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Kapitalismuskritiker Jean Ziegler "Wir leben in einer kannibalischen Welt"

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"Wir stehen an der Abbruchkante der Zeit"

Oder die Erkenntnis, dass es den Schweizern so besser geht.

Das Lohngefälle wird immer größer, die Mieten und Lebenskosten steigen rasant, sodass es für die Mehrheit immer schwerer wird, ihren Lebensstandard zu erhalten und zu finanzieren. Ich erkenne die Vorteile nicht, die Sie andeuten. Nein: Die Ketten liegen in unserem Kopf. Wir stehen – wie Immanuel Kant schon einmal gesagt hat – an der Abbruchkante der Zeit. Wenn die Konzern-Weltdiktatur den Kampf gewinnt ums Bewusstsein, ist es vorbei mit der Aufklärung, mit dem demokratischen Staatsgedanken. Dann kommt was Perverses: Ein Dschungel, in dem der Stärkere gewinnt. Alle Errungenschaften der Demokratie wären verloren.

In wen setzen Sie die Hoffnung, dass dies nicht geschieht? Können die Gewerkschaften der „Konzern-Weltdiktatur“, wie Sie sagen, Paroli bieten?

Die Entfremdung hat auch in der sozialistischen Internationale Einzug gehalten. Auch bei den großen Gewerkschaften. Wenn die deutschen Maschinenbauer sagen, wir müssen aus Kostengründen Personal abbauen oder die Produktion verlagern, dann übernimmt die IG Metall nahezu diskussionslos die Sichtweise und verhandelt. Nein, das ist keine Lösung.

Vielleicht kann Ihnen die EU-Kommission zur Seite springen. Sie will eine Sozialcharta durchsetzen und so die Folgen der Krise abmildern.

Ich glaube weder daran, dass die Europäische Union hier helfen kann, noch der Nationalstaat. Der Souveränitätsverlust des Nationalstaates und die Entfremdung der Führungsschichten, die freiwillige Unterwerfung unter die Logik des Kapitals ist so weit vorangeschritten, dass ich nicht an eine Umkehr glaube. Die einzige Kraft, an die ich glaube, ist die neue globale Zivilgesellschaft.

In Arbeit
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Wer ist das?

Es hat sich eine Vielzahl von Widerstandsfronten etabliert. Wie vielfältig sie ist, zeigt sich einmal im Jahr beim Weltsozialforum. Sie kennen Attac, Greenpeace und die Frauenbewegung. Aber es gibt auch Bewegungen wie La Via Campesina. Sie kämpfen für die Rechte der Bauern, Kleinpächter und Tagelöhner von Honduras bis Tunesien – und gegen das Großkapital. Es ist ein Aufstand. Karl Marx hat einst gesagt: Der Revolutionär muss imstande sein, das Gras wachsen zu hören. Ich kann Ihnen sagen: Das Gras wächst.

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