellschaft für die Beschäftigten finanzieren.

      Politiker und drei Bankvertreter

      Die größten europäischen Banken
      Banco Santander Quelle: REUTERS
      UBS Quelle: REUTERS
      Lloyds Banking Quelle: dapd
      ING Quelle: dapd
      Société Générale Quelle: dpa
      Royal Bank of Scotland Quelle: dapd
      Crédit Agricole Quelle: dpa

      Dass Volksvertreter die KfW vor ihren Karren spannen, ist systembedingt. Der 36-köpfige Verwaltungsrat der Staatsbank ist ein Tummelplatz für Politiker (siehe Organigramm Seite 24). An der Spitze steht Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), sein Stellvertreter ist sein Finanzkollege Wolfgang Schäuble (CDU). Selbst Gewerkschaftsbosse wie Frank Bsirske von Verdi und Michael Sommer vom DGB mischen mit. Die Chefs der drei Bankenverbände wirken in dem Gremium wegen ihres Fachverstands fast wie Fremdkörper.

      Schon seit Jahren steigt der Bund über die KfW bei Unternehmen ein und aus. So hat die Regierung ihre Anteile an Staatsbetrieben, die sie schnell privatisieren wollte, an die KfW übertragen, die diese schrittweise an die Börse bringt. Zuletzt verkaufte sie fünf Prozent der Aktien der Deutschen Post – was dem Bund 924 Millionen Euro einbrachte. Doch noch immer besitzt die Staatsbank rund ein Viertel des Logistikkonzerns und 17 Prozent an der Telekom.

      Daimler-Anteile kosten Steuerzahler eine Milliarde

      Dafür greift die Regierung via KfW bei anderen Unternehmen aus industriepolitischen Gründen zu. Aktuell will Berlin den Einfluss beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sichern, der wiederum den britischen Konkurrenten BAE übernehmen will. Die KfW soll den 7,5-Prozent-Anteil, den derzeit noch der Autohersteller Daimler hält, übernehmen – was den Steuerzahler rund eine Milliarde Euro kosten würde.

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        Wer bei der KfW die Fäden zieht

        Dafür erhielte er zumindest eine Beteiligung an einem soliden Industriekonzern. Andere Vorhaben sind deutlich unsicherer. Auch in Griechenland steht die KfW im Feuer. Beim 2010 beschlossenen ersten Rettungspaket war Deutschland mit über 15 Milliarden Euro dabei – das Geld kommt von der KfW. Bisher ein gutes Geschäft für die Staatsbank: Sie kassierte 350 Millionen Euro Zinsen von Griechenland. Bei einer Insolvenz des Schuldenstaates wäre das Geld jedoch verloren.

        Die Regierung hat einen Schattenhaushalt geschaffen

        Zwar setzte KfW-Chef Schröder durch, dass der Bund dafür voll einsteht. "Wenn bei Aufgaben, mit denen uns der Bund beauftragt oder die er uns im öffentlichen Interesse zuweist, Risiken nicht überschaubar und kalkulierbar sind, erhalten wir vom Bund eine Garantie", sagt er. Durch den Umweg über die KfW hat die Regierung einen Schattenhaushalt geschaffen.

        Windig ist auch die mit Abstand größte Aufgabe, mit der Politiker die KfW betraut haben. Sie soll die Energiewende, das Herzensanliegen der Kanzlerin, mit insgesamt 100 Milliarden Euro finanzieren. Bei 80 Prozent der in Deutschland aufgestellten Windräder ist die KfW dabei.

