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Kampf gegen Corona Und jetzt: die Lauterbach-Variante

Der neue deutsche Gesundheitsminister: Was wird er anders machen als sein Vorgänger? Quelle: REUTERS

Den neuen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verbindet eine lange gemeinsame Geschichte mit seinem CDU-Vorgänger. Dennoch wird sich in Stil und Stoßrichtung einiges ändern im Pandemie-Krisenressort.

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Als Karl Lauterbach am Mittwoch im Gesundheitsministerium an der Berliner Friedrichstraße die Geschäfte von Vorgänger Jens Spahn übernahm, da saßen beide eine Weile nebeneinander. Der CDU-Mann im Anzug samt Krawatte, aufrecht und akkurat. Der Neue hingegen hing etwas gekrümmt auf seinem Stuhl und studierte noch seinen Block mit Stichwörtern für die Ansprache. Um Äußerlichkeiten nicht weniger bemüht, natürlich ohne Krawatte, aber eben auch nicht mehr mit seinem früheren Markenzeichen, der Fliege. Die wirkt ihm angesichts der Krisenlage etwas zu verspielt als optische Botschaft.

Den Alten und den Neuen im Gesundheitsressort schweißt nicht nur die Pandemie zusammen, sondern viele Gemeinsamkeiten – die schon erstaunlich lange zurückreichen. Vor acht Jahren, schon einmal nach einer Bundestagswahl, begann ihre enge Zusammenarbeit. Das Verbindende schon damals, als es um die Bildung einer schwarz-rote Koalition ging: Beide wollten unbedingt Minister werden. Sie hatten die entsprechenden Kapitel der Regierungspläne verhandelt, die sich um Gesundheit und Pflege drehten, geräuschlos, vertrauensvoll und erfolgreich. „2013 hätten wir es dem anderen gegönnt, Minister zu werden, waren aber jeder überzeugt, es selbst zu werden“, hat Lauterbach einmal erzählt. Es wurde dann Hermann Gröhe von der CDU.

Nun haben es beide doch noch beide geschafft. Nacheinander. Spahn befand sich die vergangenen knapp zwei Jahre fast nur im Krisenmodus aufgrund der Coronapandemie. In diese Arbeitsweise wird sich sein Nachfolger Lauterbach so auch sofort einfinden müssen



Gleich am ersten vollen Tag im Amt trafen sich Bund und Länder am Donnerstagnachmittag einmal mehr, um Regeln und Schritte gegen die weitere Ausbreitung des Virus zu vereinbaren. Damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird – und damit möglichst wenig weitere Menschen sterben. Lauterbach kündigte als eine der ersten Ad-hoc-Maßnahmen eine Impfstoffinventur an.

Sein Vorgänger gab sich beim Abschied bewegt. Für ihn, der das Ministeramt als Sprungbrett für weitere Karriereschritte nutzen wollte, steht erstmal nur noch mit dem Abgeordnetenmandat da. Er wollte CDU-Chef werden, vielleicht ein anderes Ministeramt bekommen, irgendwann mal Kanzler werden. Als die CDU die Aussicht aufs Regieren verlor, da rechnete er sich noch Chancen auf den Fraktionsvorsitz aus. Alles erstmal vorbei. Karrierepause.

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    Spahn: Fehler seien unvermeidbar gewesen

    Es sei ein Amt „mit viel Feind und wenig Ehr“, sagte Spahn, der einige Fehler machte in der Pandemie. Doch die seien unvermeidbar gewesen, fügte er gleich hinzu, zu schnell, zu viel sei zu entscheiden gewesen. Immerhin habe das Haus nun deutlich mehr Mitarbeiterinnen, von 750 auf mehr als 1000 sei die Zahl gewachsen, vom reinen Gesetzgebungsressort sei es auch etwas zu einem operativen Ressort geworden, um selbst auf Krisen reagieren zu können. 

    Spahn war es, welch Wunder, wichtig zu zeigen, wie viel er bewegt hat. Er war mal der Minister mit der höchsten Schlagzahl an neuen Gesetzen, in der Pandemie erreichte er durch seine Allzeit-Präsenz im Fernsehen Bekanntheit. Doch immer begleitete ihn der Eindruck, sein eigenes Fortkommen vielleicht wichtiger zu nehmen als unpopuläre Entscheidungen zu treffen und öffentlich zu tragen. Spahn war auch der Social-Media-Minister mit einem sehr professionellen Team für die Selbstdarstellung auf allen Kanälen.

    Lauterbach ist ein Asket, ein Mahner, ein Twitterer

    Nun also Auftritt Lauterbach, ein habitueller Gegenentwurf. Der Asket, der Salz im Essen und rotes Fleisch meidet. Der Corona-Experte, der mit seinem selbstgezimmerten Tweets mehr Follower findet als Spahn mit seiner PR-Riege. Der Mediziner, der Studienergebnisse, medizinische oder gesundheitspolitische Positionen postet, eher weniger geschmeidige Ware. Doch er ist meinungsfreudig, hat viele Anhänger wie Gegnerinnen, wird auch persönlich angegriffen, wenn er Unpopuläres wie Lockdowns durchargumentiert. 

    Immer steht er dabei auf der Seite der Mahner und der schnellen Entscheider in der Pandemie. Manchmal lässt er dabei einzelne Ergebnisse von Studien aus, die in eine etwas andere Richtung führen könnten, oder er benutzt noch nicht gesicherte Ergebnisse als Basis für seine Argumente. Doch das sind die Ausnahmen - und immer wieder hat sich Lauterbach dafür auch entschuldigt und aufgerufen, mit ihm zu diskutieren.

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    Wie sehr diese Debatte und vor allem das Finden gemeinsamer Lösungen nun zwischen Lauterbach und den Ländern oder zwischen den Gesundheitsminister und anderen Kabinettsmitglieder gelingt, das weiß noch keiner. Vorgänger Spahn brachte gestern zur Sicherheit nochmal seinen Satz vom Beginn der Pandemie an: „Wir werden uns in dieser Pandemie gegenseitig einiges verzeihen müssen. Das gilt weiter.“

    Für emotionale Zwischentöne ist Lauterbach zwar nicht der Typ. Bei Spahns Worten nickte er allerdings sichtbar.

    Mehr zum Thema: Eine Impfpflicht für Deutschland wird immer wahrscheinlicher. Vor diesem Hintergrund fordern deutsche Kommunen ein Impfregister.

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