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Islamischer Staat Deutschlands Problem mit den IS-Heimkehrern

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Nicht alle, die in Syrien waren, sind gefährlich

„Die Biographien dieser Jungen sind sehr unterschiedlich – und es betrifft keineswegs nur fromme Muslime“, so Ceylan. Die meisten stammten aus säkularen Familien. Die einzige Gemeinsamkeit: „Sie erlebten Brüche in ihren Biographien.“

Die Eltern ließen sich scheiden, die Schulkarriere scheiterte, die deutsche Gesellschaft gab ihnen nicht die Anerkennung, die sie sich wünschten. „All das macht sie anfällig für die Verheißungen des IS.“

Über das Internet verführt der IS die Jugendlichen – etwa mit Videos wie die von Cuspert. „Die Propagandavideos romantisieren die Situation in Syrien und im Nordirak und versprechen Brüderlichkeit“, sagt Ceylan. „Sie bieten den Jugendlichen die Überbewertung des eigenen Ichs – du bist von Gott auserwählt.“

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Die Realität sähe aber anders aus: „Dort ist Krieg, dort wird getötet. Freunde sterben, menschliche Körper werden zerrissen.“ Zudem würden nur wenige in den inneren Kern des IS vordringen – wie es etwa Cuspert gelungen ist.

„Die meisten Europäer, die sich dem IS anschließen, schieben Wache und müssen Drecksarbeit leisten“, sagt Ceylan. „Nicht jeder, der nach Syrien geht, kämpft und wird stärker radikalisiert.“ Von der Kriegsatmosphäre bekämen sie trotzdem etwas mit. Nicht wenige würden davon verstört.

„Bei den Rückkehrern muss man unterscheiden“, sagt Ceylan. Auf der einen Seite gebe es die, die gut ausgebildet sind, die Kampferfahrung gesammelt und getötet haben. Auf der anderen die, die enttäuscht sind, die nie gekämpft haben, sondern niedere Arbeiten leisteten. Sie wollen aussteigen, sind nicht selten von ihren Erlebnissen traumatisiert.

Der derzeitige Kurs schafft neue Extremisten

Wie geht die Gesellschaft mit diesen traumatisierten Heimkehrern um? Und wie unterscheidet man sie von den gefährlichen?

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Bisher gehen die meisten Politiker automatisch davon aus, dass alle, die nach Syrien zogen, potenziell gefährlich sind. Aus CDU- und CSU-Kreisen werden Forderungen nach schärferen Maßnahmen gegen salafistische Terroristen laut; der bayrische Innenminister verlangt die Abschiebung gewaltbereiter Salafisten – als wären heimatlose Radikale eine Lösung und nicht ein neues Problem. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) plädiert für „Entschlossenheit und Augenmaß“ im Vorgehen gegen den IS. „Reiner Aktionismus stoppt keine Terroristen.“

Nichtstun allerdings ebenfalls nicht. Das führe vielmehr dazu, dass knapp 7000 Extremisten den Diskurs über insgesamt vier Millionen Muslime in Deutschland bestimmten, sagt Ceylan. Auf Basis dieses verzerrten Diskurses bekämen andere extremistische Gruppierungen in ganz Europa Aufwind – zuletzt zeigte das der Hooligan-Aufmarsch gegen Salafisten in Köln. Doch nicht nur in Deutschland sind die Extremisten ein Problem.

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