        Fünf Milliarden für Windparks

        Was von den einst stolzen Banken übrig blieb
        Die Landesbank Berlin ist mit einer Bilanzsumme von 131,2 Milliarden Euro zum Jahresende 2011 die kleinste Landesbank in Deutschland. Ihre Risikovorsorge verringerte sie im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf 83 Millionen Euro. Bei dieser Übersicht nicht berücksichtigt ist die HSH Nordbank, denn sie ist durch die Beteiligung des privaten Finanzinvestors J.C. Flowers ein Sonderfall. Quelle: AP
        Die Landesbank Hessen-Thüringen ( Helaba) ist mit einer Bilanzsumme von 164 Milliarden Euro zwar nur die Nummer fünf. Sie ist aber gut durch die Krise gekommen, wie zuletzt der Gewinn von 397 Millionen Euro im vergangenen Jahr zeigte. Deshalb wird ihr bei der Neuordnung der Branche auch eine führende Rolle zugetraut. Ihre Risikovorsorge verringerte sich 2011 um vier Prozent auf 273 Millionen Euro. Quelle: dpa
        Die WestLB ist seit dem 1. Juli 2012 Geschichte. Die Landesbank, die einst sogar der Deutschen Bank Konkurrenz machte, war schon im vergangenen Jahr nur noch die Nummer vier in Deutschland, mit einer Bilanzsumme von 167,9 Milliarden Euro. Ihre Risikovorsorge verringerte sie um drei Fünftel auf 95 Millionen Euro. Quelle: dpa
        Die NordLB ist mit einer Bilanzsumme von 227,6 Milliarden Euro Deutschlands drittgrößte Landesbank. Ihr nach eigener Darstellung „sehr ordentliches Ergebnis“ im Jahr 2011 reichte beim Jahresüberschuss zum Meistertitel unter den Landesbanken - mit 536 Millionen Euro. Dabei profitierte sie von der um mehr als zwei Drittel auf 205 Millionen Euro verringerten Risikovorsorge. Quelle: dpa
        Die Bayerische Landesbank ( BayernLB) ist mit einer Bilanzsumme von 309,1 Milliarden Euro Deutschlands Nummer zwei. Sie reduzierte ihre Risikovorsorge 2011 um gut ein Fünftel auf 548 Millionen Euro. Quelle: dapd
        Die Landesbank Baden-Württemberg ( LBBW) bleibt mit einer Bilanzsumme von 373,1 Milliarden Euro die Nummer eins. Sie kam wie die WestLB, die HSH Nordbank und die BayernLB nur mit Staatshilfe durch die Finanzkrise. Ihre Risikovorsorge lag zum Jahresende 2011 bei 152 Millionen Euro, nicht einmal mehr ein Drittel des Vorjahreswertes. Quelle: dpa

        Andreas Ufer, Abteilungsleiter Energie und Umwelt bei der Ipex-Bank, ist Teil dieser Mission. Ufer und seine Leute prüfen, was technisch machbar ist, strukturieren die Finanzierung, sorgen dafür, dass die Projekte solide mit Geld ausgestattet sind, suchen weitere Banken oder auch Finanzinvestoren. Besonders komplex ist das bei den Großabenteuern auf hoher See. So sind Ipex und KfW große Mitfinanzierer der Offshore-Turbinenparks Meerwind und Global Tech. Insgesamt fünf Milliarden Euro Kredit soll die Förderbank für Windparks geben. Technisch sind die Projekte höchst unsicher, wegen der hohen Risiken hat die KfW durchgesetzt, dass bei einem Ausfall 95 Prozent der Bund übernimmt – und damit der Steuerzahler.

        Daran glaubt Ufer allerdings nicht: "Wenn erst einmal feststeht, dass die Windparks funktionieren, werden sich verstärkt Geschäftsbanken und andere institutionelle Investoren in die Finanzierung einbringen." Deren bisherige Zurückhaltung erklärt er auch damit, dass bei den Finanzierungen noch zwischen 30 und 40 Prozent Eigenkapital erforderlich sind.

        Lieblings Rechtfertigung: "Marktversagen"

        Ob die wachsende Macht der Staatsbank ordnungspolitisch sinnvoll ist oder ob marktwirtschaftliche Prinzipien schleichend außer Kraft gesetzt werden, interessiert kaum noch jemanden. Die KfW-Banker selber rechtfertigen ihr Wirken auf den Baustellen der Politik am liebsten mit "Marktversagen". Weil es nicht genügend Erfahrungswerte über einen Kreditnehmer oder dessen Geschäfte gibt, leihen normale Banken ihm kein Geld. Vom Lückenbüßer KfW profitierten 2011 mehr als 6600 Gründer, 100 000 Studenten und 43 000 Senioren, deren Wohnungen mit Förderkrediten barrierefrei umgebaut wurden.

