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IT-Sicherheit Cybersicherheitsratschefin will schärfere Vorgaben

Exklusiv

Cornelia Rogall-Grothe, Vorsitzende des Nationalen Cybersicherheitsrates und Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, will Betreiber kritischer Infrastruktur wie Daten- oder Stromnetze künftige stärker in die Pflicht nehmen, auf die IT-Sicherheit zu achten.

00000000 für den Start von Atomraketen
Das Passwort für den Abschuss der US-Minuteman-Atomraketen war denkbar schlecht: Wie das Online-Portal " heise.de" berichtet, bestand die Kombination für fast zwei Jahrzehnte aus acht Nullen. Demnach entschied das Strategic Air Command (SAC) wohl, dass die Militärentscheider in der heißen Phase des Kalten Krieges die Raketen möglichst schnell starten können sollten. Darüber hinaus soll das Passwort auch noch auf den Start-Checklisten ausgedruckt worden sein. So hätten sogar zivile Arbeiter Zugang zu den vernichtenden Waffen gehabt. Quelle: AP
Joseph Bonneau von der Universität Cambridge hat 70 Millionen Passwörter analysiert. Dafür musste er allerdings nicht in Rechner einbrechen - er analysierte die sogenannten Hash-Werte der Passwörter. Das ist eine Art Fingerabdruck des Passworts mit dessen Hilfe Computer herausfinden können, ob ein Passwort richtig ist, ohne es im Klartext zu speichern. Die Hash-Werte lassen aber Rückschlüsse auf das Passwort zu. Quelle: dapd
In der Wirtschaft sieht es dagegen schlecht aus: Das weltweit beliebteste Passwort in der internationalen Wirtschaftswelt laut Studie ist das sehr unkreative „password1“, gefolgt von „welcome“, „password01“ und „password2“ - da wird das Passwort zur Einladung für Hacker. Quelle: dpa
Davon abgesehen spiegeln sich aber auch kulturelle Unterschiede in den Passwortgewohnheiten wieder. Die Vorliebe der Chinesen für Zahlen beispielsweise, zeigt sich auch bei den verwendeten Passwörtern. Damit landen die Chinesen im Gesamt-Ranking auf einem guten mittleren Platz weit vor den Briten. Beide müssen sich allerdings den Deutschen geschlagen geben - und unter diesen interessanterweise besonders den über 55-Jährigen. Ihre Passwörter sind besonders sicher. Die Passwörter der unter 25-jährigen seien dagegen nur halb so sicher. Allerdings könnte hier den Deutschen auch eine Eigenart ihrer Sprache helfen: Das Deutsche enthält ungewöhnlich viele lange Worte. Quelle: Reuters
Der Computerwissenschaftler fand Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen heraus. Eine große interkulturelle Gemeinsamkeit: die Faulheit der Nutzer. Die Mehrzahl der Passwörter besteht aus gerade einmal sechs Zeichen - egal ob in Peking oder New York. Selbst ein sogenanntes „Skriptkiddie“, das nicht mehr beherrscht als bekannte Hacker-Tools einzusetzen, kann so ein Passwort innerhalb von rund zehn Minuten knacken - zumindest wenn der Computer einen Brute-Force-Angriff nicht durch technische Maßnahmen verhindert. Ein solcher Brute-Force-Angriff probiert automatisch Passwort-Kombinationen nach dem Zufallsprinzip aus - durch die große Anzahl der Versuche wird irgendwann die richtige Kombination dabei sein. Quelle: dpa
Doch wie kommen Nutzer nun zum einfachen und dennoch sicheren Passwort? Die wichtigste Regel zuerst: Wörter, die so im Lexikon stehen, sind absolut tabu. Weil viele Anmeldesysteme nur eine begrenzte Anzahl von Versuchen erlauben, sind Angreifer von der sogenannten Bruteforce-Methode abgekommen. Dabei werden einfach automatisiert sämtliche möglichen Buchstaben- und Nummerkombinationen durchprobiert. Stattdessen werden Listen mit Standard-Passwörtern abgearbeitet, die meist einfach aus Wörtern aus Lexika stammen. Foto: ap
Sonderzeichen nutzenUm sich das eigene Passwort trotzdem merken zu können, kann ein Wort mit Sonderzeichen, eigenwilliger Groß/kleinschreibung oder zusätzlichen Zahlen geschrieben werden. Beispiel: HaUspf@ndbr1ef23. Das "U" wird mitten im Satz groß geschrieben, das "A" wird durch ein "@" ersetzt, das "I" durch eine eins und am Ende des Wortes wird noch eine Nummer angehängt. Noch besser ist allerdings, wenn Sie einzelne Buchstaben mit weniger einfachen Regeln durch Zahlen ersetzen. Beispiel: Jedes "E" durch eine "11" ersetzen. Mögliche Eselsbrücke: Die Elf teilt mit dem "E" den selben Anfangsbuchstaben. Foto: ap

„Angesichts der stetig steigenden Zahl von Cyberangriffen halte ich es für sinnvoll, dass wir in Zukunft den Betreibern kritischer Infrastrukturen schärfere Vorgaben machen“, sagte Rogall-Grothe der WirtschaftsWoche. Insbesondere staatliche Stellen sollten gezwungen werden, nur noch Technik anzuschaffen, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) als sicher gegen Cyberangriffe eingestuft wurden. „In sensiblen Bereichen müssen Sicherheitsprodukte eingesetzt werden, die den Vorgaben des BSI entsprechen. Wenn wir bei einer Ausschreibung dieses Kriterium aufnehmen, ist das eine wichtige Voraussetzung für die spätere Auftragsvergabe“, sagt die Chefin des Nationalen Cybersicherheitsrates. „Wir können es mittelbar steuern, wenn Behörden und Unternehmen beim Kauf von Produkten mit Verbindungen ins Internet stärker darauf achten, wer sie herstellt.“

Mit ihrer Forderung reagiert Rogall-Grothe auf die Sorge in der Politik, IT- und Netzwerkanbieter etwa aus China könnten mit dem Einbau ihrer Technik Möglichkeiten schaffen, unerlaubt in sensible deutsche Infrastruktur eindringen. Einen möglichen Ausweg sieht die Cybersicherheitsrats-Chefin darin, dass sich etwa die europäischen Regierungen gemeinsam des Themas annehmen und so die Produktion entsprechend sicherer Technik in Europa stimulieren. „Wir können uns als Nachfrager zusammenschließen, um eine größere Marktmacht zu bekommen. Die Stückzahlen steigen dann, und es wird für die europäische Industrie wieder interessant, in IT-Produkte zu investieren“, so Rogall-Grothe. „Ich halte es auch für sinnvoll, dass die hiesige IT-Industrie gemeinsam sichere Produkte entwickelt und die hohen Kosten auf mehrere Schultern verteilt.“

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