WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Interview mit Hans-Olaf Henkel „Der Euro hat verheerende Nebenwirkungen“

Hans-Olaf Henkel mischt jetzt bei der AfD mit und will mit ihr ins Europaparament. Im Interview gibt er den Ton an – mit harten Attacken auf Euro-Befürworter und Sympathiebekundungen für Euro-Kritiker wie Thilo Sarrazin.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel:

Herr Henkel, Sie unterstützen die Alternative für Deutschland schon länger. Was hat Sie nun bewogen, der AfD beizutreten?

Hans-Olaf Henkel: Ich wollte zunächst abwarten, in welche Richtung sich diese Partei europapolitisch bewegt. Nach vielen Gesprächen mit führenden Leuten der AfD bin ich dann zu dem Schluss gekommen, dass die Chancen für ein überzeugendes Europaprogramm gut sind und ich bei der Formulierung eines solchen Programms mitwirken kann.

Und dass die AfD zuletzt vor allem mit Personalquerelen in wichtigen Landesverbänden wie Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen aufgefallen ist, hat Sie nicht gestört?

Selbstverständlich hat mich das gestört. Aber Sie sehen ja, dass Herr Lucke mit Erfolg, Versuche die Partei zu schädigen, abgeblockt hat. Henning Voscherau hat mir mal erzählt, dass die SPD im vorletzten Jahrhundert 30 Jahre gebraucht hat, um sich zu finden. Die Grünen brauchten 20 Jahre. Da wird man doch ein gewisses Verständnis dafür erwarten dürfen, dass die AfD nicht schon in wenigen Monaten ein geschlossenes Bild zeigt. Lucke und die Seinen tun heute mit Sicherheit mehr gegen die Infiltration von Rechtsradikalen, als CDU/CSU, SPD und FDP damals gegen ehemalige Mitglieder von NSDAP, Waffen-SS, SA und SS in ihren eigenen Reihen getan haben.

Solche Streitigkeiten sind allerdings auch schöne Steilvorlagen für die politische Konkurrenz. Der neue FDP-Chef Christian Lindner attackierte die AfD in seiner Antrittsrede als "nationalökonomische Bauernfänger-Truppe". Und warnte seine Partei davor, sich auch "nur einen Zentimeter in Richtung der Eurohasser" zu bewegen.

Ich weiß von vielen FDP-Sympathisanten, dass ihnen die Attacken von Herrn Lindner auf die AfD und ihre Führung missfallen - und sie letztlich auch der AfD helfen.

Inwiefern?

Sie zeugen nicht gerade von Selbstbewusstsein. So hat die AfD in der Tat eine Reihe von Nationalökonomen an der Spitze und in ihren Reihen. Mit den Professoren Lucke, Starbatty, Vaubel – und nun auch mit mir. Alles Leute, die von der Wirtschaft sowohl in Theorie als auch in Praxis etwas verstehen. Dadurch unterscheidet sich die AfD wohltuend von allen anderen Parteien, einschließlich der FDP. So, und er meint uns „Bauernfänger“ nennen zu dürfen? Außerdem impliziert Herr Lindner mit seinen Ausfällen immer wieder, dass Kritik am Euro identisch sei mit Kritik an Europa. Das ist schlicht falsch. Nicht nur immer mehr ehemaliger FDP-Anhänger, auch die anderer Parteien merken langsam, wo die wahren Bauernfänger sitzen.

Bei der Bundestagswahl hat die FDP zahlreiche Wähler an die AfD verloren. Am Ende sind die Liberalen aus dem Parlament geflogen – und die AfD ist knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Wie ist Ihre Prognose für die Europawahl?

Das ist schwer zu sagen. Das Ergebnis bei der Bundestagswahl hat mich nicht überrascht. Es hätte auch knapp reichen können. Aber offenbar hat die Angstkampagne, die andere Parteien und die Medien geschürt haben, dazu geführt, dass viele die AfD nicht gewählt haben. Bei der Europawahl wird das ganz anders laufen.

Wie?

Es sind verschiedene Aspekte, die hier eine Rolle spielen. Erstens ist die AfD die einzige Partei, die sich mit dem Thema Euro und Europa etabliert hat. Das hat sogar dazu geführt, dass die Konkurrenz der AfD vorgeworfen hat, eine Ein-Themen-Partei zu sein, was auch nicht mehr ganz stimmt. Aus Sicht der Bürger ist es wohl eher so, dass vor allem der AfD ein hohes Maß an Kompetenz in Euro-Fragen zugesprochen wird. Das wird sich sicherlich bei der Europawahl positiv niederschlagen.

Zweitens haben sich vor der Bundestagswahl viele Wähler von den Umfragen beeinflussen lassen: der FDP wurde zwar wacker immer das Überspringen der Fünfprozentklausel vorausgesagt, die AfD lag dagegen immer mehr bei vier Prozent. Potenzielle Sympathisanten wollten aber ihre Stimme nicht vergeuden. Bei der Europawahl ist das ganz anders, denn niemand bezweifelt noch, dass die AfD die niedrigere Hürde von drei Prozent nimmt. Drittens, damals wollten viele nicht die ruhige Hand Angela Merkels am Steuer der Regierung aufs Spiel setzen, das ist bei der Europawahl nicht mehr relevant. 

Wie meinen Sie das?

Bei der Bundestagswahl wollten viele Wähler, dass die Kanzlerin ihren Job behält. Die Politik der ruhigen Hand kam offenbar gut an. Bei der Europawahl spielt das keine Rolle mehr. Es geht nicht darum, die Position von Frau Merkel zu festigen oder zu stärken. Hierin steckt ein zusätzliches Wählerpotenzial, das die AfD bei der Bundestagswahl nicht hatte. Wir wissen, dass die Bürger inzwischen zunehmend genervt sind über die Beschlüsse der Großen Koalition. Wenn die FDP diese jetzt laufend kritisiert, obwohl jeder weiß, dass sie viele dieser Entscheidungen um Preis einer Regierungsbeteiligung mitgetragen hätte, dann ist das nicht besonders glaubhaft.


Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%