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          Die zehn größten Euro-Lügen
          Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet Quelle: dpa
          Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
          Giorgios Papandreou Quelle: dpa
          Wolfgang Schäuble Quelle: dapd
          Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker Quelle: dapd
          Angela Merkel mit Draghi Quelle: dapd
          Mariano Rajoy Quelle: REUTERS

          Doch woher soll die KfW mehr über ein Unternehmen wissen als andere Banken? Wie kann sie erkennen, ob der Markt sich irrt oder zu Recht kneift? Und warum gibt sie auch mittelständischen Unternehmen mit höchster Bonität Kredite für nur ein Prozent Zinsen, die auch bei regulären Instituten – wenn auch etwas teurer – ihr Geld bekämen?

          Finanzwissenschaftler kritisiert "Placebo-Politik"

          "Statt immer neue Aufgaben auf Förderbanken zu verlagern, sollte die Politik Anreize schaffen, dass sich Banken wieder auf ihre ureigene Aufgabe der Geldversorgung der Realwirtschaft konzentrieren. So ist das bloße Placebo-Politik", kritisiert Finanzwissenschaftler Thiess Büttner, Professor für Finanzwissenschaften an der Universität Erlangen. Stefan Homburg von der Universität Hannover sieht gar eine Verschleierungstaktik. "Die Länder haben die Landesbanken, und der Bund hat die KfW, um seine Ziele zu erreichen. Sie sind ein probates Mittel, das Parlament zu umgehen", sagt Homburg. Dabei haben gerade die Landesbanken gezeigt, welch katastrophale Folgen es haben kann, wenn politische Erwägungen bei Investitionen wichtiger sind als die wirtschaftliche Realität.

          "Deutschlands dümmste Bank"

          Diese Banken sind am dicksten im Geschäft
          Die StatistikIn regelmäßigen Abständen erstellt der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Interessenvertretung der Branche, eine Marktvolumenstatistik, in die die Marktanteile von 16 Emittenten einfließen. Als Markt definiert der DDV das in Zertifikaten investierte Vermögen der Privatanleger in Deutschland. Dazu melden die Emittenten alle Zertifikategeschäfte, die in ihren Handelssystemen ausgeführt wurden. Die Zahl deckt nach Angaben des Verbandes etwa 90 Prozent des ausstehenden Zertifikatevolumens ab.  Quelle: DDV Quelle: dpa
          Frankfurter Bankensykline Quelle: dpa
          GesamtmarktDie größten Happen des Kuchen teilen sich nur wenige: Die ersten fünf Emittenten vereinten Ende des zweiten Quartals einen Marktanteil von 70,6 Prozent des gesamten Marktvolumens auf sich. Quelle: DDV Quelle: dpa
          Gesamtmarkt – Platz 5Die Anleger haben immerhin fast zehn Prozent ihres in Zertifikaten investierten Vermögens in Papiere der Unicredit-Tochter Hypovereinsbank gesteckt: Sie lag im zweiten Quartal des Jahres mit 9,6 Prozent auf Platz fünf. Nur auf die Anlageprodukte bezogen beträgt der Marktanteil sogar 9,7 Prozent. Quelle: DDV Quelle: dapd
          Gesamtmarkt – Platz 4Die WestLB, deren Zertifikateabteilung im Schatten der Diskussionen um das Haus auch im zweiten Quartal munter weiterarbeitete, landete im Zeitraum April bis Juni auf dem vierten Rang mit einem Marktanteil von 13,9 Prozent. Auch wenn man nur die Anlageprodukte betrachtet, sicherte sich die Bank hier den vierten Platz mit einem Marktanteil von 14,1 Prozent. In der nächsten Statistik dürfte hier im Übrigen die Frankfurter Helaba auftauchen. Die Landesbank übernimmt das WestLB-Zertifikategeschäft und steigt damit zu einem der größten deutschen Zertifikate-Anbieter auf. Quelle: DDV Quelle: dpa
          Gesamtmarkt – Platz 3Die Genossen liegen vor dem Sparkassensektor, auch wenn die DZ Bank im zweiten Quartal auf den dritten Platz abrutschte. Im Gesamtgeschäft kam sie nach leichten Verlusten auf einen Marktanteil von 15,0 Prozent, bei den Anlageprodukten gingen 15,1 Prozent auf die Bank, die hier ebenfalls Platz drei belegt. Quelle: DDV Quelle: rtr
          Gesamtmarkt – Platz 2Knapp davor platzierte sich diesmal die Commerzbank mit einem Marktanteil von 15,4 Prozent auf dem zweiten Rang, ebenso bei den Anlageprodukten (Marktanteil: 15,3 Prozent). Quelle: DDV Quelle: dapd

