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Karliczek als Bildungsministerin, Altmaier ins Wirtschaftsressort Merkels Minister-Liste steht

Quelle: REUTERS

Jünger und weiblicher will Angela Merkel ihr Kabinett und ihre Partei machen. Nun steht CDU-Personalaufstellung für eine Große Koalition fest.

CDU-Chefin Angela Merkel hat am Sonntagabend ihre Kabinettsliste für die angestrebte große Koalition mit der SPD präsentiert.

"Ich glaube, damit haben wir ein tatkräftiges, ein auf die Zukunft ausgerichtetes Team aufgestellt", sagte Merkel in Berlin, nachdem sie Präsidium und Bundesvorstand ihrer Partei die Namensliste präsentiert hatte. Sie sei die Einzige, die über 60 Jahre als sei, betonte die Kanzlerin und ging damit auf parteiinterne Forderungen nach einer personellen Erneuerung nach zwölf Jahren Kanzlerschaft ein.

Zudem würden drei der sechs Ministerposten der CDU wie versprochen mit Frauen besetzt, sagte die Kanzlerin. Auch zwei der drei Posten als Staatsminister im Kanzleramt werden mit Monika Grütters (Kultur) und Annette Widmann-Mauz (Integration) von Frauen besetzt.

Die CDU und ihre künftigen Minister im Überblick
Wirtschaftsministerium: Peter Altmaier (59): Der Saarländer gilt als einer der engsten Vertrauten von Angela Merkel. Der bisherige Kanzleramtschef und geschäftsführende Finanzminister gilt quasi als gesetzt für das Wirtschaftsressort. In der CDU gibt es viel Knatsch darüber, dass Merkel das Finanzressort der SPD überlassen hat. Viele sehen das Wirtschaftsministerium nur als „Trostpreis“, obwohl die CDU es nun erstmals seit mehr als fünf Jahrzehnten wieder besetzt. Merkel zeigt sich mit Hinweis auf den legendären Minister Ludwig Erhard „schon ein bisschen verwundert“, dass das Wirtschaftsministerium nichts mehr zähle. Kritiker meinen, das Ressort habe schleichend an Bedeutung verloren, auch wenn es bei vielen wichtigen Themen mitmischt. Die Frage wird sein, was Altmaier aus dem Amt macht. Der Genussmensch kann auf eine lange politische Erfahrung verweisen, er war auch schon Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, Parlamentarischer Innenstaatssekretär und Umweltminister. Quelle: dpa
Bildungsministerium: Anja Karliczek (46): Quasi aus dem Hut gezaubert hat Merkel die neue Bildungs- und Forschungsministerin Anja Karliczek. Die Hotelmanagerin aus dem nordrhein-westfälischen Ibbenbüren solle sich vor allem um berufliche Bildung kümmern heißt es. Ob dies dem Ministerium gerecht wird, das angesichts eine Digitalisierungsoffensive an Schulen und der geplanten Lockerung des Kooperationsverbotes von Bund und Ländern in der Bildung zusehends zu einem Schlüsselressort wird, bleibt abzuwarten. Karliczek war bisher eine der fünf Parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion. Die 46-Jährige sitzt seit 2013 als direkt gewählte Abgeordnete des münsterländischen Wahlkreises Steinfurt III im Parlament. Bisher hat sie sich eher mit Finanzthemen befasst: Reform der Lebensversicherungen, betriebliche Altersvorsorge, Bund-Länder-Finanzausgleich. (Archivbild, 2013) Quelle: dpa
Gesundheitsministerium: Jens Spahn (37): In den vergangenen Jahren hat er sich als Kritiker Merkels in den eigenen Reihen und als konservativer Politiker profiliert. Nach sechs Jahren als gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion und zweieinhalb Jahren als parlamentarischer Finanzstaatssekretär soll er nun Gesundheitsminister werden. Spahn blickt aber auch über den fachpolitischen Tellerrand hinaus. Das wurde deutlich, etwa als er vor rund einem Jahr ein Islamgesetz forderte oder jüngst beim Wiener Opernball die Nähe zu Österreichs jungkonservativem Kanzler Sebastian Kurz suchte, der für einen harten Flüchtlingskurs steht. Häufiger wird Spahn mit Schwulenfeindlichkeit konfrontiert. Unpassende Bemerkungen konterte er immer wieder lässig. Wenige Tage vor Weihnachten heiratete er seinen Lebenspartner, den Journalisten Daniel Funke. Verwurzelt ist Spahn im Münsterland, wo er Abitur machte, einem Kreisverband der Jungen Union vorsaß und zehn Jahre Mitglied in einem Stadtrat war. Quelle: dpa
