Islamischer Staat Deutschlands Problem mit den IS-Heimkehrern

Der IS verführt junge Deutsche und will sie nach Syrien locken. Aber wie sollte Deutschland mit Heimkehrern umgehen? Ein dänisches Modell zeigt, wie es gehen könnte.

Die Front gegen den IS
USADie mächtigste Militärmacht der Welt organisiert die internationalen Luftangriffe. Ab August wurden zunächst IS-Stellungen im Irak bombardiert. Dabei kann sich Washington auf einen Hilferuf Bagdads berufen. Seit September kamen völkerrechtlich umstrittene Angriffe in Syrien hinzu. Sie galten neben dem IS auch der Al-Kaida-nahen Chorasan-Gruppe. Dabei werden auch Ölförderanlagen und Raffinerien gezielt zerstört. Nach US-Angaben sollten damit die Finanzquellen des IS ausgetrocknet werden. Seit dem 26. September bombardieren die USA auch IS-Stellungen bei der umkämpften Kurdenstadt Kobane in Nordsyrien (im Bild). Die USA bilden zudem syrische Rebellen für den Kampf gegen den IS und die Regierung in Damaskus aus und liefern Waffen. Quelle: AP
Arabische StaatenSaudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Katar und Jordanien unterstützen die USA bei Luftangriffen in Syrien. Die Golfmonarchien sind vom IS bedroht, dessen „Kalifat“ einen Anspruch auf Herrschaft über alle Muslime erhebt. Zugleich drängen sie die USA auch zum Sturz der syrischen Regierung, die ihrerseits gegen die Islamisten einen Kampf um Leben und Tod führt. Im Bild: Der Außenminister von Saudi Arabien, Saud al-Faisal. Quelle: dpa
TürkeiDie türkische Regierung leistet weiterhin nur humanitäre Hilfe und hat nach eigenen Angaben rund 200.000 Flüchtlinge aus der umkämpften Region Kobane aufgenommen. Im Bild ist ein türkische Helfer zu sehen, der Nahrung an die Flüchtlinge verteilt, Die Regierung in Ankara hat ein Mandat des Parlaments, militärisch in Syrien und dem Irak gegen Terrororganisationen vorzugehen. Sie fordert für ein Eingreifen aber eine umfassende internationale Strategie, die den Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad einschließt. Die Forderung nach einem Korridor für kurdische Volksschutzeinheiten durch die Türkei hat sie abgelehnt. Der Nato-Staat hat auch dem Anti-IS-Bündnis nicht die Nutzung türkischer Stützpunkte erlaubt. Quelle: REUTERS
FrankreichAls erstes EU-Land hat Frankreich im August Waffen geliefert und auch Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak geflogen. Dazu kommt Waffen- und Ausbildungshilfe für die irakischen Kurden. Quelle: REUTERS
GroßbritannienWashingtons engster Verbündeter fliegt ebenfalls Luftangriffe im Irak. Das Mandat des Parlaments schließt den Einsatz von Bodentruppen aus und beschränkt sich auf Einsätze im Irak. London liefert zudem Waffen an die irakischen IS-Gegner und leistet humanitäre Hilfe. Im Bild: Ein Jet der britischen Royal Air Force kehrt von einem Einsatz im Irak zurück. Quelle: AP
DänemarkAls einziges skandinavisches Land beteiligt sich Dänemark mit F16-Kampfflugzeugen am Kampf gegen den IS. Außerdem will Kopenhagen Militärausbilder entsenden. Im Bild: Premierministerin Helle Thorning-Schmidt. Quelle: AP
BelgienFür Luftangriffe gegen IS-Stellungen im Irak stellt Belgien sechs Jagdbomber vom Typ F-16 (im Bild) zur Verfügung. Zusammen mit den Kampfjets wurden rund 120 belgische Soldaten nach Jordanien verlegt. Quelle: REUTERS

Eine verwackelte Videoaufnahme, gefilmt in einem fahrenden Geländewagen: Auf dem Beifahrersitz sitzt Abu Talha Almani, in Deutschland besser bekannt als Denis Cuspert oder Deso Dogg. Während ein Kind auf der Rückbank fröhlich ruft, grüßt Cuspert seine Familie.

„Liebe Geschwister, lasst euch erzählen, was wir genießen. Wir essen Fleisch, wir essen Basmati-Reis, wir trinken Quellwasser, reines Wasser“, sagt der Mann am Steuer. Und weiter: „Wir leben mit Geschwistern zusammen, die dieselben Absichten haben wie du.“

Trüge der Mann auf der Rückbank keine Kalaschnikow, man könnte meinen, es ginge in ein Feriencamp. „Jedes Mal, wenn wir in die Schlacht ziehen, hoffen wir darauf, jemanden zu erwischen, den wir enthaupten können. Abu Talha und ich wünschen uns schon sehr lange, jemandem mit einem stumpfen Messer abschlachten zu können.“ Cuspert lacht.

Fakten zum Terror im Irak

Der Berliner Rapper Denis Cuspert schloss sich dem IS an. Mittlerweile nennt er sich Abu Talha Almani. Er ist eines der Aushängeschilder der Terrormiliz in Deutschland, eine Art Werbeträger. Mit Videobotschaften, in denen von Brüderlichkeit, Gemeinschaft, einem verheißungsvollen Leben und dem Krieg für Allah die Rede ist, lockt Cuspert junge Menschen nach Syrien.

Wer sich dem IS anschließt

Rund 450 Salafisten haben seit Mitte 2012 Deutschland in Richtung Syrien verlassen, um sich dem IS anzuschließen. Manche von ihnen reisten weiter in den Nordirak, die Dunkelziffer liegt noch höher - ein von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zitierter Verfassungsschützer spricht von 1800 Deutschen.

Und viele von ihnen könnten den Terror von dort nach Deutschland tragen. Der Verfassungsschutz geht von 150 Dschihadisten aus, die zwischenzeitlich zurück nach Deutschland gereist sind.

Die Gründe für ihre Heimkehr sind unterschiedlich: Manche wollen Geld sammeln für den IS und neue Mitglieder anwerben. Andere sind desillusioniert, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden, sind verstört von ihren Kriegserlebnissen. Wieder andere wollen nur zurück zu ihren Familien, wollen die Gräuel vergessen, die sie in Syrien oder im Nordirak sahen.

Die Frage ist: Wie kann Deutschland verhindern, dass noch mehr junge Menschen nach Syrien gehen? Und wie soll die Gesellschaft mit denen umgehen, die zurückkehren? Bis jetzt hat die Bundesregierung darauf keine adäquaten Antworten.

Um Antworten zu finden, muss man auf die blicken, die sich dem IS anschließen. „Es sind keineswegs nur muslimische Jugendliche“, sagt Salafismusexperte Rauf Ceylan vom Institut für Islamische Theologie in Osnabrück. Er verweist dabei auf die zahlreichen Konvertiten in Syrien und im Nordirak. „Im Grunde ist es eine Jugendbewegung.“ So seien vor allem Männer zwischen 15 und 25 betroffen – gleich welcher Nationalität. Sie würden seit Jahren rekrutiert.

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