          Auch die heute prosperierende KfW stand schon mal am Abgrund. 2007 versenkte sie mit ihrer Beteiligung an der maroden Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB Milliarden. Die Politiker im Verwaltungsrat hatten von deren immensen Risiken, die in der Bilanz schlummerten, nichts bemerkt. Ergebnis: ein Jahresverlust von 6,2 Milliarden Euro in 2007 und 2,7 Milliarden Euro in 2008. Als die KfW versehentlich auch noch 300 Millionen Euro an die bereits insolvente Investmentbank Lehman Brothers überwies, schien das Modell am Ende. "Bild" kürte sie zu "Deutschlands dümmster Bank".

          Keine bösen Bonijäger

          Doch der neue Bankchef Schröder glättete die Wogen und trimmte das bis dahin träge Institut auf Effizienz. Der Erfolg macht es ihm nun leicht, sich und seine Mitarbeiter als Gut-Banker und Gegenmodell zu den bösen Bonijägern zu inszenieren. "Unser Kapitalmarktchef könnte bei einer Investmentbank deutlich mehr verdienen. Trotzdem bleibt er. Unsere Mitarbeiter ziehen ihre Befriedigung nicht in erster Linie aus der Vergütung, sondern aus ihrer sinnvollen Aufgabe", sagt Bankchef Schröder, der selbst mehr als eine Million Euro jährlich verdient.

          In Deutschland scheint die Bank fast nur noch Freunde zu haben. Andere Kreditinstitute murren zwar über den KfW-Einfluss, sind aber froh, wenn sie Förderkredite durchleiten können. So gewinnen oder halten sie Kunden, ohne dass sie bei Wackelkandidaten das Ausfallrisiko komplett übernehmen müssen.

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            KfW arbeitet an ihrem Image

            Mit Skepsis betrachten sie jedoch, wie sich die Staatsbank nun immer stärker an die Endkunden ranschmeißt. Um ihren Bekanntheitsgrad im Volk zu steigern, überarbeitet die KfW gerade ihren Markenauftritt und gönnt sich ein neues Logo. Auf dem Roßmarkt im Herzen Frankfurts hat die Bank für ein paar Tage ein Glashäuschen errichtet. "Für jedes Haus gibt es eine Lösung", verspricht der Schriftzug im Inneren und freundliche Ratgeber davor klären Passanten darüber auf, welche Dämmstoffe und Isolationsverfahren ihr Zuhause mithilfe der Förderbank klimatechnisch nach vorne bringen.

            Deutschland



            Die "Bank aus Verantwortung", so der neue Slogan, geht mit gutem Beispiel voran. Das 2010 eröffnete Bürogebäude der Ipex gilt als eines der klimafreundlichsten weltweit. Geheizt wird mit Abwärme aus dem Rechenzentrum, und die vier Aufzüge im Innern fahren nach Berechnungen eines Zentralcomputers so zwischen den 13 Stockwerken rauf und runter, dass unnötige Wege vermieden werden. Das führt zu längeren Wartezeiten. Oder dazu, dass die Hälfte einer Gruppe wieder aussteigen muss, weil eine Warnsirene ertönt.

            Die Staatsbanker erdulden ihr Schicksal gelassen. Sie sind es gewohnt, dass hoheitliche Entscheidungen das freie Spiel der Kräfte ersetzen.

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