Verteidigungsministerium: Ursula von der Leyen (59): Die derzeitige Verteidigungsministerin ist weder bei Parteikollegen noch unter den Soldaten sehr beliebt. Dafür kann die Niedersächsin umso besser mit Kameras, hat einen Riecher für populäre Themen und gilt als Frau mit dem ausgeprägtesten Machtwillen in der CDU. Sie soll im Amt bleiben. Die Politik wurde von der Leyen in die Wiege gelegt: Sie ist Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht. Sie hat ein Medizinstudium mit Doktortitel in der Tasche, ist Mutter von sieben Kindern und legte als politische Quereinsteigerin eine Blitzkarriere hin. Zwölf Jahre dauerte ihr Weg vom CDU-Ratsmitglied der niedersächsischen Kleinstadt Sehnde in die Bundesregierung. Nach ihrer Zeit als Familien- und Arbeitsministerin ist sie seit 2013 die erste Verteidigungsministerin der Bundesrepublik. Ihr Umgang mit den Skandalen in der Truppe hat an ihrem Image gekratzt. Quelle: dpa
Landwirtschaftsministerium: Julia Klöckner (45): Die rheinland-pfälzische Landes- und Fraktionschefin ist seit mehreren Jahren eine Hoffnungsträgerin der CDU. Sie ist seit 2012 stellvertretende Bundesvorsitzende. In der Partei genießt sie Respekt unter Kollegen, ihr Wort hat Gewicht. Dort wird davon ausgegangen, dass sie das Agrarressort übernimmt. In der Landwirtschaft kennt sie sich aus - nicht nur, weil sie von 2009 bis 2011 Parlamentarische Staatssekretärin unter Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) war. Bei den Jamaika-Sondierungen und den Koalitionsverhandlungen mit der SPD war sie Chefunterhändlerin der CDU für den Agrarbereich. Für die Landtagswahl 2011 wechselte Klöckner von Berlin nach Mainz. Ihr Ziel, in die Staatskanzlei einzuziehen, verfehlte sie 2011 und auch 2016. Im Wahlkampf warb Klöckner für Aufnahme- und Entscheidungszentren an deutschen Grenzen und war damit der CSU näher als Merkel. Sie hat konservative Ansichten, sieht ihre politische Haltung aber zugleich als modern an. Quelle: REUTERS
Kanzleramt: Helge Braun (45): Die Kanzlerin hält große Stücke auf den Arzt aus Hessen, der von sich sagt, dass er eigentlich immer gut gelaunt ist. Braun war schon mehrfach als Krisenmanager im Hintergrund gefragt. 2002 zog er erstmals in den Bundestag ein, 2005 scheiterte er. Bei der Wahl 2009 eroberte er das Mandat zurück - und wurde Staatssekretär im Bildungsministerium. In der vergangenen Wahlperiode war er als Staatsminister bei der Bundeskanzlerin zuständig für die Bund-Länder-Beziehungen und koordinierte für Merkel die Bewältigung der Flüchtlingskrise. Braun ist kein politischer Lautsprecher, er zieht eher im Stillen die Strippen. Damit scheint der Anästhesist wie gemacht für die Schlüsselrolle, die er nun spielen soll: Braun wird Nachfolger von Peter Altmaier als Chef des Kanzleramts. Dort könnte er sein Steckenpferd, die Digitalisierung, weiter zentral koordinieren. Wegen seiner besonnenen Art ist Braun auch in der SPD geschätzt. Quelle: dpa
Staatsministerin für Integration: Annette Widmann-Mauz (51): Die Baden-Württembergerin ist seit 2009 parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium und soll nun Staatsministerin für Integration im Kanzleramt werden. In Tübingen wurde sie am 13. Juni 1966 geboren, in Balingen (Zollernalbkreis) ging sie zur Schule. Dort lebt sie bis heute mit ihrem Mann. Sie studierte an der Universität Tübingen Politik- und Rechtswissenschaften, machte aber keinen Abschluss. 1998 zog sie in den Bundestag ein. Von 1995 bis 2015 war Widmann-Mauz Vorsitzende der Frauen Union der CDU Baden-Württemberg, seit drei Jahren ist sie Bundesvorsitzende der Frauen Union. Bei der Bundestagswahl 2017 gewann sie mit 35,7 Prozent der Erststimmen zum fünften Mal das Direktmandat im Wahlkreis Tübingen-Hechingen. Widmann-Mauz gilt als durchsetzungsstark. Mit ihrer forschen und fordernden Art eckt sie aber auch an. Zu ihren Hobbys zählt sie Wandern und Radfahren, Skifahren und Schwimmen. Quelle: dpa

