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Impfpflicht Covid-19 „Der Keim darf gar nicht zur Tür hereinkommen“

Eine Ärztin bekommt ihre Impfung verabreicht. Es wird eine Impfpflicht für Mitarbeiter in Krankenhäusern diskutiert. Quelle: dpa

Die Pflegeprofis in Deutschland wehren sich gegen eine Impfpflicht für ihre Berufsgruppe. Der Pflegerat verlangt eine Pflicht zur Immunisierung für alle Beschäftigten in Krankenhäusern oder Einrichtungen.

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Christine Vogler ist Präsidentin des Deutschen Pflegerats.

WirtschaftsWoche: Frau Vogler, Sie vertreten als Präsidentin den Deutschen Pflegerat, den Dachverband der Pflegenden. Diskutiert wird zurzeit über eine Impfpflicht für medizinisches und Pflege-Personal gegen Covid-19. Warum wollen Sie das verhindern?
Christine Vogler: Wir müssen die Schwächsten schützen. Wer kranke und alte Menschen versorgt, sollte alles zu deren Schutz tun, sich also auch impfen. Ein Zwang für bestimmte Berufsgruppen reicht aber nicht, führt zu Frust und falschen Signalen in die Bevölkerung. Man sollte bedenken, dass in Einrichtungen oft die Hälfte oder mehr als die Hälfte der Beschäftigten in der Pflege keine Fachkräfte sind. Sie sind angelernt oder Hilfskräfte und wären von der Impfpflicht nicht erfasst.

Wäre eine Impfpflicht bezogen auf bestimmte Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Senioreneinrichtungen und Pflegeheime eine bessere Lösung?
Wenn wir über Impfpflichten sprechen, müssen wir grundsätzlich über alle sprechen, die in den Einrichtungen arbeiten. Jede und jeder, der da täglich hineingeht, ist mit den anderen direkt oder indirekt in Kontakt. Das gilt für Mediziner, Pflegekräfte, Hilfskräfte, Hausmeister, Küchenbeschäftigte oder das Reinigungspersonal. Der Keim darf gar nicht zur Tür hereinkommen. Das muss der Maßstab sein.

Ist so etwas durchzusetzen?
Es gibt schon rechtssichere Beispiele für eine Impfpflicht. Wer professionell pflegt oder als Mediziner im Krankenhaus arbeitet, muss einen Hepatitis-Schutz nachweisen. Wir haben auch eine Pflicht zur Masernimpfung in verschiedenen Einrichtungen – zum Beispiel in Kitas. Das lässt sich gut umsetzen und wir sollten uns daran orientieren.



Wer kontrolliert das? Und was folgt, wenn jemand nicht mitmachen möchte?
Wir brauchen zunächst schnell die rechtlichen Voraussetzungen, dass die Länder solche Verordnungen erlassen und die Impfpflicht kontrollieren können. Wir haben keine Zeit mehr vor dem Winter. Dann muss im Einzelnen die Leitung einer solchen Einrichtung oder Klinik die Umsetzung kontrollieren. Wer sich nicht impfen lassen will, kann dann eben nicht mehr im Kontakt mit anderen arbeiten. Im Zweifelsfall wird jemand dann von der Arbeit frei gestellt und kann nicht weiter dort tätig sein. Das hat auch Konsequenzen im Arbeitsrecht.

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    Und die Besucher, etwa Angehörige?
    Da müssen wir mindestens die bisherigen Maßstäbe halten: Einen aktuellen Test nachweisen, Maske tragen, Hände desinfizieren und vielleicht eine Zeitbegrenzung für Besuche. Es darf nicht mehr passieren, dass die Angehörigen ausgesperrt werden wegen der Pandemie.

    Mehr zum Thema: Nach einer Vorlage der Ampelkoalition könnte in vielen Unternehmen bald nur noch arbeiten, wer geimpft, genesen oder getestet ist. Was Firmen sich alles einfallen lassen, um doch rauszufinden, wer geimpft ist.

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