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Internetpräsenz Das mysteriöse Verschwinden des Wolfgang Schäuble

Tagelang war die Facebook-Seite des Finanzministers nicht mehr erreichbar. Eine Erklärung fällt auch den Beteiligten schwer. Die Episode zeigt, dass viele Politiker Social Media weiterhin nur als Mittel zum Wählerfang sehen.

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Tagelang war sie verschwunden. Nun geht sie wieder. Gemeint ist die Facebook-Seite des Finanzministers Schäuble. Quelle: dpa

Wer in den vergangenen Tagen die Facebook-Seite von Wolfgang Schäuble aufgerufen hat, fand nur das Bild eines verbundenen Daumen mit dem Hinweis: „Diese Seite ist leider nicht verfügbar - Entweder funktioniert der von dir angeklickte Link nicht oder die Seite wurde entfernt“.

Was ist passiert? Hat der Bundesfinanzminister seine Seite etwa gelöscht, wie einst Ilse Aigner, die damit gegen den Umgang mit dem Datenschutz protestierte? Oder haben Schäuble und seine Mitarbeiter gemerkt, dass Facebook doch nicht unbedingt das richtige Medium für den Dienstältesten Minister ist und beschlossen, ihre Social-Media-Aktivitäten lieber zu beenden?

Doch auch in Schäubles Büro sind die Mitarbeiter überrascht. „Wir haben die Seite nicht abgestellt“, heißt es dort. Eine Erklärung haben sie allerdings auch nicht, erst durch die Anfrage ist dort aufgefallen, dass die Seite mindestens seit vergangenem Freitag nicht erreichbar ist. Der zuständige Betreuer des Facebook-Accounts ist im Urlaub.

Also ein Fehler bei Facebook? Oder hat dort jemand anderes die Seite sperren lassen? "Facebook würde ohne Rücksprache eigentlich keine Seite von so einem wichtigen Politiker Sperren", sagt Martin Fuchs. Er betreibt die Seite Pluragraph, auf der Social-Media-Aktivitäten von Politikern gemessen werden und entdeckte dabei das Verschwinden von Schäuble. Einen Grund dafür erfuhr er trotz Nachfragen nicht und auch auf Anfrage der WirtschaftsWoche kann das soziale Netzwerk keine genaue Erklärung geben.

Heute ist die Seite dann wieder erreichbar. Laut Schäubles Büro wurde sie von Facebook deaktiviert, da man sich dort über die Authentizität nicht sicher war. Tatsächlich wird der Account nur sporadisch gepflegt, die letzte Statusmeldung stammt vom 22. Dezember 2013 und auch davor bekamen die gut 3500 Facebookfans nur alle paar Monate Links zu Interviews oder anderen Äußerungen des Ministers.

Damit steht Schäuble nicht allein da. Während des letzten Bundestagswahlkampfs wurden Twitter und Facebook noch so intensiv genutzt wie nie zuvor. Kein Wunder: Nach dem erfolgreichen Vorbild von Big-Data-Wahlkämpfer Obama bescheinigten Experten und Meinungsumfragen auch dem Online-Wahlkampf in Deutschland das Potenzial die Stimmabgabe entscheidend beeinflussen zu können.      

So kam kaum eine Wahlsendung ohne das Vorlesen von Tweets aus, mit eigenen Tools wurde der Social-Media-Wahlkampf analysiert – auch in der WirtschaftsWoche.  

Der Wählerfang geht sicher weiter

Doch wenn die Wähler - womöglich auch durch Tweets oder Facebook-Einträge – überzeugt, ihr Kreuzchen gemacht haben, stellen viele Politiker die moderne Kommunikation wieder ein.

Sigmar Gabriel hörte noch während der Koalitionsverhandlungen auf zu twittern. Letzter Eintrag: „Aufgrund massiver technischer Probleme mussten wir den für heute angekündigten Chat abbrechen. Wir holen ihn so schnell wie möglich nach.“ Und während sich manche Politiker noch unermüdlich durchs Sommerloch zwitschern, ist selbst der frühere Twitter-König Peter Altmaier dort vergleichsweise schweigsam geworden.

Bei Facebook sieht es oft nicht besser aus, mit Thomas de Maiziere, Ursula von der Leyen, Christian Schmidt und Johanna Wanka verzichten gleich vier Minister sogar ganz auf eine eigene Präsenz im größten Sozialen Netzwerk. Eine Entscheidung die Politikberater Fuchs nur konsequent findet. „Spitzenpolitiker sollten lieber den Mut haben, es ganz zu lassen als ein schlecht gepflegtes Profil im Netz zu betreiben“, sagt Fuchs, der im Fachmagazin „Politik&Kommunikation“ oder seinem Blog regelmäßig über die politische Nutzung von Social Media schreibt.

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Doch die Expertenratschläge beherzigen noch zu wenige Spitzenpolitiker. Stattdessen dominieren Facebook-Auftritte, wie der von Alexander Dobrindt – immerhin Minister für digitale Infrastruktur und laut Sigmar Gabriel von den drei für die Digitale Agenda zuständigen Ministern noch am ehesten der „Digital Native“: Dobrindt hat zwar eine verifizierte Facebook-Seite, doch der letzte Eintrag ist noch deutlich älter als der von Schäuble. Am 15. September 2013 forderte Dobrindt: „Heute gilt's! Weißblau statt rot-grün! #weißblauwählen“. Seither ist Ruhe, doch ganz sicher geht der Wählerfang auf Facebook irgendwann weiter – spätestens zur Bundestagswahl 2017.

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