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Interview Sebastian Heilmann "Niemand will sich mit Peking anlegen"

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Die Proteste schwappen nicht aufs Festland

Wenn er seine Macht gefestigt hat, könnte er ja politisch die Zügel lockerer lassen...
Das will ich nicht ausschließen. Aber selbst wenn es zu einer politischen Lockerung kommen sollte, ist ganz klar: Xi Jinping hält daran fest, dass die Kommunistische Partei China durch das 21. Jahrhundert führen wird – gleich, ob das den Ausländern gefällt oder nicht.

In Hongkong halten Proteste gegen Pekings Kontrollwahn an. Hat man in der Partei Angst, das die Proteste von der liberalen Insel aufs Festland überschwappen?
Nein, das eher nicht. Die Gesellschaft, die Probleme und die Wertvorstellungen in Hongkong stimmen mit denen auf dem Festland nicht überein. Auf dem Festland halten viele die Hongkonger für verwöhnte Westler: "vaterlandslose Gesellen" und "Agenten des Westens", die sich nicht als Teil Chinas sehen, obwohl Hongkong seit 1997 zu China gehört. Wenn diese Stimmung anhält, ist es schwer vorstellbar, dass die Hongkonger Proteste aufs Festland übergreifen. Aber auch in Hongkong gibt es viele Menschen, die mit den Protesten nicht einverstanden sind.

Die faszinierenden Metropolen Chinas
Chongqing ist eine Millionenstadt in der Volksrepublik China. Sie liegt auf einer wie ein Komma geformte Halbinsel am Zusammenfluss von Jangtsekiang und Jialing. Das Verwaltungsgebiet der Stadt ist annähernd so groß wie die Fläche von Österreich. Mit 28,85 Millionen Einwohnern gehört Chongqing zu einer der größten Megastädte Chinas. Quelle: Reuters
Guangzhou ist eine Stadt im Süden Chinas mit 8,86 Millionen Einwohnern. Sie ist ein bedeutender Industrie- und Handelsstandort, weshalb sie auch die „Fabrik der Welt“ genannt wird. Im Oktober 2010 wurde in Guangzhou der höchste Fernsehturm der Welt (600 m) eröffnet. Quelle: Reuters
Die Küstenstadt Zhuhai gehört zu der chinesischen Provinz Guangdong und hat eine Einwohnerzahl von 1,45 Millionen. Zhuhai trägt in China den Beinamen „Stadt der Romantik“ aufgrund der vielen Buchten und Küsten. Die Stadt ist sehr sauber, der Lebensstandard sehr hoch. Zhuhai ist ein beliebtes Wochenenddomizil für Geschäftsleute aus Hongkong. Quelle: Reuters
Wuhans Einwohnerzahl beträgt 8,33 Millionen. Die Stadt in der Provinz Hubei besteht aus drei zusammengelegten Städten. Das ebene Stadtbild ist von zahlreichen Seen geprägt. Quelle: Reuters
Die Stadt Chengdu hat 10,44 Millionen Einwohner. Sie hat sich zum Wirtschaftszentrum Westchinas entwickelt. 2006 erreichte Chengdu den vierten Platz der lebenswertesten Städte Chinas. Quelle: dapd
Peking ist die Hauptstadt und das politische Zentrum der Volksrepublik China. Dort leben etwa 17,6 Millionen Einwohner. Durch die dreitausendjährige Geschichte Pekings beherbergt die Stadt ein imposantes Kulturerbe. Quelle: dpa
Dongguan hat 8,2 Millionen Einwohner. Sie liegt östlich des Perlflusses an der Mündung in das chinesische Meer. Viele Auslandschinesen in Hongkong stammen aus Dongguan. Quelle: Reuters

Warum gibt Peking nicht einfach nach und lässt die Hongkonger wählen, wen sie wollen? Hauptsache, die Wirtschaftsstadt steht loyal zur Volksrepublik China.
Trotz des Status als Sonderverwaltungszone ist Hongkong aus Pekinger Sicht eben doch eine Verwaltungszone auf Provinzebene, die sich der Zentrale in Peking unterordnen muss. Der Kopf der Hongkonger Verwaltung muss für die Parteizentrale kontrollierbar sein. Also wird es einen KP-kritischen Verwaltungschef in Hongkong nicht geben, solange die KP in Peking regiert.

Glauben Sie, dass die Proteste weiter eskalieren und Peking dann zu härteren Mitteln greift?
Peking hat sehr geschickt auf die Spaltung der Bewegung hingewirkt. Man schickte Provokateure in die Demonstrationen und diskreditierte die Gegner, trieb einen Keil zwischen sie und den Rest der Gesellschaft. Das ist bislang gelungen. Wir müssen aber aufpassen: Sobald Peking den Hongkonger Demonstranten „Abspaltung“ oder "Separatismus" vorwirft, wird es extrem gefährlich. Denn diese Begriffe würden aus Pekinger Sicht den gewaltsamen Einsatz der Armee rechtfertigen.

Ausland



Sehen Sie keinen Kompromiss, der beide Seiten zufrieden stellt?
Es gibt Möglichkeiten, bei den Kandidatenwahlverfahren nachzusteuern. Zum Beispiel könnte Peking eine Unterschriftensammlung zur Nominierung von Kandidaten ermöglichen, Wenn Peking sicher ist, dass die Mehrheit den eigenen Vorstellungen entsprechen wird, könnten sie das riskieren.
Wie wird die Hongkong-Frage während des Staatsbesuchs in Deutschland behandelt?
Nur sehr am Rande und informatorisch. Die Kanzlerin wird betonen, dass die Sonderrechte Hongkongs gesichert sein müssen und keine Gewalt gegen Demonstranten angewendet werden soll. Aber in der Verantwortung für Hongkong steht ja auch nicht Deutschland, sondern Großbritannien. Das Vereinige Königreich ist Vertragspartner der Volksrepublik China hinsichtlich der Begründung der Sonderverwaltungszone Hongkong nach 1997. Doch aus London hört man zu diesem Thema gar nichts. Niemand dort will sich mit Peking anlegen.

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