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Interview: Martin Kannegiesser befürchtet Unruhe in Betrieben

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Erste IG-Metall-Funktionäre fordern, der Abschluss 2012 müsse deutlich über den 2,7 Prozent liegen, die es 2011 gab. Befürchten Sie eine Nachschlagsdebatte?

Wir haben uns in der vergangenen Entgeltrunde auf den Vorrang von Beschäftigungssicherung verständigt – und die war für die Betriebe unglaublich teuer. Die Produktivität ist dramatisch abgestürzt. Wir sind mit dem Überhang aus einer unverhältnismäßig hohen Lohnsteigerung in die Krise gegangen, haben dann eine Einmalzahlung geleistet, die 0,8 Prozent auf den Durchschnittslohn betrug. Und die vereinbarten 2,7 Prozent ab April 2011 sind für über 50 Prozent der Beschäftigten um zwei Monate vorgezogen worden.Wir sind so aus einem Unwetter herausgekommen, bei dem sich viele schon am Meeresboden gesehen haben...

...und das Pessimisten in ähnlicher Form schon wieder heraufziehen sehen. Wie ist die aktuelle Lage in der Metallindustrie?

Konsumnahen Branchen geht es gut, bei den Anlagenbauern wird es schwieriger. Nach allem, was ich aus den Unternehmen höre, verlaufen die Kundenverhandlungen im Ausland immer zäher. Wir rechnen zwar im Schnitt des Jahres 2011 noch mit einem Plus in der Produktion von acht bis zehn Prozent. 2012 aber dürfte sich die Zahl halbieren. Die Risiken wachsen. Von unserem Aufholprozess als XL-Aufschwung zu schwadronieren ist genauso schlicht wie von einer heraufziehenden Rezession zu sprechen.

Was bedeutet das für die Arbeitsplätze?

Vom Ende der Rezession bis Juli 2011 sind in der Metall- und Elektroindustrie 143 000 neue Jobs entstanden. Was wir an Jobs in der Krise verloren haben, ist wohl bis Ende des Jahres nahezu wieder aufgebaut. 2012 dürften die Belegschaften stabil bleiben.

Ist denn der Mitgliederschwund auch bei den Arbeitgeberverbänden gestoppt?

Ja. Unsere Mitgliedsverbände haben 2009 ganze elf Betriebe verloren und 2010 wieder 82 hinzugewonnen. Aktuell sind rund 6500 Betriebe unter dem Dach von Gesamtmetall organisiert. Der Zuwachs findet allerdings nur in sogenannten OT-Verbänden statt, in denen man die Verbandsleistungen bekommt, aber nicht dem Flächentarif unterliegt. Dennoch liegen diese Betriebe nicht im tarifpolitischen Niemandsland: Viele orientieren sich an der Fläche oder schließen einen Haustarifvertrag ab. n

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