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IG Metall Mit neuer Strategie nach vorne

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Personen sind hinter einer Quelle: dpa

Das wichtigste Instrument ist dabei der Aufbau neuer Betriebsräte. In Deutschland haben nur elf Prozent der Unternehmen eine Mitarbeitervertretung, was den Arbeitnehmerlobbyisten die Arbeit vor allem im Mittelstand erschwert. Gezielt rückt die IG Metall seit einiger Zeit betriebsratslosen Unternehmen auf den Pelz; seit 2009 hat sie die Gründung von rund 1600 neuen Betriebsräten initiiert. Zudem gibt es einen verstärkten Austausch von Personendaten: In einem Pilotprojekt erstellt die IG Metall derzeit mit betrieblichen Vertrauensleuten ein Raster, das bis in die kleinste Abteilung aufdröselt, wie viele Mitarbeiter eines Betriebes nicht in der Gewerkschaft sind.

Rückendeckung bei der Mitgliederakquise gibt es vom Bundesarbeitsgericht (BAG). Die Richter urteilten 2010, dass Gewerkschaften in den Unternehmen einmal pro Halbjahr durch betriebsfremde Funktionäre Mitglieder werben dürfen. In einem früheren Urteil hatte das BAG den Gewerkschaften bereits erlaubt, dienstliche E-Mail-Adressen von Beschäftigten für Anwerbeversuche zu nutzen – selbst wenn der Arbeitgeber den privaten Gebrauch der Adresse untersagt.

Je mehr Mitglieder, desto mehr Hilfe gibts

Kompromisslos gibt sich die Gewerkschaft aber auch gegenüber eigenen Leuten: Bei Streitfällen im Betrieb schaltet sich die IG Metall nur noch ein, wenn ausreichend Beschäftigte einen Mitgliedsantrag unterschrieben haben. In Lüdenscheid etwa hat Regionalchef Bernd Schildknecht das gerade durchexerziert. Als bei ihm empörte Beschäftigte eines Metallunternehmens aufliefen, das über Einschnitte in tarifliche Leistungen nachdenkt, gab es von dem 62-Jährigen statt brüderlicher Solidarität den Hinweis, „dass sich die IG Metall aus Mitgliedsbeiträgen finanziert“. Schildknecht: „Ich habe den Kollegen gesagt: Erhöht die Mitgliederzahl im Betrieb, dann helfen wir euch.“ Innerhalb von zwei Monaten stieg daraufhin der Organisationsgrad von 15 auf 60 Prozent.

Alte Herren

Parallel zur neuen Strategie baut die IG Metall auch organisatorisch um: Der Bundesvorstand schrumpft (siehe Kasten), rund 100 der 550 Stellen in der Frankfurter Zentrale wurden gestrichen. IG-Metall-Vize Wetzel: „Die Treppe wird von oben gefegt.“ 70 Prozent der jährlich eingesparten 20 Millionen Euro wandern in einen Investitionsfonds, den die Verwaltungsstellen anzapfen können, wenn sie neue Projekte zur Mitgliedergewinnung starten.

Weiße Flecken gibt es reichlich. Immer noch ist die IG Metall im Kern ein Koloss des Industriezeitalters – der Angestelltenanteil liegt bei rund 15 Prozent. Im Handwerk und in Wachstumsbranchen wie der Wind- und Solarindustrie findet die Gewerkschaft kaum statt. Überdies präsentiert sich die IG Metall noch weitgehend als Altherren‧riege. Der Frauenanteil liegt bei rund 18 Prozent, nur jeder zehnte Beitragszahler ist jünger als 27 Jahre – womit man in der IG Metall offiziell zur Jugend zählt. Immerhin: Mittlerweile ist jedes zweite Neu-Mitglied unter 27 Jahre, was daran liegen mag, dass die IG Metall derzeit massiv für eine unbefristete Übernahme aller Azubis trommelt. Wie nachhaltig die Renaissance der Gewerkschaft ist, muss sich freilich noch zeigen. IW-Mann Lesch: „Die Bewährungsprobe kommt im nächsten Abschwung.“

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