Kabinett in Neu Delhi Merkel will Beziehung zu Indien stärken

Die Atommacht Indien ist für Deutschland ein wichtiger Partner. In Sicherheitsfragen, beim Klima, in der Wirtschaftspolitik. Das Verhältnis von Merkel und Modi gilt aber noch als etwas distanziert.

Merkel ist unterwegs nach Neu Delhi. Quelle: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel will bei deutsch- indischen Regierungskonsultationen am Montag in Neu Delhi die Beziehungen zu Premierminister Narendra Modi festigen. Schwerpunkte des Treffens, an dem auch vier Bundesminister teilnehmen, sind die Klima-, Wirtschafts- und Bildungspolitik. Geplant ist eine Vereinbarung zu einem gemeinsamen Solarenergie-Projekt mit einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Euro. Merkel will ferner die Atommacht Indien zu weiteren Rüstungskontrollmaßnahmen drängen. Es sei wichtig, dass es hier Fortschritte gebe, hieß es in Berlin.

Indien hat nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds ein Wirtschaftswachstum von über sieben Prozent - und liegt damit über China. Merkels Verhältnis zu Modi, der 2014 an die Macht kam und eine national-hinduistische Regierung führt, gilt im Vergleich zu seinem Amtsvorgänger Manmohan Singh als eher distanziert.

Indien in Zahlen

Begleitet wird Merkel von den Ministern Frank-Walter Steinmeier (Außen, SPD), Johanna Wanka (Wissenschaft, CDU), Christian Schmidt (Agrar, CSU) und Gerd Müller (Entwicklung, CSU) sowie Staatssekretären aus weiteren Ministerien. Ferner ist eine zwanzigköpfige Unternehmerdelegation aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Finanzen, Logistik, Chemie, Pharma und Energie dabei.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) flog entgegen der ursprünglichen Planung nicht mit, weil sein indischer Amtskollege verhindert ist, wie es aus Kreisen des deutschen Protokolls hieß. Wegen eines Defekts an der Regierungsmaschine vom Typ Airbus A340 wurde für die Reise kurzfristig ein Truppentransporter der Luftwaffe bereitgestellt. Mit der Maschine vom Typ A310 werden normalerweise Bundeswehrsoldaten transportiert, auch in Einsätze.

Fakten und Hintergründe zu Indien

Deutschland will mit Blick auf die Weltklimakonferenz im Dezember in Paris die Zusammenarbeit im Bereich der erneuerbaren Energien auch mit Indien vertiefen, um das Ziel zu erreichen, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten. Ferner will Merkel für das ins Stocken geratene Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit Indien werben. Dabei geht es auch um Zölle für die Automobilindustrie. Probleme sieht die Bundesregierung bei den von Modi angekündigten, aber schleppenden Reformen im Bereich Rechtssicherheit für Investoren und Einführung einer einheitlichen Mehrwertsteuer.

Es sind die dritten deutsch-indischen Regierungskonsultationen seit 2011. Es ist auch der dritte Besuch der Kanzlerin in Indien nach 2007 und 2011. Am Dienstag reist sie nach Bangalore - mit mehr als 8,4 Millionen Einwohnern eine der größten Städten Indiens und IT-Zentrum.

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