Neue Bundesbildungsministerin soll Anja Karliczek werden. Den 37-jährigen Jens Spahn nominierte Merkel als Gesundheitsminister. Der bisherige Kanzleramtschef Peter Altmaier soll künftig das Wirtschaftsressort leisten. Verteidigungsministerin bleibt Ursula von der Leyen. Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner soll neue Landwirtschaftsministerin werden. Der bisherige Staatsminister im Kanzleramt, Helge Braun, übernehme die Nachfolge von Altmaier und werde Kanzleramtschef, sagte Merkel.

Den notwendigen Abschied des bisherigen Innenministers Thomas de Maizière und von Gesundheitsminister Hermann Gröhe bezeichnete Merkel als "schmerzlich".

Kritik an Spahn

Am meisten Diskussionen hatte es in den vergangenen Tagen um die Frage gegeben, ob Merkel auch das Präsidiumsmitglied Spahn ins Kabinett beruft. Der 37-Jährige war mehrere Jahre gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion und handelte 2013 gemeinsam mit dem SPD-Politiker Karl Lauterbach das Gesundheitskapitel im Koalitionsvertrag aus. 2014 hatte der nordrhein-westfälische Politiker eine Kampfabstimmung gegen Gesundheitsminister Hermann Gröhe um den Präsidiumsposten gewonnen, dessen Ressort er nun übernehmen soll.

Seit 2015 ist Spahn parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium. Der aus dem Münsterland stammende Politiker fiel mehrfach mit Kritik an Merkel auf. Unter anderem forderte er eine härtere Flüchtlingspolitik und ein konservativeres Profil der Partei. Merkel hofft mit der Ernennung Spahns offenbar, einen ihrer profiliertesten Kritiker einbinden zu können und zugleich den konservativen Flügel zu befrieden.

Die als Bildungsministerin vorgesehene Karliczek stammt wie Spahn ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen. Sie ist Parlamentarische Geschäftsführerin in der Unions-Fraktion. In ihrem Wahlkreis in Steinfurt wurde sie direkt in den Bundestag gewählt. Karliczek würde Nachfolgerin von Johanna Wanka (CDU), die bereits vor Monaten ihren Rückzug angekündigt hatte. Als Bildungsminister war auch Gröhe gehandelt worden, der nun leer ausgeht. Auch Noch-Innenminister Thomas de Maiziere wird nach drei Wahlperioden Merkels Kabinett nicht mehr angehören.

Für Merkel ist die Benennung der Minister der dritte und abschließende Schritt einer personellen Neuaufstellung ihrer Partei - hinter ihrer Person. Die Bundestagsfraktion der Union hatte Ende Januar eine Reihe von 30- bis 40-Jährigen in Stellvertreterposten gebracht. Am vergangnen Montag schließlich überraschte die CDU-Chefin mit der Nominierung der saarländischen Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer als Generalsekretärin.

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