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Kapitalismuskrise Der Bankrott der Marktwirtschaft

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Alt-Bundeskanzler Ludwig Quelle: dpa

Die Lösung liegt vielmehr in der Durchsetzung einer (internationalen) Ordnungspolitik, die Aktionäre, Mitarbeiter und Verbraucher gleichermaßen ins Zentrum des Wirtschaftsgeschehens rückt – und in der Rehabilitation der so gründlich verhunzten Zentralbegriffe der (sozialen) Marktwirtschaft. Nur durch die Rückbesinnung einer auf „Maß und Mitte“ (Wilhelm Röpke) zielenden Wirtschaftspolitik, die auf Vermögen, Eigentum und Sparkapital statt Kreditmissbrauch aufbaut und mehr Kreislauf im Sinn hat als Expansion, kann das „bürgerliche Lager“ seine akute Sprachlosigkeit überwinden.

Maß und Mitte

Dazu allerdings müssten Union und FDP endlich begreifen, dass sie selbst es waren, die ganz entscheidend an der Entwertung, ja: Aufhebung der Marktwirtschaft durch den Finanzmarktkapitalismus mitgewirkt haben. Tatsächlich ist der Gegensatz von Marktwirtschaft und Staatswirtschaft in der gegenwärtigen Geldwirtschaft aufgehoben. In Wahrheit haben wir es seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems (1973) mit einem finanzmarktliberalen Staatsschuldenkapitalismus zu tun, der auf dem säkularreligiösen Glauben an unendlich vermehrbares Kreditgeld beruht – und an eine unendlich verlängerbare Frist, die uns die „Realisierung“ der Schulden erspart.

Was aber folgt daraus? Ganz einfach: Wir brauchen eine neue Ordnung, die von der Freiheit, die sie zulässt, nicht zugrunde gerichtet wird. Und einen Staat, der sich nicht als Schuldner von den Finanzmärkten abhängig macht, sondern sich stattdessen bescheidet. So weit allerdings war Ludwig Erhard auch schon.

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