Johanna Wanka Die Baustellen der neuen Bildungsministerin

Annette Schavan geht, Johanna Wanka kommt, die Probleme bleiben. Ein Überblick über die größten Schwachstellen der Bildungsrepublik.

Johanna Wanka bekommt ihre Ernennungsurkunde, Anette Schavan die Entlassungspapiere. Quelle: dpa

Um kurz nach elf Uhr am Vormittag empfängt Johanna Wanka ihre Ernennungsurkunde von Bundespräsident Joachim Gauck. Nur zwei Stunden später, pünktlich zum ersten öffentlichen Auftritt im neuen Amt, hängt in der Schauvitrine ihres neuen Ministeriumssitzes in Berlin-Mitte bereits ihr Foto. Politik kann manchmal sehr zügig sein.
So voll war es im Pressesaal des Bildungsministeriums schon lange nicht mehr. Weiter so, lautet die unsichtbare Überschrift ihres kurzen Statements. Johannes Wanka (CDU) ist voll des Lobes für ihre Parteifreundin und Vorgängerin: Annette Schavan habe „Wichtiges erreicht“ und hinterließe „große Schuhe, in die ich versuche, zu treten“.
Wanka, studierte Mathematikerin, ehemalige Hochschulchefin und mehr als zehn Jahre lang Wissenschaftsministerin erst in Brandenburg und dann in Niedersachsen, ist von Fach. Eine lange Einarbeitungszeit wird sie kaum benötigen. Noch vor wenigen Tagen war sie als Koordinatorin der CDU-geführten Länder zu Verhandlungen in diesem Ministerium. Jetzt ist sie hier selber die Hausherrin.

Chronologie der Plagiatsaffäre um Annette Schavan

Schavan habe „ein Haus hinterlassen, das wohlbestellt ist“, sagt Wanka. Höflichkeit und Respekt sind in solchen Momenten angezeigt. Tatsächlich aber warten auf die neue Bildungsministerin in den wenigen Monaten bis zur Bundestagswahl zahlreiche Probleme:
Kita-Ausbau
Es dürfte das explosivste Bildungsthema der kommenden Wochen werden – und die Bundesbildungsministerin ist dafür nicht einmal zuständig, sondern die Familienministerin. Trotzdem sollte sich die neue Ressortchefin in dieser Sache zu Wort melden. Noch immer fehlen etwa 150000 Kitaplätze und 15000 Erzieher, um den ab 1. August in Kraft tretenden Rechtsanspruch auf Betreuung zu erfüllen, schätzen der Deutsche Städte- und Gemeindebund und die Uni Dortmund.
In der frühkindlichen Bildung und Betreuung werden die Weichen für die ganze Schulzeit gelegt, vom Sprachvermögen bis zur Sozialkompetenz. Die Grundschule kann kaum noch reparieren, was zuvor versäumt wurde. Umso wichtiger, dass die Verantwortlichen in Bund und Ländern neben der kurzfristigen Quantität auch auf die mittelfristige Qualität Wert legen: mit besser ausgebildeten Erziehern und hohen Anforderungen an Tageseltern. Wenn eine Bildungsministerin das nicht kümmert, was dann?

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